Wittmund/Esens - „Wir planen das neue Schuljahr auf der Basis von Normalität.“ Mit diesen Worten hat Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne die Pläne für den Schulunterricht nach den Sommerferien vorgestellt.
„Wir freuen uns riesig, morgen sind alle wieder da“, sagt die kommissarische Schulleiterin der KGS Wittmund, Claudia Rieken. 1500 Schüler werden morgen sukzessive wieder zurückkehren. Die Pädagogen und alle Mitarbeiter haben die letzten Wochen genutzt und ein umfangreiches Konzept erarbeitet. Darin enthalten sind auch Einbahnstraßenregelungen in den Treppenhäusern. Zudem gibt es bis auf den Fremdsprachenbereich keinen Klassenübergreifenden Unterricht, sodass die Schüler in ihren Verbunden bleiben können. Innerhalb des Gebäudes gilt Maskenpflicht, auf dem Schulhof dürfen sie, wenn der Mindestabstand von 1,50 Meter gewahrt wird, die Mund-Nase-Bedeckung abnehmen, erklärt Rieken.
„Wir stehen vor einem Spagat zwischen dem Pädagogischen und der Angst“, sagt die Schulleiterin des Niedersächsischen Internatsgymnasiums Esens, Anja Renken-Abken. „Aber wir sind darauf gut vorbereitet.“ Dabei kommt dem NIGE die Größe der Schule zugute. Die einzelnen Jahrgänge werden in unterschiedlichen Trakten unterrichtet. In allen Begegnungsbereichen gilt die Maskenpflicht, beginnend vor der Schule. Es gibt kohorten- und jahrgangsreine Pausenbereiche, um eine Durchmischung zu vermeiden. Nach den Hygienevorgaben des Landes Niedersachsen ist das NIGE für 993 Schüler mit Seife und Desinfektionsmitteln gut ausgestattet.
Die Einschulungen der Erstklässler an den Grundschulen im Harlingerland finden in diesem Jahr unter Coronabedingungen nur mit begrenzter Personenzahl statt. „Wir schulen am Samstag einmal 20 und einmal 23 Kinder ein“, sagt die Leiterin der Grundschule Westerholt mit Außenstandort Willmsfeld, Uta Wenker. Die Grundschule hat das Glück, dafür die Aula der Oberschule nutzen zu dürfen. Nur die neuen Schüler und zwei Begleitpersonen sind nach Anmeldung zugelassen. Statt eines Einschulungsgottesdienstes kommt die Pastorin für einen kurzen Moment in die Oberschule.
An den anderen Grundschulen ist der Ablauf ähnlich, wird sich bei Mehrzügigkeit, zum Beispiel drei oder vier ersten Klassen, oder mehrere Standorten je Gruppe wiederholen.
Die KGS Wittmund und das Internatsgymnasium in Esens haben sich nach den Vorgaben des Kultusministeriums und eigenen Konzepten darauf vorbereitet. „Das Schuljahr 2020/21 soll so normal wie möglich beginnen. Dennoch ist coronabedingt vieles zu beachten“, sagt Anja Renken-Abken, Schulleiterin des NIGE.
Unterrichtet wird in festen Klassenverbänden (Kohorten) stattfinden. Eine Vermischung soll vermieden werden. Nur die Jahrgänge 12 und 13 dürfen sich etwas freier bewegen, da sie im Kurssystem lernen müssen. In allen Begegnungsbereichen in den Gebäuden und auch schon davor gilt die Maskenpflicht, bei den Ganztagsangeboten die Abstandsregel. Das ist in der KGS, in der auch alle Sitzgelegenheiten in der großen Pausenhalle weggeräumt wurden, genauso wie im NIGE.
110 Internatsschüler werden nach Jahrgängen in den Häusern untergebracht. Treffen verschiedene Jahrgänge aufeinander, gilt Maskenpflicht, erklärt Konrektor Tjark-Fokken Emken. Um den Schulstart zu entzerren, kommen die neuen Fünftklässler erst morgen und der elfte Jahrgang, darunter einige Internatler, am Montag. „Wir wollen den Schulbetrieb so normal und so lange wie möglich aufrecht erhalten“, sagt Anja Renken-Abken. „Zwingt uns Corona zu Abweichungen, entscheidet das Gesundheitsamt über die weiteren Schritte, sofern diese notwendig werden.“
Bereits vor den Sommerferien hat sich gezeigt, wie diszipliniert die Jugendlichen mit der Situation umgehen. „Ich bin wirklich stolz, alle nahmen Rücksicht“, lobt Claudia Rieken, kommissarische Leiterin der KGS ihre 1500 Schüler. Zudem haben sich hingegen vieler Medienberichte von der Wittmunder Schule nur zwei Prozent der Lehrkräfte wegen ihres gesundheitlichen Risikos freistellen lassen.
Die Grundschulen in der Stadt Wittmund laden normalerweise am Samstag nach den Sommerferien zu Einschulungsfeiern für die neuen Erstklässler ein. Die Finkenburgschule mit der Außenstelle Willen verzichtet in diesem Jahr darauf, weil wegen der hohen Zahl an neuen Schülern die Coronavorgaben kaum einzuhalten wären. „Wir als Schulträger haben die Schulen nicht angewiesen – jede konnte für sich entscheiden, wie sie damit umgehen wollen“, sagt Meino Schrage von der Stadt Wittmund. Bei vielen Eltern sorgte die generelle Absage der Finkenburgschule für Unmut. Denn an allen anderen Schulstandorten in Carolinensiel, Burhafe, Leerhafe und Ardorf wie auch im übrigen Harlingerland sind Einschulungsfeiern am Samstag geplant, wenn auch unter bestimmten Einschränkungen, etwa einer begrenzten Zahl an Begleitern.
