Harlingerland/Friesland - Im Sommer beginnen viele Ausbildungen. Wer zum 1. August in den Beruf einsteigen möchte, hat noch gute Chancen. Das geht aus einem Schreiben der Agentur für Arbeit Emden-Leer hervor, wonach im Agenturbezirk noch mehr als 1400 Stellen unbesetzt sind. „Besonders im Handel, im kaufmännischen Bereich und im Handwerk sind noch spannende Ausbildungsstellen zu ergattern. Damit bietet der ostfriesische Ausbildungsmarkt auch Kurzentschlossenen viele Möglichkeiten“, schreibt die Agentur.
Laut einer Statistik des Ausbildungsmarktes der Bundesagentur für Arbeit vom Juni 2023 sinken bundesweit die Bewerberzahlen, während die Anzahl der Ausbildungsstellen steigt. 373 806 Bewerber standen 501 664 angebotenen Stellen gegenüber. Das sind 1909 Bewerber weniger als im Vorjahr, aber 2931 Stellen mehr.
Lage verschärft
Ähnlich sieht es in der Region aus: Im Bezirk Emden-Leer gibt es 2596 Bewerber und 3120 Stellen. Von den 3102 Plätzen in Betrieben sind 1464 unbesetzt. Auf 100 gemeldete Plätze kommen demnach 84 Bewerber. Im Landkreis Wittmund gibt es 310 Bewerber und 410 betriebliche Stellen, darunter sind 137 frei. Die Bewerberquote liegt hier bei 76 Prozent. Für den Bezirk Oldenburg-Wilhelmshaven mit Friesland werden 4567 Bewerber und 5388 Stellen angegeben. 2707 der 5349 Plätze in Betrieb sind dabei unbesetzt, was einer Quote von 85 Bewerbern auf 100 Plätze entspricht.
Im Landkreis Friesland stehen 386 Bewerber 404 betrieblichen Ausbildungsplätzen gegenüber, von denen 227 noch zu haben sind. Somit kommen 96 Anwärter auf 100 gemeldete betriebliche Plätze. Laut Timo Weise von der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg hat sich die Lage dieses Jahr verschärft. „Es gibt deutlich mehr unbesetzte Stellen als unversorgte Jugendliche“, sagt der Abteilungsleiter Berufliche Bildung und Fachkräfte. Laut IHK-Umfragen könne jeder zweite Betrieb nicht mehr alle Ausbildungsstellen besetzen. Besonders der Tourismus und die Gastronomie sowie der Handel seien vom Azubi-Mangel betroffen.
Unternehmen gefordert
Um Azubis anzusprechen, müssten Unternehmen ihre Anforderungen anpassen und bei der Bewerbersuche neue Wege gehen. So gibt es nach Angaben der Handwerkskammer Betriebe, die auf das klassische Bewerbungsverfahren verzichten. Sie setzen mehr auf das persönliche Gespräch als auf lange Bewerbungsschreiben.
