Wittmund/Blersum - Dass es bei der Kommunalpolitik oft um die Sache und nicht um das Parteibuch geht, zeigte sich am Montagabend im Fachausschuss der Stadt Wittmund. Blersums Ortsvorsteher Hartwig Janssen (CDU) und der SPD-Mann Olaf Wagner machen sich gemeinsam stark für den Bau eines Dorfgemeinschaftshauses in der kleinen Ortschaft. Und sie haben die Politiker überzeugt, denn die stimmten einer Förderung durch die Stadt mit 40.000 Euro einstimmig zu.
„Weil seit Ende 2019 unsere Gaststätte im Ort geschlossen hat, haben wir keinen Ort mehr, an dem wir uns treffen können“, sagte Hartwig Jansen, der den Antrag auf Förderung zusammen mit Janic Wiechmann, Vorsitzender des Bürgervereins Blersum, und Wagner als Vorsitzender des KBV gestellt hatte. Die Blersumer sahen die Chance, den alten Kaufmannsladen zu erwerben und ihn als Dorfgemeinschaftshaus umzubauen. Dabei sind sie alles andere als blauäugig an die Planungen gegangen, denn das Konzept wurde nicht nur bis ins Detail durchdacht, auch wurden mögliche Fördermöglichkeiten ausgelotet.
Förderung für die Begegnungsstätte
„Um all diesen Vereinen wieder eine Möglichkeit zu geben, ihre traditionellen Veranstaltungen aufrecht zu erhalten, entstand die Idee des Dorfgemeinschaftshauses, das als Begegnungsstätte für alle Vereine, Gruppen und Bürger genutzt werden soll. Auch über neue Angebote wird bereits nachgedacht, wie ein Skat- und Pokerclub sowie Tanzkurse.
Um das Projekt zu finanzieren, bedarf es Mittel, die in den örtlichen Vereinen nicht in ausreichender Höhe zur Verfügung stehen. In den vergangenen Jahren sind die Gewinne aus den Veranstaltungen bereits laufend in die Verschönerung und Instandhaltung des Dorfes geflossen, heißt es in dem Antrag.
Bei einem Umbau des Hauses gebe es große Renovierungs- und Umbaumaßnahmen, das wissen alle Befürworter des Projektes. „Dabei liegt uns am Herzen, dass der bereits beschriebene traditionelle Charme des Gebäudes und damit ein Stück Blersumer Geschichte bestehen bleibt“, so die Antragsteller, die ihr Vorhaben bereits bei Leader Nordseemarschen vorgestellt haben. Eine Förderung durch die Region Nordseemarschen ist aber nur möglich, wenn die Stadt eine Kofinanzierung trägt. „Wir haben die Aussicht auf 63.000 Euro aus dem Topf“, sagte Wagner. Insgesamt beläuft sich das Projekt aber auf 236.000 Euro. Der Bürgerverein will 45.000 Euro zahlen und die Antragsteller rechnen zudem mit 24.000 Euro an Spenden aus der Ortschaft. Wie groß das Interesse an dem Dorfgemeinschaftshaus ist, zeigte eine Informationsveranstaltung in der vergangenen Woche in der Residenz, zu der 100 Interessierte gekommen sind.
Blersumer arbeiten auch in Eigenleistung
Einen großen Batzen erwirtschaften die Blersumer selbst, sie wollen nämlich für 64.000 Euro Eigenleistung in den Umbau und die Renovierung stecken.
„Das ist das beste Beispiel, wie sich alle Bürger im Ort einbringen. Hut ab vor der Eigenleistung“, sagte Bürgermeister Rolf Claußen, bei dem das Projekt wie bei allen anderen Kommunalpolitikern auf Zustimmung stieß. Wenn der Rat am 29. September zustimmt, können die Pläne konkretisiert werden.
