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NWZonline.de Ratgeber Wissenschaft

Zörner: Quecksilber ruinös für Gesundheit

25.01.2013

Delmenhorst Grenzwerte. Was nützen uns Grenzwerte für Umweltgifte in Lebensmitteln, wenn die möglichen Kombinationswirkungen außer Acht gelassen werden? Gary Zörner sagt: gar nichts. Es gebe so viele Halbwahrheiten und Fehleinschätzungen über die Gefährlichkeit von Blei, Aluminium, Cadmium, Antibiotika, Hormonen und PCB auf den menschlichen Organismus, dass man gar nicht genug davor warnen könne. Was der Chef des Labors für chemische und mikrobiologische Analytik im Technologiezentrum auf der Nordwolle als besonders skandalös ansieht, ist der laxe Umgang mit Quecksilber. Eigens für Energiesparlampen mit Leuchtstoffröhrentechnik, die er „Umweltverschmutzerlampen“ nennt, seien Ausnahmeregelungen geschaffen worden, die die Verwendung des ansonsten in Gegenständen des täglichen Bedarfs verbotenen hochgiftigen Schwermetalls zuließen. Und das alles nur, um ein paar Produzenten reich zu machen, während die Arbeiter in den Quecksilberminen in China und anderswo „voll verseucht“ seien. Skandalös findet Zörner auch die EU-Verfügung, die herkömmlichen Glühbirnen aus dem Verkehr zu ziehen und durch die quecksilberhaltigen Lampen zu ersetzen. Denn eine gut konstruierte Glühbirne, das ist Zörners Überzeugung, könnte sehr, sehr lange halten und damit eine ausgezeichnete Ökobilanz aufweisen. Und wenn sie dennoch kaputtgeht, dann ohne gesundheitliche Folgen – anders als bei einer zerstörten Energiesparlampe, die das Schwermetall in die Umwelt entlässt, das dort sofort verdampft und womöglich eingeatmet wird.

Zörner kämpft seit 2009 gegen die Energiesparlampe. Einerseits begrüßt der Umweltchemiker, dass die Vereinten Nationen nunmehr eine weltweite Konvention auf den Weg bringen wollen mit dem Ziel, die Verwendung des Schwermetalls zu reduzieren, andererseits hält er die Konvention für halbherzig. „So wurde kein bindender Verzicht bezüglich des Amalgameinsatzes bei Zahnfüllungen vereinbart und bei der Kohleverfeuerung konnte ein Abbau der Quecksilberemissionen nur in abgeschwächter Form durchgesetzt werden.“ Kohlekraftwerke zählen zu den größten Quecksilber-Emittenten. Über die Nahrungskette gelangt das Schwermetall in den menschlichen Organismus. Die Konvention wird im Oktober im japanischen Minamata, Ort einer schlimmen Quecksilber-Umweltkatastrophe mit 3000 Toten in den 50er Jahren, zur Unterzeichnung aufgelegt. Sie tritt nach der Ratifikation durch eine bestimmte Zahl von Staaten in Kraft. „Bezogen auf die Energiesparlampe soll der Eindruck vermittelt werden, dass sie bis 2020 verboten werden soll. Dies betrifft aber nur die Lampen, die den Grenzwert von 2,5 Milligramm Quecksilber überschreiten“, kritisiert Zörner.

Wolfgang Bednarz Delmenhorst / Redaktion Delmenhorst
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