Wittmund - Bienen beim Fliegen zuschauen, direkt in die Waben schauen und eigenen Honig produzieren – das wünschen sich viele Menschen, die sich für die Imkerei interessieren. Ein Sachkunde-Nachweis ist für die Bienenhaltung bislang nicht notwendig. Das soll sich ändern: Die Koaltion aus CDU und SPD im Bundestag fordert einen Imkernachweis für Hobbyimker.
Im Antrag heißt es, immer mehr Menschen interessierten sich für die Imkerei und wollen aktiv zum Schutz und Erhalt der Bienen beitragen. Die Imkerei sei jedoch kaum geregelt oder durch Gesetze bestimmt.
Der Imkerverein Wittmund begrüßt den Vorschlag der Koalition. „Wer Spaß an seinen Bienen haben möchte, sollte entsprechende Kurse besuchen“, sagt Vorsitzender Jan-Gerrit Carsjens. Der Verein bietet ohnehin Schulungen an, und Mitglieder geben zudem Kurse an der Kreisvolkshochschule (VHS). „Die Nachfrage ist da, die Kurse sind oft ausgebucht“, sagt Carsjens. Wegen der Corona-Pandemie sind sie momentan online.
Umgang lernen wie bei jeder Tierhaltung
Auch die Imker, die keinen Kurs belegt haben, ließen sich in der Regel von einem erfahrenen Mitglied den richtigen Umgang mit den Bienen zeigen. Wie bei jedem Tier sei es wichtig zu wissen, worauf man sich einlässt, erklärt der Vorsitzende. Weil Bienen als Insekten Wirbellose sind, gibt es keine Haltungseinschränkung, jeder darf Bienen halten.
Aber: „Die Gefahren sind immer am größten für die Bienen selbst“, sagt Jan-Gerrit Carsjens. Die auf Sanftmut gezüchteten Insekten stellten mit richtiger Ausrüstung keine Gefahr für den Imker da. „Das Problem ist aber, besonders Anfänger sind zu neugierig. Sie gucken ständig nach, was die Bienen gerade machen und stören das Volk“, warnt Carsjens. Zu häufiges Stören und versehentliches Zerquetschen der Königin seien Hauptgründe für das schnelle Sterben von Bienenvölkern. Sie würden regelrecht zu Tode geguckt.
Meike Wittenberg stimmt zu. Sie ist Dozentin an der VHS und gibt Kurse für die richtige Bienenhaltung und Honigproduktion. „Es ist einfach wichtig zu wissen, was im Bienenvolk über das Jahr vor sich geht. Man darf nicht gegen das Volk arbeiten“, erklärt sie.
Viele stellten sich das Imkern zu einfach vor. Beispiel Krankheiten: „Da muss man genau Bescheid wissen, wie man das Problem erkennt. Gerade bei Anfängern ist es oft so, dass die das nicht richtig ernst nehmen“, sagt die Imkerin. So seien immer wieder Menschen im Kurs, die sich am Ende dagegen entscheiden, sich Bienen anzuschaffen, weil sie die Arbeit unterschätzt haben.
Man müsse etwa im Auge haben, ob es Kennzeichen gibt, dass die Bienen schwärmen wollen. Erkennt man die Zeichen nicht, sagt Carsjens, ist der Schwarm dann weg. „Bienen schwärmen, wenn das Volk zu groß geworden ist und es zu eng wird“, erklärt Meike Wittenberg. Dann spaltet sich ein Teil des Volkes ab und sucht einen neuen Nistplatz.
Das Problem: Es sei nicht gewährleistet, dass die Bienen ohne Hilfe eine geeignete Bleibe und zudem auch genug Nahrung finden. Stattdessen müsse möglichst verhindert werden, dass die Bienen schwärmen, indem der Imker selbst Ableger des Volkes bildet und ihnen genug Platz bietet. „Das muss man auch regelmäßig kontrollieren“, sagt Wittenberg.
Größte Gefahr für Bienen ist die Varroamilbe
Ein weiterer Punkt, der im Spätsommer für unerfahrene Imker häufig zum Verhängnis wird, ist die Varroamilbe. Der Befall könne nicht verhindert, nur bekämpft werden, wie Carsjens erklärt. Werde den Bienen nicht geholfen, gehe das Volk ein. „Das Problem wird außerdem größer, man muss sich ständig weiterbilden, um auf dem neuesten Stand zu bleiben“, ergänzt Wittenberg. Die Imkerei sei komplexer als die Haltung von anderen Haustieren, weil Bienen zusätzlich halb wilde Tiere seien. Sie bräuchten immer die richtige Betreuung und Pflege. Deshalb unterstützt auch sie einen Sachkundenachweis für angehende Hobbyimker.
„Es gehört so viel dazu. Wie funktioniert ein Bienenvolk über das Jahr? Wie überwintert man seine Völker? Man muss ja auch den korrekten Umgang lernen.“
Wer Bienen gerne beobachtet, aber nicht das Fachwissen und die Zeit hat, selbst zu imkern, könne auch seinen Garten für Wildbienen attraktiv machen, durch entsprechende Bepflanzung, auch indem Insektenhotels gebaut werden oder ein Sandhaufen zur Verfügung steht. Ist der Garten für die Bienenhaltung ideal, könne die Fläche auch einem Imker zur Verfügung gestellt werden. Man könne Bienen inzwischen im Internet bestellen, es gibt Bücher und Youtube-Videos dazu. Jan-Gerrit Carsjens zufolge kann das aber keine Schulung durch einen erfahrenen Imker ersetzen. „Wenn jemand sich ein Volk bestellt und es nicht richtig pflegt, sterben die Bienen und er kauft im Jahr darauf ein neues Volk. Das kann es ja auch nicht sein.“
