Wittmund - Landrat Holger Heymann wünscht sich im neuen Wittmunder Kreistag ein harmonisches und sachliches Miteinander. In der konstituierenden Sitzung am Donnerstag allerdings war davon noch nicht viel zu spüren. Bei der Besetzung verschiedener Posten gingen die Wogen hoch.
Dass die SPD nun wieder alle alle drei stellvertretende Landräte stellt, ging der CDU/FDP-Gruppe besonders gegen den Strich (wir berichteten). „Wenn die SPD kollegial wäre, hätte sie ein Mandat abgegeben“, sagte CDU-Fraktionschef Arthur Engelbrecht. Das wiederum brachte SPD-Pendant Heinz Buss in Rage: „Was soll das Gejammer über die ach so böse SPD, die der CDU nichts abgibt?“ Schließlich habe Rot-Grün-Plus der Opposition mehrere einflussreiche Positionen als „Geschenk“ überlassen, etwa beim stellvertretenden Kreistagsvorsitz, Veterinäramt, JadeBay, Grundstücksverkehrsausschuss, Ostfriesland Tourismus GmbH.
Die CDU zeige sich als schlechter Wahlverlierer. „Der SPD mangelnde Kollegialität angesichts des Entgegenkommens bei der Positionsverteilung vorzuhalten, ist seitens der CDU kein guter Startschuss für die kommende Wahlperiode“, so Heinz Buss.
Bei der Wahl der stellvertretenden Landräte setzten sich schließlich die SPD-Männer Heiko Willms (Esens), Werner Ihnken (Holtriem) und Hans-Hermann Lohfeld (Friedeburg) durch. Gegenkandidat Björn Fischer (CDU) scheiterte. „Innerhalb der Gruppe Rot-Grün-Plus war unumstritten, dass die drei stellvertretenden Landräte von der SPD kommen und regional über das Kreisgebiet verteilt werden“, so Buss gestern auf Nachfrage. Schließlich sei die SPD eindeutige Wahlsiegerin auf Kreisebene.
In den nachfolgenden Wahlgängen zeigte sich, dass der CDU/FDP-Gruppe einige Positionen zugestanden wurden, die ihr nach dem Sitzzuteilungsverfahren (D’Hondt) eigentlich nicht zugestanden hätten. „Das haben wir auch auf Wunsch des Landrates gemacht, der zu sich zu Beginn der Sitzung ein gutes Miteinander im Kreistag gewünscht hat“, so Heinz Buss.
Die SPD nominierte Karin Emken aus ihren Reihen erfolgreich als Kreistagsvorsitzende. Bei der Wahl der beiden Stellvertreter erhielt neben Doris Stehle (Grüne) aber auch Torsten Becker (CDU) die Stimmen von Rot-Grün-Plus.
Die Unzufriedenheit kam aber bei der CDU aber immer zum Vorschein. Als etwa Doris Stehle (Grüne) als Mitglied für die Zweckverbandsversammlung Veterinäramt Ems-Jade und Detlef Grüßing (CDU) als ihr Vertreter vorgeschlagen wurde, beantragte die CDU, dass es umgekehrt sein müsse. Schließlich sei Grüßing als Landwirt für diese Aufgabe besser prädestiniert. Der CDU-Antrag wurde abgelehnt.
Nach Ansicht von Heinz Buss habe die CDU „mit ihren Kandidaturen zum stellvertretenden Landrat und der merkwürdigen Abstimmung zum Veterinäramt“ das Miteinander im Kreistag „gleich wieder zunichte gemacht“.
Die erste Sitzung des neuen Kreistags wurde übrigens vom ältesten Mitglied, Hans Hajo Janßen (Grüne, Carolinensiel) eingeleitet. Er sagte: „Der Wahlkampf ist jetzt vorbei. Ab jetzt zählt Konzentration auf die Herausforderungen. Wir haben gemeinsam die Verpflichtung, den Landkreis voranzubringen.“ Auch Landrat Holger Heymann appellierte in seinem Eingangs-Statement für eine gute und faire Zusammenarbeit. Im Vordergrund sollte die Sache stehen und dazu passende Problemlösungen. Große Projekte müssten angeschoben oder weiter umgesetzt werden. Heymann nannte unter anderem den Breitbandausbau, den weiteren Um- und Ausbau des Krankenhauses, Bildungspolitik, Umsetzung des Leitbildes, etwa im Öffentlicher Nahverkehr.
