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NWZonline.de Ratgeber Wissenschaft

World-Press-Photo In Oldenburg: Liebesgeschichte von der Eisscholle

27.02.2020

Oldenburg Wenn Tagestemperaturen von minus 30 oder minus 45 Grad Celsius normal sind, was sind dann -5°? „Warm“, meint Esther Horvath und lächelt verschmitzt. Es kommt bei solchen Fragen eben immer auf den Standpunkt an – und der lag für Esther Horvath im vergangenen Jahr dort, wo es nur nach Süden geht. Bei 90° 00’ 00“ N oder einfach nur: Nordpol.

Die ungarische Dokumentarfotografin, die seit zwei Jahren in Bremen lebt, war zwischen September und Dezember 2019 Mitglied der Expedition des Forschungsschiffs „Polarstern“. Der Eisbrecher des Alfred-Wegener-Instituts Bremerhaven hat sich seit Herbst 2019 im Eis einfrieren lassen und driftet nun als Teil einer Scholle durch die Nordpol-Region. Die Wissenschaftler an Bord wollen so den Einfluss der Arktis auf das Klima der Welt besser erforschen. Und Esther Horvath dokumentierte dieses spektakuläre Experiment mit ihren Kameras.

Was sie an Bord und bei ihrer Arbeit auf der riesigen Eisscholle erlebte, davon berichtete die Fotografin in ihrem Vortrag „Behind Arctic Science“, den sie im Rahmen der Schlossmuseum-Ausstellung „World Press Photo“ hielt. Das Interesse an ihren Bildern war groß, das EWE-Forum Alte Fleiwa war fast ausverkauft.

Hammer oder Kamera?

Wie der Titel des Abends andeutet, erzählte Horvath vor allem davon, was jenseits der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit so passierte. Und das war viel: „In den dreieinhalb Monaten, in denen ich auf der Polarstern war, gab es vielleicht insgesamt eine Woche, in der nichts geschah.“ So gab es die tägliche Entscheidungsqual: „Nehme ich den Hammer und helfe den anderen, oder nehme ich die Kamera?“

Zum Glück für ihre Zuhörer nahm Esther Horvath oft die Kamera mit zu ihren siebenstündigen Schichten außerhalb der Polarstern. Und hier auf dem Eis, in heftigen Schneestürmen und ständiger Dunkelheit, erfuhr die Frau, die seit 2015 schon mehrmals die Arktis bereist hat, warum ihr diese Region so sehr gefällt: „Das Licht, das intensive Blau der Dämmerung und diese totale Schwärze der Polarnacht – all das ist für mich wunderschön“, schwärmte sie. „Es ist eine Liebesgeschichte zum arktischen Ozean, die während meines Aufenthalts auf der Scholle immer stärker wurde.“ Und diese Liebe zur Schönheit der Arktis wolle sie vermitteln.

Eine Liebe, die der Betrachter ihrer Aufnahmen ganz nah spürt. Dies gilt gar nicht so sehr für die Dokumentation des wissenschaftlichen Arbeitens im Eis, sondern besonders für die Darstellung des Alltags und der Freizeit. Ihre Begegnungen mit einer Eisbären-Familie – stets in sicherer Entfernung – erzeugten in Horvaths Berichten fast Gänsehaut-Charakter, die Demonstration des Fotografierens mit dick eingehülltem Zeigefinger ließen staunen.

Für Esther Horvath war die Reise in die Kälte nicht nur professionelle Aufgabe, sondern auch ein Abenteuer. So zerriss eines Tages direkt neben ihr das scheinbar unzerstörbare Eis, und zweimal musste sie als Eisbären-Wächterin dafür sorgen, dass die Wissenschaftler auf der Scholle rechtzeitig vor einem nahenden Raubtier gewarnt werden. „Bei mir war jedes Mal Alarm, ich habe es darum kein drittes Mal gewagt“, lachte sie.

Wieder ins Eis

Der Vortrag für die „World Press Photo“-Ausstellung hatte für Horvath übrigens ein Vorspiel. Am Mittag erst hatte sie erfahren, dass ihre Aufnahme zweier Eisbären vor der „Polarstern“ als Weltpresse-Foto 2020 in der Kategorie „Umwelt“ nominiert worden ist. Bei der Preisvergabe Mitte April wird sie aber nicht anwesend sein. „Dann bin ich wieder auf der Polarstern im Eis“, freute sie sich. „Meine zweite Heimat.“

Klaus Fricke
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