WILHELMSHAVEN - Seit Monaten wurde getuschelt, wurden mehr oder weniger prominente Namen genannt und wieder verworfen. Jetzt steht ein Trio von Sozialdemokraten fest, das für die Oberbürgermeisterwahl im September 2011 nominiert werden möchte. Am Dienstag stellten sich Carmen Giss, Thomas Städtler und Klaus-Dieter Kottek auf einer Veranstaltung der „Arbeitsgemeinschaft 60plus“ vor. Das Interesse war entsprechend groß.

In Wilhelmshaven am bekanntesten sein dürfte Klaus-Dieter Kottek (61). Der gebürtige Berliner wechselte 1991 als Leiter der Stadtplanung von Flensburg an die Jade, wo er die Aufgaben des Stadtbaurats und zeitweise des Sozialdezernenten übernahm.

Carmen Giss wohnt in Wilhelmshaven und leitet das Job-Center Friesland. Die Juristin hat es durch ihren Mann, einen Marineoffizier, nach Wilhelmshaven verschlagen. Als Anwältin war sie zuvor bereits in Verwaltungen und in der Wirtschaft tätig.

Thomas Städtler (49) ist amtierender Bürgermeister der 14 000-Einwohner-Stadt Löningen (Landkreis Cloppenburg). Unter anderem war er Referent im Bundeswirtschaftsministerium, hat im Innenministerium gearbeitet und war Verwaltungsleiter des Landeskriminalamts Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2001 ist er Bürgermeister in der CDU-Hochburg Löningen. 2006 wurde er mit 64,2 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Kottek verwies auf zahlreiche Bauvorhaben, die in seiner Amtszeit in Wilhelmshaven entstanden sind – von der Nordseepassage bis zum im Bau befindlichen Kohlekraftwerk. Man solle die Lage der Stadt trotz desolater Haushaltslage nicht so negativ sehen. Man sollte den Blick nach vorn richten und sich bei der Wirtschaftsförderung nicht verzetteln. Diese Aufgabe müsse beim Oberbürgermeister angesiedelt sein.

Carmen Giss sieht sich als Oberbürgermeisterin ebenfalls in der Rolle der ersten Wirtschaftsförderin. Sie werde sich dafür einsetzen, dass Wilhelmshaven den Status Oberzentrum behält. Sie möchte für Aufbruchstimmung sorgen. Wilhelmshaven müsse eine „Stadt der Wissenschaft“ werden. Bei der Bundeswehrreform müsse es auch darum gehen, Verwaltungsaufgaben der Marine aus Rostock nach Wilhelmshaven zurückzuverlagern. Städtler zeigt sich überzeugt davon, dass Wilhelmshaven besser sei als ihr Ruf. „Die Stimmung ist schlechter als die Lage.“ Auf die Frage, warum er von Löningen an die Jade wechseln möchte, sagte Städtler, dass ihn die Herausforderung reize, die Entwicklung Wilhelmshavens voranzubringen.

Die Entscheidung über den SPD-Bürgermeister-Kandidaten soll am Freitag, 10. September, fallen. Dann kommt die SPD-Parteibasis im Gorch- Fock-Haus zusammen.

Kreisvorsitzender Volker Block geht davon aus, dass der Kreisvorstand im Anschluss das Votum der Basis nachvollziehen und den Kandidaten mit der größten Basiszustimmung aufs Schild heben wird. Bis zur Nominierung werden sich die Bewerber noch bei weiteren Parteigliederungen vorstellen.

Als Gegenkandidaten für die Bürgermeisterwahl stehen bislang Frank Uwe Walpurgis (Freie Wähler) und Michel von den Berg (Bündnis 90/Die Grünen) fest.