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Es geht ums wirtschaftliche Überleben Innenstädten geht die Luft aus

Wittmund - Zur Diskussion über die Innenstädte und deren Entwicklung, mit denen sich derzeit die Parteien und auch der Wirtschaftsförderkreis auseinandersetzen, meldet sich Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen zu Wort. „Insbesondere durch den zweiten harten Lockdown ist die Lage im stationären Einzelhandel sogar teilweise existenzgefährdend geworden. Es gilt, die Innenstadtakteure mit allen Kräften zu unterstützen“, schreibt der Verwaltungschef, der appelliert: „Denkt global, kauft lokal!“ Den größten Fehler, den man jetzt noch machen könne, sei, dass man die Innenstädte kaputtrede.

Das, was der Onlinehandel durch Corona verstärkt in 2020 und 2021 an Zuwächsen verzeichne fehle dem stationären Einzelhandel. Dennoch sollte man dem Onlinehandel nicht allein die Schuld für die sich verändernden Innenstädte geben, unterstreicht Claußen. Er ist als Treiber dieser Entwicklung zu identifizieren und spiegele das Nachfrageverhalten der Konsumenten wider, das durch die Pandemie einen weiteren Beschleuniger bekommen hat.

Maßnahmen erarbeitet

„Aktuell geht es um das wirtschaftliche Überleben der kleinen und mittleren Unternehmen, um den inhabergeführten stationären Einzelhandel, die Dienstleister, die Gastronomie und Hotellerie in Wittmund“, so der Bürgermeister. Sie bildeten das Rückgrat der Innenstädte und hier müsse pandemiebedingte „Überlebenshilfe“ geleistet werden. „Doch nachdem die politisch zugesagten Soforthilfen bislang nur zögerlich oder gar nicht angekommen sind, geht dem stationären Einzelhandel in den Innenstädten langsam die Luft aus“, erklärt Claußen. Wer das Problem jetzt erst erkenne, liefe der Veränderung der Innenstädte hinterher. Deshalb habe man in der Stadt Wittmund bereits vor Jahren angefangen, der Entwicklung durch wirkungsvolle Maßnahmen zu begegnen. „Deshalb ist das Problem nicht abschließend gelöst, aber die ergriffenen Maßnahmen zeigen Wirkung“, so Claußen, der Beispiele aufzählt.

So die Wiederherstellung und Ingangsetzung städtebaulicher Funktionalitäten; konkret der Wittmunder Marktplatz, der seine Funktionalität von Arbeiten und Wohnen am zentralen Ort zurückerhalten hat.

Nahversorgung in der Innenstadt halten

Die Nahversorgung in der Innenstadt zu halten. Mit Lidl sei es gelungen, einen attraktiven Nahversorger als Frequenzbringer zu halten. Daraus ergebe sich ein Attraktivierungsmerkmal für das Wohnen in der Innenstadt. Zudem habe die Politik die Umnutzung von Geschäfts- zu Wohnraum geebnet. Aktuelle Beispiele bilden der Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses am Eingang der Fußgängerzone in der Drostenstraße sowie die Umnutzung des alten Postgebäudes am Karl-Bösch-Platz in Stadtwohnungen.

Ein weiteres Beispiel sei die Verlegung von kommunalen Einrichtungen in die Innenstadt. Die Anmietung von Geschäftsräumlichkeiten durch die Stadt in zentraler Lage in der Fußgängerzone und Verlegung der Stadtbücherei sowie des Stadtarchivs dorthin.

Die Schaffung von Themenquartieren, so wie in der Wittmunder Brückstraße, wo in Kooperation mit der Lebenshilfe Wittmund und den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen ein Sozialquartier geschaffen wurde, nennt der Bürgermeister ebenfalls auf seiner Liste. In ehemaligen Geschäftsräumen befindet sich ein Atelier sowie das Café „Pütt“, das Menschen mit und ohne Behinderungen mitten in der Stadt zusammenbringt.

Stadt als Erlebnis

Die Innenstadt solle von den Bürgern nicht nur als Stätte des Einkaufens, sondern des Erlebens genutzt werden. Deshalb sei es wichtig, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Das könne durch Gastronomische Angebote wie Cafés und Restaurants möglichst mit Außenerlebnis sowie wechselnden Angeboten der Unterhaltung passieren. Claußen nennt dabei die Bohnenbar von Kerstin und Dave Jakusch, die mit ihrer Geschäftsidee einen der vorderen Plätze beim Unternehmerpreis Nordwest errungen haben, als Paradebeispiel. Zudem gebe es Kurzweil-Angebote in der Innenstadt, wie die Boule-Bahn in der Norderstraße und Generationsübergreifende Treffpunkte wie das Sniederhus und den Treff am Sonneneck.

Auch der Wochenmarkt, freies WLAN, Ladestationen für Smartphone und E-Bike sowie die Sauberkeit in der gesamten Innenstadt tragen zur Attraktivität bei, so Claußen.

Die Stadt Wittmund unterstütze den stationären Einzelhandel nachhaltig durch die enge Zusammenarbeit zwischen dem Stadtmarketing mit Managerin Amke Behrends und dem örtlichen Gewerbeverein proWittmund und der Kooperation mit den touristischen Akteuren im Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel.

Zudem begleite die Stadt als Projektsteuerer für innenstadtrelevante Projekte wie die Planungen zum Angel- und Campingpark im Naherholungsgebiet Isums.

„Dieses Projekt wird mit 800 bis 1000 zusätzlichen Gästen die Innenstadt nachhaltig beleben und Kaufkraft für Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie generieren“, sagt Rolf Claußen, der auch eine Einzelhandelskooperation mit den ostfriesischen Nachbarstädten plant.

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