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INTERVIEW Jochen Busse: 'Mein Ziel ist die ultimative Komik'

Von CARSTEN REIMER

WITTMUND/BERLIN - Als sich Jochen Busse am Telefon meldet, tut er das in seiner 'bekannt liebenswürdigen Art'. Es ist jener resolute Duktus, in dem der Schauspieler und Kabarettist wöchentlich die Zuschauer begrüßte – von 1996 bis 2004 als Moderator der RTL-Sendung '7 Tage, 7 Köpfe'. Busse ist ein Grande der deutschen Kabarett-Szene. Seit mehr als 50 Jahren steht er auf der Bühne, spielte unter anderem mit Dieter Hildebrandt und Rudi Carell. Am 14. Februar präsentiert er im Wilhelmshavener Pumpwerk, 20 Uhr, sein Programm, 'Wie komm ich jetzt da drauf?'

Frage:

Guten Tag Herr Busse. Erst einmal nachträglich Glückwunsch zum Geburtstag.

Busse:

Danke.

Frage:

In Ihrem neuen Programm spielt eben jener Geburtstag eine Rolle. Im Text auf Ihrer Homepage heißt es, Sie ziehen eine kabarettistische Bilanz . . .

Busse:

. . .das stimmt nicht ganz. Das war mal so geplant, dass wir auf der Bühne über meine Geburtstagsfeier reden. Inzwischen ist es aber so, dass ich gar nicht mehr in der Wohnung wohne. Ich musste ausziehen.

Frage:

Dann ziehen Sie also keine Bilanz, mit der oft etwas Abschließendes assoziiert wird – ohne das ich dabei auf Ihr Alter anspielen möchte.

Busse:

Machen Sie es doch ruhig: Ich bin 73! Und: Es ist keine Bilanz. Das ist ein Pressetext, den man vorweg schickt. Aber das Programm ist viel schöner.

Frage:

Wenn der Text nicht aktuell ist, wie sehr ist es dann Ihr Programm. Nehmen Sie auf aktuelle Themen Bezug? Schreiben Sie jeden Abend etwas Neues dazu?

Busse:

Nicht jeden Abend. Denn das, was heute Abend passiert, ist übermorgen noch nicht aktuell. Das ist einfach ein Erfahrungswert als Kabarettist. Wenn ich morgen über Schwarzgeld rede und dann sage, es gibt Geld, das noch schwarzer ist, weiß keiner, wovon ich rede. Bis sich rumgesprochen hat, dass Alice Schwarzer Geld in der Schweiz hatte, dauert es eine Woche. Ich sage es trotzdem, weil ich es weiß, kann aber nicht erwarten, dass es groß ankommt.

Frage:

Ich erlebe Sie als Künstler, der gerade über den intelligenten Witz kommt. Wie idealistisch muss man dafür in der heutigen Zeit sein?

Busse:

Überhaupt nicht. Es gibt so viele Menschen, die gescheit sind und gescheiten Humor hören wollen. Deshalb kann einer wie ich davon hervorragend leben.

Frage:

Sie haben bei RTL die Sendung '7 Tage, 7 Köpfe' moderiert. Auf diesem Sendeplatz lief kürzlich das Dschungel-Camp, an dem sich die Menschen erfreuen, wie die Quoten belegen. Gibt das nicht Anlass zu denken, der Humor habe sich geändert?

Busse:

Das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. Das '7 Tage, 7 Köpfe'-Format war nach neun Jahren ausgelutscht. Das Format Dschungelcamp hat nach acht Jahren erst den großen Erfolg. '7 Tage, 7 Köpfe' sprach den Leuten aus dem Herzen. Es war der Stammtisch, das wollten sie sehen. Zu Beginn hatte die Sendung nicht die Riesen-Einschaltquoten. Wir haben mit 3, 5 Millionen angefangen. Irgendwann erreichten wir bis zu 7,5 Millionen. Es war plötzlich Fernsehgeschichte. Aber dann war auch genau so plötzlich Schluss. Mit dem Dschungelcamp wird es ähnlich laufen. Das ist jetzt ganz oben, wird aber irgendwann für die Leute auch durchschaubar, langweilig und nutzt sich ab. Ich gebe dem Dschungelcamp noch zwei Jahre.

