ARDORF - Auf einer langen Bank sitzen die Zuschauer und genießen das 'Naturkinoerlebnis' pur. Vor ihnen stehen Männer in einem Roggenfeld, die nach alter Sitte das Korn ernten. Sicht und Bick in Ardorf – das ist ein Erlebnis.
Mit Sicht und Bick wird das reife Getreide geschert. Die Halme fallen und werden sogleich gesammelt, bis die Menge für eine Garbe erreicht ist. Mit Halmen gebunden steht eine Garbe schnell neben anderen, um zu einer Hocke zu wachsen. Ein fleißiger Schnitter schaffe einen halben Hektar pro Tag, erklären die Mäher den Zuschauern. Schon früher wurde die Mäharbeit durch die Männer erledigt. Den Frauen oblag es, die Garben zu binden und zu Hocken zu setzen.
Johann Menssen schleift mit einem Wetzstein seine Sense scharf. Das allein genüge nicht. Früher wurde die Sense vor dem Mähen über eine Stunde mit einem kleinen Hammer scharf gedengelt. 'So eine Sense war gewaltig scharf. Dengeln kann heute gar keiner mehr so wie früher', meint Hermann Redenius aus Spekendorf. Er ist ebenso wie Edo Lücken aus West-Dunum nach Ardorf gekommen, um wieder einmal wie früher das Korn von Hand zu mähen. Die Anzahl der Garben variierte dabei je nach der Getreideart. Bei Hafer wurde nur sechs Garben zu einer Hocke gestellt. Zu dem Getreidescheren hatte der Heimatverein Ardorf eingeladen. Zahlreiche Besucher versammelten sich an den Wulfsdünen auf dem Getreidefeld von Johann Janssen, um das Treiben zu beobachten. 'Wie in alten Zeiten bekommen die Anwesenden eine Vesper nach getaner Arbeit gereicht. Diese besteht aus Schwarzbrot, Weiß- oder Rosinenbrot mit Käse und Mettwurst. Dazu wird Tee oder Wasser gereicht, manchmal gab es auch einen Schluck', so Vereins-Vorsitzende Waltraud Ennen.
Die Garben werden zum Erntefest am 6. Oktober als Dekoration benötigt. Der seit 28 Jahren bestehende Heimatverein mäht seit 25 Jahre traditionell im Sommer das Getreide nach alter Art.
