Wilhelmshaven - Manganknollen haben das Interesse vieler Industrienationen geweckt. In ihnen sind zahlreiche Metalle enthalten. Ihr industrieller Abbau könnte in naher Zukunft diese Länder mit wertvollen Rohstoffen versorgen.

Um die Knollen herum hat sich aber auch eine vielfältige Tierwelt entwickelt. Wissenschaftler vom Institut Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven haben die Manganknollen und ihre Umgebung während einer sechswöchigen Expedition im Pazifischen Ozean untersucht.

Am 1. April 2013 brachen Doktorandin Annika Janssen, Uwe Raschka, Alexandra Ostmann und Lena Albers von Honolulu/ Hawaii gemeinsam mit 15 Wissenschaftlern von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover in Richtung der beiden deutschen Forschungsfelder auf. Das Zielgebiet liegt rund 4000 Kilometer südöstlich von Hawaii in der Clarion Clipperton Fracture Zone. „Ein Gebiet, das sich zwischen Hawaii, Mexiko und Tahiti erstreckt“, erklärt Janssen. In diesem Dreieck befinden sich die größten Manganknollen-Vorkommen.

Manganknollen sind reich an Metallen; neben Mangan findet sich in ihnen Kupfer, Kobalt und Nickel aber auch Eisen und die sogenannten Seltenen Erden. Da sie sich in schwer zugänglichem Gebiet und großer Tiefe konzentrieren, war ihr Abbau bislang allerdings unwirtschaftlich. Dies könnte sich aber im Zuge knapper werdender Ressourcen und einer damit einhergehenden Verteuerung der Rohstoffpreise ändern.

Deutschland und andere Nationen haben von der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA, englisch: International Seabed Authority) mit Sitz auf Jamaika Lizenzen zur Erforschung der Vorkommen erworben. Die beiden deutschen Claims umfassen ein Gebiet, das ungefähr der Größe von Niedersachsen und Schleswig-Holstein entspricht.

Die 1994 gegründete ISA hat die Aufgabe, die Bodenschätze der Tiefsee als Erbe der Menschheit zu verwalten. „Bevor mit einem industriellen Abbau begonnen werden darf, muss eingehend untersucht werden, wie sich dies auf die Umgebung auswirkt“, sagt Janssen. „Wir haben die Aufgabe, eine Bestandsaufnahme des Lebens in der Tiefsee und auf dem Meeresboden rund um die Vorkommen zu machen.“

Dafür haben die Wissenschaftler von der BGR und dem Institut Senckenberg am Meer rund 100 Proben vom Grund des Pazifiks genommen. Anhand der Erkenntnisse, die die Forscher aus ihren Untersuchungen gewinnen, sollen dann Referenzzonen und potenzielle Abbaugebiete ausgewählt werden.

„So lässt sich vergleichen, wie die Umwelt auf den Abbau reagiert und wie sie ihn verkraftet“, so Janssen. Die nächste Expedition ist für 2014 geplant.