Wittmund/Carolinensiel - Augenscheinlich scheint im Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel die Welt in Ordnung. Viele Besitzer von Immobilien nutzen gerade jetzt die gästefreie Zeit, um zu renovieren oder ihre Betriebe auf Vordermann zu bringen. Dennoch gibt es Baustellen, die nicht für jedermann sofort erkennbar sind, und mit denen hatte sich am Montagabend der Bauausschuss der Stadt Wittmund zu beschäftigen.
So sind die Spundwände des Museumshafens abgängig. In den 1980er-Jahren wurde der Hafen erneuert, seither finden hier viele Eigner mit ihren Plattbodenschiffen eine Liegeplatz. Ende November überbrachte die SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller eine frohe Nachricht: Aus dem Kulturhaushalt des Bundes werden für das kulturhistorische Gut zwei Millionen Euro bereitgestellt. Das hört sich auf den ersten Blick gut an, aber die Stadt als Eigentümerin muss eine Gegenfinanzierung sicherstellen, sonst gibt es keine Unterstützung vom Bund. Und so mussten sich die Kommunalpolitiker dazu durchringen, einer Gegenfinanzierung von zwei Millionen Euro für die Haushaltsjahre 2022 bis 2024 zuzustimmen, was sie auch einstimmig taten. „Wir gehen aber davon aus, dass wir weitere Fördertöpfe anzapfen können und die Instandsetzung der Spundwände insgesamt mit 75 bis 80 Prozent bezuschusst bekommen“, sagte Bürgermeister Rolf Claußen, der stets die Finanzen der Stadt fest im Blick hat.
Rahmenplan für Museumshafen: Freiwillige Leitlinie
Im weiteren Verlauf der Sitzung ging es um das Thema Rahmenplan zur Gestaltung rund um den Museumshafen. „Wir haben vor Jahren das Leitbild verabschiedet, nun gilt es diesen Plan auch Eigentümern der historischen Gebäude in Carolinensiel an die Hand zu geben“, erklärte der Verwaltungschef. Dieser Plan ist eine Leitlinie für künftige Bauvorhaben – aber freiwillig. Rechtlich durchsetzbar ist er nicht. Dafür aber hat bei allen Vorhaben rund um den historischen Hafen die Denkmalschutzbehörde auch noch ein Wörtchen mitzureden.
„Das ist eine tolle Idee, mir allein fehlt aber der Glaube, dass sich jeder Investor auch daran halten wird“, sagte Hans-Hajo Janssen von den Grünen. Es gebe bereits jetzt gute und schlechte Beispiele direkt am Hafen, führte das Ratsmitglied aus.
„Es handelt sich um privates Eigentum, da können wir nur den Plan an die Hand geben und appellieren, ihn auch umzusetzen“, erklärte Claußen, der darauf hinwies, dass Investoren – egal bei welchen Vorhaben auch immer – einen Spagat zwischen Natur- und Denkmalschutz sowie wirtschaftlichen Zwängen zu bewältigen hätten. Er appellierte auch an die Einheimischen, die ihre Immobilien veräußern, nicht immer nur nach dem Profit zu gehen. „Der Rahmenplan ist gut, aber ein scharfes Schwert, das ist er nicht“, so Claußen.
