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NWZonline.de Ratgeber Wissenschaft

Biologin entdeckt in Deutschland neue Flechtenart

05.11.2018

Hilscheid (dpa) - Gut drei Jahre nach seiner Eröffnung wartet der Nationalpark Hunsrück-Hochwald mit einer Neuentdeckung auf: In einem Buchenwald bei Börfink in Rheinland-Pfalz haben Forscher eine zuvor unbekannte Flechtenart gefunden.

"Ich habe mich gewundert, dass sich diese Flechte auch im Labor nicht bestimmen ließ", erklärte die Koblenzer Biologin Dorothee Killmann. Nach genetischen Untersuchungen und Recherchen in internationalen Sammlungen stand fest, dass es sich um eine bislang unbekannte Spezies handelt.

Zusammen mit ihrem Mann Burkhard Leh, dem Koblenzer Botaniker Eberhard Fischer und dem Flechtenexperten am Naturkundemuseum Stuttgart, Holger Thüs, veröffentlichte Killmann die wissenschaftliche Beschreibung der Art in der Fachzeitschrift "Phytotaxa". Die Flechte erhielt den Namen Verrucaria hunsrueckensis - Hunsrück-Warzenflechte. Den Namen bekam sie wegen ihrer kleinen Knötchen.

Mitteleuropa sei weltweit die hinsichtlich der Flechtenflora am besten bekannte Region, sagte Flechtenforscher Thüs am Montag bei der Vorstellung der Art im Hunsrückhaus bei Hilscheid. "Das ist schon eine Rarität, dass man hier noch eine neue Art finden kann." Der Fund unterstütze die große Bedeutung der Waldhänge im Nationalpark Hunsrück-Hochwald für den Naturschutz.

Killmann hatte mit ihrem Mann im Sommer 2015 insgesamt 90 Flechtenarten in dem Gebiet erfasst. Eine grünlich-braune Flechte auf Taunusquarzit-Gestein gab bis zuletzt Rätsel auf. Im Abschlussbericht notierte Killmann zunächst nur: "Verrucaria spec." - eine nicht näher bestimmte Art der Gattung Verrucaria also. Bei Folgeanalysen wurde dann klar, dass es sich um eine bisher unbekannte Art handelte. Da Verrucaria hunsrueckensis bislang an keinem anderen Ort gesichtet wurde, gilt sie als endemisch, tritt also nur in dieser Region auf.

Gut 20 000 Flechtenarten sind weltweit beschrieben, in Deutschland sind rund 2000 Arten bekannt. "Flechten sind Überlebenskünstler", erklärte Killmann. Sie harrten auch dort aus, wo höhere Pflanzen nicht mehr leben können, auf nacktem Gestein, in Wüsten oder in der Antarktis etwa.

Flechten sind uralte Gemeinschaften aus Pilz und Alge, die wahrscheinlich schon seit mehr als 600 Millionen Jahren existieren und einen gewaltigen Lebensraum erobert haben. Der Gastgeber, meist ein Schlauchpilz, versorgt "seine" Grün- oder Blaualgen mit Wasser, Mineralstoffen und Kohlendioxid, bietet ihnen Schutz vor UV-Strahlung, Austrocknung und Tierfraß. Im Gegenzug werden bis zu 40 Prozent der von den Algen über Photosynthese hergestellten Kohlenhydrate an den Pilz abgegeben.

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