Carolinensiel/Ems-Jade - Gut Ding will Weile haben. Diesen Spruch kennen auch die Touristiker an der Nordsee. Seit 2018 sind die Landkreise und Kurverwaltungen dabei, eine neue Dachmarke, das „Haus des Tourismus“ zu gründen, um gemeinsam die Vermarktung aller Orte an der Niedersächsischen Nordsee voranzubringen.
Gegründet aber wurde dieser Verband bislang nicht. „Ich ärgere mich über den lahmen Prozess“, sagt Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen. Er weiß, wie wichtig der Wirtschaftszweig Tourismus für die Region ist, aber auch, wie maßgeblich Zielführend eine einheitliche Vermarktung der Destination Nordsee sein könnte.
Von Leer bis Cuxhaven sollen die Urlaubsorte eine Sprache sprechen – für Menschen, die ihre Ferien an der Nordsee verbringen möchten. „Das aber funktioniert nicht und es liegt nicht selten an den handelnden Personen aus Politik und Tourismus“, so Claußen, der nicht mehr daran glaubt, dass eine solche Dachmarke noch gegründet wird.
Alle unter einem Dach
Konkret müssten sich die Landkreise Leer, Aurich, Emden, Wittmund, Friesland, Wilhelmshaven, Wesermarsch und Cuxhaven auf einen Nenner einigen. Das scheint aber schon daran zu scheitern, dass jeder für sich den Sitz der Gesellschaft in Anspruch nehmen möchte. „Wir müssen wegkommen von dem touristischen Flickenteppich“, sagt Wittmunds Bürgermeister. Vielmehr gelte es eine Qualitätsverbesserung in allen Orten zu erreichen, Kosten einzusparen, die Vermarktung zu vereinheitlichen und die Markenführung voranzubringen. Man müsse als einheitliche Destination wahrgenommen werden, so Claußen. Bislang gibt es viele kleine Gesellschaften wie die Nordsee GmbH, die Ostfriesland Tourismus GmbH oder die Ostfriesische Inseln GmbH. Ziel müsse es sein, alles unter ein Dach zu bekommen, um somit auch Synergien zu schaffen, betont auch Carolinensiels Kurdirektor Kai Koch, der an dem gemeinsamen Masterplan mitgewirkt hat. Der ist seit Jahren fertig – einige Gesellschaften wie die der Ostfriesischen Inseln hatten bereits 2019 signalisiert, dass sie die Neugründung des Dachverbandes unterstützen. Die Rede war sogar von einer Gründung im Januar 2020. Das liegt nun wieder ein Jahr zurück. „So ein Prozess dauert nun einmal“, sagt Sonja Janßen, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Nordsee auf Nachfrage.
Jeder denkt nur an sich
Fakt ist, es gibt nach wie vor viele kleine Verbände, die mehr oder weniger gut wahrgenommen werden. „Gerade vor dem Hintergrund, dass der Tourismus in Deutschland und in unserer Region nicht nur letzten Sommer sehr stark war, sondern noch zunehmen wird, ist die Gründung des Dachverbandes für Nord-West mehr als wichtig“, unterstreicht Kai Koch. Er weiß, dass der Sommer 2021 wieder einschlagen wird.
„Vor Ort haben wir dann alle Hände voll zu tun, die Touristenströme zu lenken und dabei auch die Einheimischen mitzunehmen, das sind unsere primären Aufgaben“, betont Koch, der die Organisationsstrukturen in der Ostfriesland Tourismus GmbH, die von Leer aus erfolgreiches Destinationsmanagement für die ostfriesische Halbinsel, besonders auch für das Hinterland, betreibt, lobt. Dieses Management müsse sich aber auf die gesamte Nordseeregion ausbreiten lassen, so der 49-Jährige. Die örtlichen Touristiker müssten sich zurücknehmen, und die Landkreise sollten sich endlich einigen, fordert Kai Koch. Nur so habe das Haus des Tourismus noch eine Chance auf Gründung.
