NEW YORK - Sie waren der Inbegriff des Gigantischen: Sauropoden wogen das Zehnfache eines Elefanten, ihr Hals stellte den von Giraffen weit in den Schatten. In der Länge nahmen sie es mit drei Lastern auf. Seit ein Meteorit die größten Dinosaurier aller Zeiten auslöschte, erreichte kein Lebewesen mehr diese Maße. Warum?, fragte sich der Paläontologe Martin Sander von der Universität Bonn. Er versammelte Forscher verschiedenster Disziplinen um sich und begann, das Geheimnis der Sauropoden zu ergründen. Das Ergebnis ist eine Ausstellung im American Museum of Natural History (AMNH/bis Januar 2012), dem größten und angesehensten Naturkundemuseum der Welt, die auch in anderen Ländern zu sehen sein wird.
Pflanzenfresser
„Es ist eine große Ehre, dass wir hierher gebeten wurden, um die Ausstellung konzeptuell und inhaltlich zu gestalten“, sagt Sander. Die amerikanischen Paläontologen waren bisher nicht dem Ansatz nachgegangen, den das deutsch-schweizerische Team von Evolutionsbiologen, Zoologen, Veterinärmedizinern, Experten der Konstruktionstechnik und Materialforschern seit Jahren verfolgt. Das Team versuche, Dinosaurier als lebende Tiere zu verstehen, erläutert Sander.
„Wir haben uns auf körperliche Merkmale der Sauropoden konzentriert, die andere große Tiere nicht haben.“ Ihre Funde veröffentlichten Sander und Kollegen in den Fachjournalen „Science“ und „Biological Reviews“.
Die Pflanzenfresser konnten dank ihres langen Halses große Flächen abgrasen, ohne sich dabei zu bewegen. 500 Kilogramm und mehr verschlangen sie täglich mit Stumpf und Stiel. Zähne und Kaumuskeln hatten sie nicht. Dadurch blieb der Kopf klein und war keine Belastung für den Hals. „Primitiv“ im evolutionären Sinn war auch die Fortpflanzung der Sauropoden, sagt Sander. Sie legten Eier, durchschnittlich zwei im Jahr. „Lebendgeburten sind seltener und riskanter bei großen Tieren“, sagt Sander. Die Sauropoden überlebten insgesamt 140 Millionen Jahre.
Lebensgroßes Modell
Dazu trug nach Erkenntnissen des deutschen Teams auch die rasante Stoffwechselrate der Langhals-Dinosaurier bei. Gerade ausgeschlüpfte Exemplare verdoppelten ihr Gewicht in fünf Tagen, sagt Sander. Bei Menschenbabys könne das fünf Monate dauern. Noch fortschrittlicher nach evolutionären Maßstäben seien ihre Lunge gewesen, die die gewaltigen Kolosse mit ausreichend Sauerstoff versorgten.
Das Atemsystem zu erklären und darzustellen, war der schwierigste Teil der Ausstellung“, bekennt Sander, der von dem Museum als Gastkurator für die Megaschau „The Worlds Largest Dinosaurs“ angestellt wurde.
Ihr Mittelpunkt ist das lebensgroße Modell eines etwa 20 Meter langen weiblichen Mamenchisaurus. Diese Sauropodenart hatte einen zehn Meter langen Hals. Besucher bekommen das Tier auf der einen Seite komplett mit Haut und Haaren zu sehen.
