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NWZonline.de Ratgeber Wissenschaft

Ökosystem: Schlechte Aussichten für große Tiere

30.08.2011
NWZonline.de NWZonline 2015-07-30T09:06:37Z 280 158

Ökosystem:
Schlechte Aussichten für große Tiere

LONDON Säugetiere sind Wesen der Superlative: Sie zählen über 5000 Arten, sie leben in jeder Gegend der Erde, außer in den eisbedeckten Bergmassiven der Arktis und Antarktis. Sie sind bis zu 30 Meter lang – wie der Blauwal – oder auch 30 Millimeter klein, wie die Hummelfledermaus. Säugetiere jagen, grasen, verteilen Samen – und spielen damit eine zentrale Rolle zum Erhalt von Ökosystemen.

Dennoch ist mindestens ein Fünftel der Säugetiere vom Aussterben bedroht, Tendenz steigend. Die Zerstörung von Lebensraum durch Landwirtschaft und Abholzung bedroht 40 Prozent aller Säugetiere, die übermäßige Jagd 19 Prozent von ihnen. Am schlimmsten betroffen ist Südostasien, wo oft weniger als hundert Säugetiere von einer Population übrig bleiben. Die Rate, mit der Säugetiere heute aussterben, nimmt zu: Sie liegt weit höher als der natürliche Rhythmus, mit dem sie in der Vergangenheit von der Erde verschwanden.

Um diese Katastrophe aufzuhalten, ruft jetzt eine große Gruppe von führenden internationalen Artenschützern zur Entwicklung einer weltumspannenden Strategie für den Erhalt der Säugetiere auf. In den „Philosophical Transactions“ der britischen Royal Society stellen sie zudem die neuesten Forschungen zum Säugetierschutz vor, die aufgrund neuer großer Datenmengen, Computersysteme und Instrumente erstellt worden sind.

Der Rote-Liste-lndex ist ein solches Instrument, mit dem Forscher Michael Hoffmann und seine Kollegen die Entwicklung von bedrohten Säugetieren über die vergangenen 15 Jahre ausgerechnet haben. Dieser Index basiert auf der Roten Liste der Bedrohten Arten, die von der Weltnaturschutzunion IUCN herausgegeben wird. Sein Hauptfund: Fast zehnmal mehr Säugetiere haben ihren Zustand verschlechtert als verbessert (3 Prozent gegenüber 0,4 Prozent). Tatsächlich seien sogar sehr viel mehr Säugetiere zunehmend bedroht, schreibt Hoffmann.

Am stärksten betroffen seien die Indomalaysischen Gebiete, wo Jagd und Lebensraumverlust die Säuger bedrohen, dicht gefolgt vom Australasiatischen Raum mit vielen eingeschleppten Arten, die heimische Säugetiere verdrängen. Generell, so betont Hoffmann, seien die Überlebenschancen von Säugetieren in Entwicklungsländern schlechter als in der industrialisierten Welt.

Und je größer das Tier, desto schlechter ist die Aussicht auf Erhalt der Art. Nashörner, Elefanten oder Seekühe gehören zu den über 100 Kilo schweren Tieren, die dem Aussterben näher sind als ihre leichteren Artgenossen, und die den steilsten Abwärtstrend aufweisen. Insgesamt stellt Hoffmann bei 171 Arten einen deutlichen Abwärtstrend fest, gegenüber einem positiven Trend bei nur 24 Arten. Der Tasmanische Beutelteufel zählt zu den Arten, deren Bedrohung am schnellsten zunimmt – gleich drei Bedrohungskategorien ist er in den vergangenen zwölf Jahren nach oben geklettert. Die Stellersche Seekuh hält bislang den Rekord: Nur 27 Jahre nach ihrer Entdeckung im Jahr 1741 war die letzte ihrer Art erlegt.