Wittmund - Wittmund wird um ein Stadtbild prägendes Gebäude ärmer. Ein Spezialunternehmen ist derzeit damit beschäftigt, das Haus am „Minikreisel“ an der Finkenburgstraße / Ecke Osterstraße abzubrechen. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit der Neustrukturierung des Gesamtgrundstücks und der geplanten Neubebauung mit einem neuzeitlichen Lidl-Markt.
Bei diesem lange leerstehenden Komplex handelt es sich um das ursprüngliche Verwaltungsgebäude der 1922 gegründeten Elektrizitätsgenossenschaft (EG) Wittmund (heute: Energiegenossenschaft). Der Wittmunder Elektriker Johann Abels hatte an dieser Stelle 1949 im Auftrag der EG zunächst eine Trafostation errichtet, mit deren Hilfe die vom Torfkraftwerk Wiesmoor ankommende Spannung von 20.000 Volt heruntertransformiert wurde. Abels’ wurde dafür in Form eines Notstromaggregats entlohnt, wie es in der Chronik des Unternehmens heißt.
Notstromaggregat als Lohn
Nachdem der Trafo-Turm 1952 mit einem Anbau versehen worden war, erhielt die Genossenschaft ihre erste Betriebs- und Geschäftsstelle – zuvor waren alle Angelegenheiten im Privathaus von Geschäftsführer Bernhard Schwitters in der Osterstraße abgewickelt worden. Neben dem Arbeitsaufwand für das Leitungsnetz war wegen der zunehmenden Akzeptanz des Strombezugs mittlerweile auch der Verwaltungsaufwand gestiegen. Innerhalb von fünf Jahren waren 500 neue Kunden hinzugekommen; man zählte im Wittmunder Stadtgebiet 1000 Abnehmer, die zusammen einen Jahresverbrauch von 500.000 kWh hatten. In dem für 25.000 DM errichteten Haus – eröffnet zum 30-jährigen Bestehen der EG – befanden sich ein kleiner Büroraum, Werkstatt, Dachbodenraum als Lager und eine Wohnung für Geschäftsführer Schwitters. Den Wohnraum direkt an der Trafostation anzusiedeln, hatte auch technische Gründe. Der EG-Vorstand wollte bewusst, dass immer eine Person sofort zur Stelle ist, wenn die Transformatorentechnik aus Netzbetriebsgründen umgeschaltet werden musste.
Das Gebäude muss einem Lidl-Neubau weichen.
An der Straßenecke wurde ebenso die erste Straßenlampe mit einer eingebauten Leuchtstoffröhre installiert, die viel heller strahlte als die bisherigen konventionellen Glühbirnen.
An der Straßenecke ging ein Licht auf
Das Gebäude an der Finkenburgstraße erweiterte der Energieversorger 1963/64 um einen zusätzlichen Anbau, wobei ein Kellerraum und zwei Garagen geschaffen wurden. Und die zuvor in der Mühlenstraße befindliche Lehrküche wurde hierher verlegt und fortan mit der EWE zusammen betrieben. Der Geschäftsführer – den Posten bekleidete seinerzeit immer noch Bernhard Schwitters – zog nun in das Obergeschoss, sodass parterre weitere Büroräume eingerichtet werden konnten. Eine letzte Erweiterung erfolgte 1972.
Als die Kapazitäten späterhin erneut nicht mehr ausreichten, erwarb die EG Wittmund 1981 an der Aseler Straße im Industriegebiet Ost ein Gebäude, das um Wohnung, Werkstatt und Lager erweitert wurde. Hier blieb die Belegschaft bis 2013, als man in den Neubau am Marktplatz umzog.
Das bisherige Domizil an der Finkenburgstraße wurde verkauft an Hermann Henning; es diente noch viele Jahre als Wohn- und Geschäftshaus. Im neueren Anbau führte bis vor wenigen Jahren Thomas Cremer seine Geschäftsstelle der Allianz-Versicherungsgruppe.
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