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Energiegenossenschaft Wittmund Steigende Erdgaspreise führen zu neuen alternativen Projekten

Manfred Hochmann

Wittmund/Etzel - Der Abschied von fossilen Brennstoffen ist von der Politik gewollt. Denn sie sind endlich, zerstören nach Ansicht von Experten Klima und Umwelt. Die Preise für Gas und Kohle steigen, allein weil für jede Kilowattstunde eine sogenannte CO-2-Abgabe entrichtet werden muss, der in den kommenden Jahren stetig steigen wird. Beim Erdgas kommt aktuell hinzu, dass die große Nachfrage am internationalen Markt den Preis in die Höhe schnellen lässt – mit Folgen, die kleine Unternehmen wie die Energiegenossenschaft Wittmund (EG) in die Bredouille bringen. Sie hebt ihren Erdgaspreis zum 1. Januar 2022 an.

„Eine solche Situation habe ich noch nicht erlebt“, sagt Helga Schüler, Geschäftsführerin der EG. Sie muss an der Energiebörse in Leipzig jetzt drei bis viermal mehr für Erdgas bezahlen als noch im Frühjahr. Dann kommt noch die CO-2-Abgabe dazu. Ohne eine Preiserhöhung komme die EG in diesem Sektor nicht mehr über die Runden.

Große Nachfrage

Im Kavernenfeld der Storag in Etzel sind 51 Kavernen der Erdgasspeicherung vorbehalten. Die sind nach Angaben des Unternehmens derzeit zwar gut gefüllt. Allerdings: Andere Länder wie Österreich oder Italien, Belgien oder Italien leiden an Knappheit. Durch den enormen Konjunkturschub nach dem Ende des Lockdowns im Frühjahr ist der Energiehunger adäquat gewachsen. Unter anderem mit der Folge, dass der asiatische Markt Unmengen an Erdgas aufkauft, zu hohen Preisen. Im internationalen Markt kommt es zu Engpässen, die sich wiederum auf die Preise auswirken. Politische Friktionen wie um die Erdgas-Leitung Nord Steam 2 nach Mecklenburg-Vorpommern wirken sich ebenfalls verteuernd aus. Überdies herrschte in diesem Jahr eine ziemliche Windflaute, sodass die Windturbinen nur wenig Energie lieferten. Für die Stromerzeugung wurde deshalb vermehrt Gas und Öl eingesetzt.

Mit den Folgen müssen sich lokale Versorger wie die EG Wittmund herumschlagen. Sie bedient sich etwa zur Hälfte des Jahres täglich auf dem Gasmarkt, dazu kommen größere Tranchen in Abstand von mehreren Monaten. „Hätten wir gewusst, dass sich die Preise derart entwickeln, hätten wir sicher anders reagiert“, sagt Helga Schüler.

Höhere Preise gewollt

Die Verbraucher müssten sich ohnehin auf weiter steigende Preise für fossile Brennstoffe einstellen. Das sei in der Diskussion um den menschengemachten Klimawandel so gewollt. Auch die neue Bundesregierung werde diesen Weg weiter gehen und auf alternative Energieformen und -technologie setzen. Schüler: „Deshalb werden auch wir vom bisherigen Kerngeschäft abrücken müssen – hin zu Alternativen.“ Die EG Wittmund ist gerade dabei, neue Angebote zu entwickeln. Eines davon ist das sogenannte „PV-Modell“. Der Hausbesitzer lässt sich eine Photovoltaikanlage (PV) auf dem Dach installieren, bekommt außerdem eine Ladestation für sein (zukünftiges) Elektroauto, das er dann teilweise mit Sonnenergie direkt zu Hause mit einer so genannten Wallbox auftanken kann. „Zudem könnten die Hausbesitzer einen Speicher nutzen und so einen gewissen Selbstversorgungsgrad erreichen“, so Schüler. Direkte Kosten für den Einbau der PV-Anlage kämen auf Interessenten kaum zu. Sie bezahlten die Anlage quasi über den Grundpreis ab. Zudem will die EG parallel ein „intelligentes Stromnetz“ aufbauen, mit dessen Hilfe die Stromerzeugung, der Verbrauch und die Speicherung dynamisch gesteuert werden kann. 

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