Carolinensiel - Es war gestern ein ganz besonderer Tag für das Carolinensieler Nationalparkhaus. Und so freute sich die Leiterin Tylke Patuschka, hochkarätige Gäste auf dem sonnigen Platz neben der Alten Pastorei, in der die Umwelteinrichtung zusammen mit dem Deutschen Sielhafenmuseum zu finden ist, begrüßen zu dürfen.
Anlass des Treffens war die Unterzeichnung des Kooperationsvertrages zwischen dem Nationalparkhaus, der Stadt Wittmund als Träger und dem Naturschutzbund (Nabu).
„Wir haben uns als Nordseebad vor Jahren auf den Weg gemacht, den nachhaltigen qualitativen Tourismus zu fördern“, sagte Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen. Die Region würde sich gerade durch den Nationalpark Wattenmeer definieren – und den gelte es, Einheimischen und Gästen näher zu bringen.
Diesen Auftrag erfüllen die Mitarbeiterinnen um Tylke Patuschka auch, aber sie wollen die Arbeit ausweiten und noch mehr als gewohnt auf die Umweltbildung setzen sowie Netzwerke, die der Nabu ihnen jetzt eröffnet, nutzen. Finanziell ist das Haus abgesichert durch Zuwendungen des Landes Niedersachsen und der Stadt Wittmund.
Seit längerem hatte sich das Team des Nationalparkhauses um einen entsprechenden Kooperationspartner bemüht und ihn schließlich mit Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des Nabu Niedersachsen, gefunden. Der war voll des Lobes ob der Arbeit, die in Carolinensiel geleistet wird: „Dieser Vertrag ist ein Mehrwert für alle Beteiligten“, sagte er. Der Nabu im Land nimmt mit dem Nationalparkhaus eine sechste Einrichtung dieser Art auf. Zudem finden sich unter dem Dach des Verbandes auch fünf Umweltbildungszentren.
Seit 1994 wird das Nationalparkhaus Carolinensiel unter alleiniger Trägerschaft der Stadt Wittmund betrieben. Die Erfahrungen anderer Einrichtungen zeigen, dass die Einbindung von Kooperationspartner viele Vorteile bringt. Und die wollten nun auch die Clinensieler für sich nutzen. Am Mittwoch wurde ein entsprechender Bildungsvertrag mit dem Naturschutzbund Niedersachsen bei der Alten Pastorei, in dem das Nationalparkhaus zu finden ist, unterschrieben.
„Die wichtigen Themen unseres Nationalparks Wattenmeer müssen transportiert werden, die Kooperation wird großen Anteil daran haben“, sagte Claußen.
Die Stadt entschied nunmehr, den NABU als starken Partner ins Boot zu holen. Vorteil ist im Wesentlichen, dass das Team des Nationalparkhauses um Leiterin Patuschka eine weitere fachliche Unterstützung erfährt.
Der NABU hat durch seine Mitgliedschaften in den entsprechenden Entscheidungsgremien die Möglichkeit, sich für Projekt- und Fördervorhaben zugunsten des Nationalparkhauses einzusetzen. Über bestehende, sehr enge Netzwerke können mehr Förderquellen für Einzelvorhaben erschlossen werden.
Im wesentlichen geht es aber auch darum, Werbung zu machen für die Schönheiten der Natur und den nachhaltigen Tourismus zu fördern. „Wir haben uns vor Jahren mit der Entwicklung des Leitbildes auf den weg gemacht und mit dieser Kooperation sind wir wieder einen Schritt weiter“, freute sich Carolinensiels Ortsvorsteher Eike Cornelius.
Dass unter dem Dach der Alten Pastorei nicht nur die Natur, sondern auch die Kultur, sprich die Geschichte des Hafensortes, Gästen und Einheimischen erklärt wird, betonte Claußen. Beide Leiterinnen, sowohl Patuschka als auch Dr. Heike Ritter-Eden, die das Deutsche Sielhafenmuseum führt, arbeiten seit einiger Zeit viel enger zusammen, um auch hier Synergien zu schaffen. Und so ist der vielbesagte Ausbau der Netzwerke schon sichtbar allein durch einen Eingang, der die Gäste in beide Einrichtungen führt.
Das Nationalparkhaus wird im Wesentlichen über Zuwendungen des Landes Niedersachsen finanziert. Die aktuelle Förderperiode, über die die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven der Stadt jährlich 66 000 Euro gewährt, endet zum 31. Dezember 2021.
Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung, begrüßte die vereinbarte Zusammenarbeit mit dem Nabu. „Durch die Kooperation der Stadt Wittmund mit dem Nabu wird das Nationalparkhaus von zwei starken Schultern getragen und kann dadurch noch mehr als bisher Wattenmeer-Informations- und Bildungsarbeit auf höchstem Niveau leisten“, sagte Südbeck.
Die Zusammenarbeit mit dem Nabu bedeute nicht, dass die Arbeit mit der 2015 in Carolinensiel gegründeten Bund-Ortsgruppe beendet werde, betonte Tylke Patuschka.
Das ist der NABU
Der Naturschutzbund (Nabu) hat bundesweit 770 000 Mitglieder, davon 112 000 in Niedersachsen. In der Jugendorganisation des Nabu, der Naju, sind mehr als 90 000 Mitglieder organisiert.Mit dem Nationalparkhaus Carolinensiel kommt eine weitere Institution zum Nabu Niedersachsen, der bereits aus fünf Umweltbildungszentren und weiteren fünf Nationalparkeinrichtungen besteht