Frage:

Beim Dschungelcamp tauchen viele Leute auf, die unbedingt wieder ins Fernsehen wollen. Bei Ihnen verhält es sich anders. Sie haben gesagt, dass Sie sich eher dem Kabarett und Theater verpflichtet fühlen.

Busse:

Ich bin es per Unterschrift. Das müssen sie auseinander halten. Ich fühle mich dem nicht so verpflichtet, dass ich deswegen alle Fernsehangebote ausschlagen würde. Aber die Verträge laufen über längere Zeit. Das ist planungsintensiv – ich weiß jetzt schon, was ich Anfang 2016 machen werde. Dann ist fürs Fernsehen, bei dem sich von heute auf morgen eine Besetzung entscheidet, kein Platz. Wenn die dann kommen und sagen, ich soll übermorgen bei Rosamunde Pilcher einen Butler spielen, kann ich das nicht. Ich bin kein so freier Schauspieler – ich habe meine Verpflichtungen!

Frage:

Wie viel Leidenschaft ist dann noch bei diesem straffen Programm dabei?

Busse:

Das ist mein Leben. Das ist der wahre Inbegriff der Profession. Profession hat etwas mit Leidenschaft zu tun. Wenn ich sage, es ist mir ein Anliegen, Leute zum Lachen zu bringen, ist das eine Aufgabe, die nie endet. Mein Ziel ist die ultimative Komik. Das wissen auch meine Autoren. Daran basteln wir jedes Mal aufs Neue. Eines Tages werde ich es nicht mehr können, aber bis dahin ist es mein Ziel. Dass das auch mit Arbeit verbunden ist, ist normal. Aber Arbeit ist Kreativität und Herausforderung. Ich könnte darauf nicht verzichten. Wenn Leute nach 45 Jahren in Rente gehen, tun die mir deshalb leid, weil ich weiß, dass die 45 Jahre geackert haben. Ich habe doch in meinem ganzen Leben nie gearbeitet. Ich habe doch immer das tun dürfen, was ich mir gewünscht habe. Und wenn Sie sich dann abends nach zwei Stunden verbeugen und die Leute aufstehen und applaudieren, wissen Sie, was Sie getan haben. Das ist doch dann keine Arbeit, sondern eine hoch befriedigende Angelegenheit.

Frage:

Sie haben eben von Qualität gesprochen. Wie beurteilen Sie ihre Kabarett-Kollegen? Sind Sie ein strenger Kritiker?

Busse:

Nein, bin ich nicht. Ich weiß ja, wie schwer es ist. Was mich überzeugt, ist, wenn jemand seine Art gefunden hat, sein Alleinstellungsmerkmal. Wenn jemand seinen Stil gefunden hat, macht mich das glücklich. Dann bin ich nicht mehr kritisch. Kritisch bin ich, wenn Leute nicht professionell sind und sich aufgrund irgendwelcher Prominenz hinstellen und ich merke, die Luft fehlt, und es reicht nicht über zwei Stunden. Das empfinde ich als Anmaßung. Ich kann mich nicht für 29 Euro am Abend verkaufen und bin dann keine 18 wert. Das geht nicht.

Frage:

Sie wirken so, als seien Sie sehr streng mit sich selber. Denken Sie, Sie hätten in der heutigen, schnelllebigen Zeit auch eine erfolgreiche Karriere begonnen? Viele Künstler haben heute gar nicht mehr die Gelegenheit, sich richtig zu entwickeln.

>/frage>>antwort>>name>Busse>/name>Ich habe mich schon gefragt, wie das bei mir selber ist. Ich hätte ja immer etwas gemacht, was Leute zum Lachen bringt. Das ist eine gefragte Ware. Wenn ich schon von Natur aus komisch bin und etwas dafür tue, dass ich es bleibe und damit den Lachnerv der Leute treffe, hätte ich es auch geschafft, wenn ich heute anfinge. Alle Kollegen haben mir gesagt: Früher oder später setzt sich eine gewisse Qualität durch. Wenn Bruno Ganz die goldene Kamera für sein Lebenswerk bekommt, stehen die Leute auf. Das ist doch das Maßgebliche. Ich kenne Kollegen, die haben mit 25 Jahren Bambis (Anm. d. Red. Medienpreis) bekommen. Heute kennt sie keiner mehr.

Mehr Informationen zur Veranstaltung und Tickets erhalten Sie unter:

www.pumpwerk.de

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