WITTMUND - Ab Sonntag bis zum 10. Februar findet im Künstlerhaus 'Palette' in der Bremer Straße 13 in Wittmund zu Ehren des im Januar 2012 verstorbenen Künstlers und Mitgliedes des Ostfriesischen Kunstkreises, Wladimir Tudic, eine Ausstellung unter dem Titel 'Retrospektive' statt. Darin wird ein Querschnitt des Lebenswerkes des Künstlers gezeigt.
Der verstorbene Tudic studierte in Zagreb Kunst. Später lernte er in Frankfurt den Scherenschnitt von Professor Ernst-Moritz Engert kennen. Der Scherenschnitt ist ein altes handwerkliches Verfahren (Psaligraphie) und zugleich auch die Bezeichnung für dessen Ergebnis. Dabei wird Papier mittels einer Schere oder anderen speziellen Schnittinstrumenten so bearbeitet, dass entweder der verbleibende Umriss oder die Ausschnitte oder beides ein anschauliches Bild ergeben. Professor Engert, den man auch als den Altmeister des Scherenschnitts bezeichnet, brachte Tudic zur Perfektion in dieser besonderen Kunst. 1980 traf Tudic in Paris am Monmatre mit Sir John Christie zusammen und wurde von dessen berühmter Scherenschnittkunst inspiriert. 1984 wurde Wladimir Tudic in Berlin sogar Weltmeister im Miniatur-Porträt-Scherenschnitt. Dort bekam er auch seinen Pseudonym-Namen 'Hektor'. Ab dieser Zeit nannte er sich 'Hektor – der Mann mit der flinken Schere'. Er reiste sehr viel, um sein Können einem breiten Publikum darzubieten. Tudic hatte die außergewöhnliche Fähigkeit, Gesichtskonturen der zahlreichen Besuchern von Festen, Messen und Märkten in kurzer Zeit zu por-trätieren. Als Grafiker, Zeichner und Designer hatte er sehr gute Kenntnisse gesammelt, um bei dieser analytischen Kunst einen stilvollen Scherenschnitt zu zaubern. Tudic wurde für die Cebit in Hannover, die Düsseldorfer Messe und zu verschiedene Events engagiert. Auf dem Sommerfest von Bundeskanzler Helmut Kohl in der Villa Hammerschmidt in Bonn porträtierte er den Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und dessen ausländischen Besuch. Viele andere prominente Persönlichkeiten, darunter auch der frühere Fußball-Bundestrainer Helmut Schön, Klaus Kinkel, Franz-Josef Strauß sowie Boris Becker und Steffi Graf wurden schon von ihm in schwarzes Papier porträtiert.
Er war aber nicht nur Scherenschnittkünstler, sondern auch ein begnadeter Maler und ein mitreißender Musiker. Die Musik lernte er durch seinen Vater, einem amerikanischen Pianisten, und seiner ungarischen Mutter kennen und lieben. Seit 1990 lebte Wladimir Tudic in Esens. Nach einer schweren Krankheit verstarb er im Januar 2012.
Ein breites Spektrum seiner Arbeiten wurden zusammengetragen und jetzt im Künstlerhaus 'Palette' ausgestellt. Die Vernissage findet am 13. Januar um 15 Uhr statt. Die Einführung wird Ernst-Ludwig Becker, Vorsitzender des Ostfriesischen Kunstkreises, halten. Für musikalische Untermalung sorgt Tudics Sohn Martin Ackmann.
