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NWZonline.de Ratgeber Wissenschaft

Zwei Physiker kämpfen gegen „Schwurbel“

11.10.2019
Frage: Reinhard, die Show von dir und Nicolas Wöhrl geht auf euren Podcast „Methodisch Inkorrekt“ zurück. Darin unterhaltet ihr euch in jeder Folge drei Stunden lang über wissenschaftliche Studien. Erwartet das die Gäste auch bei der Show?
Remfort: Nein, da machen wir was anderes. Wir haben uns ein Thema ausgesucht, das uns beschäftigt und das uns häufiger im Alltag begegnet: Esoterik. Wir versuchen, mit solchen Schwurbeleien aufzuräumen.
Frage: Wenn man euch anguckt, dann entsprecht ihr nicht dem Klischee eines Physikers...
Remfort: Ja, auch das liegt uns am Herzen. Wir wollen zeigen: den Klischee-Physiker mit wirren Haaren und weißem Kittel gibt es nicht. Physiker zu sein ist ein Job wie jeder andere auch. Wenn du an eine Uni gehst, sind das ganz normale Leute. Wir möchten zeigen, dass Wissenschaftler zu sein ein cooler Job ist.
Frage: In eurem Podcast widmet ihr euch auch im „Schwurbel der Woche“ Dingen wie Homöopathie. Was stört euch so daran?
Remfort: Homöopathie ist ein esoterisches Konzept und wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus! Es gibt seit 200 Jahren, in denen man den Schwachsinn betreibt, nicht eine sauber geführte Studie, die was anderes sagt. Trotzdem bezahlen wir das mit unserem Krankenkassensystem. Was aber fast noch schlimmer ist: Die Akzeptanz für esoterischen Schwachsinn wie Homöopathie, Waldorfschulen, Demeter-Produkte oder ähnliches untergräbt ein wissenschaftliches Weltbild. Wenn wir das akzeptieren, dann nehmen wir uns selbst die argumentative Grundlage, wenn es um wichtige Themen wie den Klimawandel geht. Wie will ich da mit wissenschaftlichen Studien argumentieren, wenn ich an anderer Stelle die Wissenschaft komplett über Bord werfe?

Methodisch Inkorrekt in Oldenburg

Am Sonntag, 3. November, sind Reinhard Remfort und Nicolas Wöhrl ab 19 Uhr in der Kulturetage zu Gast.

Karten für die Wissenschaftsshow gibt es im Vorverkauf für 27,50 Euro (ermäßigt 20,90 Euro) unter anderem auf reservix.de.

Die Idee zur Show entstand anlässlich der 100. Podcast-Folge von Methodisch Inkorrekt. Ein Podcast ist eine Art Radio-Show im Internet.

    http://minkorrekt.de/

Frage: Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Andere sagen, es gibt keinen „Klimanotfall“ oder ähnliches, zum Beispiel rund 500 Menschen, die gerade einen entsprechenden Brief an die Vereinten Nationen geschrieben haben.
Remfort: Es gibt einen wissenschaftlichen Konsens. Bei denen, die das bestreiten, muss man immer genau gucken: Wer ist das? Sind das Wissenschaftler und wenn ja, sind das welche, die sich auch mit dem Klimawandel beschäftigen. Bei denen, die zum Klimawandel forschen, ist der Konsens bei 99 Prozent.
Frage: Aber wie soll Ottonormalbürger wissen, welche Seite Recht hat?
Remfort: Stellt man die Studien gegenüber, dann ist das grob überspitzt eine Größenordnung von 40 000, die den Klimawandel als menschengemacht ansehen, gegen 5, die das nicht tun. Das ist eine überwältigende Mehrheit. Aber genau darum, wie man erkennt, ob etwas plausibel wissenschaftlich belegt ist oder nicht, geht es in unserer Show.
Frage: Das heißt?
Remfort: Vieles von dem esoterischen Zeug ist sowas von abstrus, dass man nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Wir suchen uns solche abstrusen Konzepte raus und zeigen an ihnen typische Vorgehensweisen wie solche Schwurbeltheorien verbreitet werden und wie die argumentieren. Daran versuchen wir zu zeigen, dass das doch gar nicht so speziell ist, sondern dass wir das überall finden.
Frage: Beispiel?
Remfort: Wir finden den Bäcker, der mit Grander-Wasser seine Brötchen backt. Wir finden Ärzte, die uns Homöopathie andrehen und oft gar nicht wissen, was das ist oder sich nie genau damit beschäftigt haben. Manche verwechseln das, genau wie viele Patienten, gerne mal mit Naturheilkunde. Homöopathie hat aber nichts mit Naturheilkunde zu tun, Homöopathie ist Quatsch.
Frage: Ihr macht aber auch klassische naturwissenschaftliche Experimente. Es knallt und dampft auf der Bühne.
Remfort: Ja klar. Das ist generell das Schöne an der Physik: Man kann einfache physikalische Zusammenhänge mit Experimenten zeigen. Alles was knallt, raucht, brennt macht halt Spaß. Da sind auch Experimente dabei, die jeder selbst zu Hause ausprobieren kann.
Frage: Erinnert schon an die Knoff-Hoff-Show, oder?
Remfort: Ja, tatsächlich ein bisschen. Die haben wir beide auch super gern gesehen und bedauern sehr, dass es die nicht mehr gibt.
Frage: Warum macht ihr denn nicht einfach so eine Fernsehshow? Du hattest ja schon eine kleine Fernsehsendung mit Bastian Bielendorfer, dem Lehrerkind, und wärst da ja prädestiniert.
Remfort: Du als Journalist müsstest ja wissen, dass das so nicht funktioniert. [muss lachen]
Frage: Touché!
Remfort: Ich würde sehr gern einfach mal im Fernsehen einen Sendeplatz haben und eine ordentliche Wissenschaftsshow machen, aber so einfach ist das nicht.
Frage: Aber eure Bühnenshow könnt ihr ja machen. An wen richtet sich die eigentlich?
Remfort: An alle eigentlich; Kinder jetzt vielleicht weniger, schon eher an ein erwachsenes Publikum. Ein bisschen wissenschaftlich interessiert sollte man sein, aber das war es auch schon.
Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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