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„Richthofen“-Geschwader Wittmund Der endlose Protest der Flughafen-Anwohner in Webershausen

Manfred HoCHMANN

Webershausen - Es gehe nicht um den Flughafen, betont er im Gespräch mit unserer Zeitung mehrfach. Es gehe vielmehr um Gerechtigkeit und den Umgang mit den Lärmgeplagten direkt gegenüber der Start- und Landebahn in Wittmundhafen.

Seit Jahrzehnten schon wollen die Webershausener, deren Grundstücke nur etwa 450 Meter Luftlinie – getrennt durch die Bundesstraße – vom Flughafen entfernt liegen, nur eines: eine Entschädigung für den Wertverfall der Häuser. „Denn die sind nichts mehr wert, hier will keiner wohnen, da die gesundheitliche Belastung weiter besteht und sich wohl noch weiter verschlimmern wird“, sagt Jens Rohde. Die meisten Häuser standen schon da, bevor der Flugplatz Anfang der 1960er-Jahre eröffnet wurde.

Gespräche mit der Politik verpufften

Den Protest der Anwohner trug früher Horst Rohde nach außen, der inzwischen verstorbene Vater von Jens Rohde. Er und seine Nachbarn in den neun Häusern führten etliche Gespräche – mit der Luftwaffe, mit Bundes-, Landes- und Kommunalpolitikern. „Wenn Webershausen jetzt nicht revoltiert, wird das mit der Absiedlung nie was!“, sagte Horst Rohde 2015. Damals glaubte er zuletzt an eine große Chance, dass er und seine Nachbarn umsiedeln könnten. Es schien Bewegung in die Sache zu kommen. Doch dann blieben alle Bemühungen, zahllose Gespräche folgenlos. Sie verpufften.

Zwischendurch standen die Zeiger längere Zeit eher auf eine Schließung des Geschwaders in Wittmund. Doch das Blatt wendete sich – durch eine Kraftanstrengung vieler Akteure aus der Region gelang es, den Standort zu halten. „Es ist gut für die Stadt Wittmund und die Region, dass durch den intensiven Einsatz der Standort gerettet werden konnte – aber es ist schlecht für alle Anwohner in Webershausen“, sagt Horst Rohde. Er hatte gehofft, dass durch eine Schließung des Flugplatzes die Grundstücke und Immobilien an Wert zurückgewinnen würden.

Doch das ist Schnee von gestern – das Taktische Luftwaffengeschwader 71 „Richthofen“ wird derzeit zu einem der modernsten Luftwaffenstützpunkte in Deutschland ausgebaut.

Starker Lärm auch in der Nacht

Jens Rohde ist in Webershausen aufgewachsen. Er weiß, wovon er spricht, wenn er vom starken Lärm berichtet, der ihn nachts aufschrecken ließ. Von Kerosinwolken, die Spuren im Garten und sogar im Haus hinterließen. Er selbst wohnt seit 2004 mit seiner Familie in Ostgroßefehn. „Unsere Kinder waren noch klein. Ich wollte sie nicht in Webershausen aufwachsen lassen. Ich bin ja selbst dort aufgewachsen und weiß natürlich um die unmenschlichen Zustände wie sie in den 1970er-, 80er- und 90er- Jahren in Webershausen vorherrschten, sogar mit Triebwerksläufen und Nachtflügen bis spät in die Nacht hinein.“

Im Jahr 2011 übernahm Jens Rohde das Gebäude der Familie in Webershausen. Viel anfangen kann er damit nicht. Investitionen, sei es für Ferienwohnungen oder andere Nutzungen, wären eine absolute Fehlinvestition gewesen, hätte man weiter auf eine Schließung des Flugplatzes gehofft. Somit „vegetieren“ die Gebäude seit Jahren vor sich hin. Jens Rohde nutzt sie als Lagerschuppen.

In den benachbarten Luftwaffen-Standort aber wird kräftig investiert. Der Bund bringt bis zu 500 Millionen Euro auf, um die Infrastruktur des Flugplatzes zu modernisieren, ihn fit zu machen für den Eurofighter-Betrieb. Es hätte aus der Sicht von Rohde möglich sein müssen, bei den gehandelten Summen auch eine Entschädigung für die Anwohner zu berücksichtigen. „Doch auch im neuen Genehmigungsverfahren durch das Luftfahrtamt der Bundeswehr finden wir nicht das erforderliche Gehör“, sagt Jens Rohde resigniert.

Abstand der Häuser zu gering

Dabei hätten Lärmmessungen und Prognosemodelle gezeigt, dass der Abstand der Häuser in Webershausen viel zu gering sei. Rohde zitiert aus höchstrichterlicher Rechtssprechung von Vergleichsfällen an Militärflughäfen, „dass Spitzenschallpegel über 100 dB/A in höherer Anzahl die enteignungsrechtliche Zumutbarkeitsschwelle überschreiten“. Dieser Wert werde in Webershausen immer wieder überschritten. „Niemanden kann zugemutet werden, ständig bei geschlossenen Fenstern und Türen zu leben“, zitiert Rohde aus dem Urteil. Die Luftwaffe könnte das Areal doch auch aufkaufen und für eigene Zwecke nutzen, meint er.

„Offensichtlich sind wir hier aber eine zu kleine Gruppe, um uns Gehör zu verschaffen“, sagt Rohde. Sehr groß ist aber das Zeichen seines Protestes. Am Haus in Webershausen brachte er ein Riesentransparent an. „Grundstücke wertlos! Flughafen ja! Aber ohne Rechtsbruch!“, steht darauf. Eigentlich ist der Protest nicht zu übersehen. Ob er wirklich wirken wird, ist völlig offen. Auf die Schreiben in diesem Jahr an die Behörden, auf viele Gespräche mit Politikern gab es bis heute keine Reaktion.

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