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Porträt Marius Laabs über die Arbeit in der Traditionsgaststätte bei Bodo in Wittmund

Wittmund - „Rolli heiße ich seit 2013, da hatte ich einen schweren Motorradunfall, mein Bein war mehrfach gebrochen und ich musste eine Zeit lang im Rollstuhl sitzen“, klärt Rolli auf, warum er diesen Spitznamen hat. Rolli, die freundliche Servicekraft von Bodo ist eigentlich gelernter Klempner und wurde bei Bremervörde geboren. „Aber irgendwie hatte ich dazu nach meiner Ausbildung keine Lust mehr drauf und so kam ich zum Schutz- und Sicherheitsdienst“, erzählt der 31-Jährige und streicht sich dabei über seine teiltätowierte Glatze. Rolli hätte noch Haare, „aber dann würde ich aussehen wie ein Mönch, ich habe schon Halbglatze“, erzählt er. Und so kennt man den redegewandten Mann seit seinem 17. Lebensjahr nur noch „oben ohne“.

Auf dem Kiez erlebt man viel

Seine Arbeit als Türsteher führte den jungen Mann auch nach Hamburg auf den Kiez. „Ich weiß noch, an meinem ersten Tag in dem Tanzlokal musste ich eine völlig betrunkene 17-Jährige von der Toilette holen“, erinnert sich Rolli. „Es gibt viel, was man dort erlebt und sieht, da spiegelt sich die gesamte Gesellschaft wider“, erklärt Rolli während er im Gespräch kurz aufsteht, um den ersten Gästen bei Bodo das Bier zu zapfen – Service, der wird bei dem 31-Jährigen nämlich immer groß geschrieben, obwohl er es nicht gelernt hat. Egal ob Drogenabhängige, Obdachlose oder Partygesellschaften, auf dem Hamburger Kiez sei alles vertreten, so der 1,85 Meter große Mann. „Ab punkt drei Uhr morgens begann immer die Randale“, erinnert sich Rolli, der zeitweise mit seinem Sicherheitsunternehmen selbstständig war. Einhergehend mit dem Alkoholkonsum fiel dann bei vielen Besuchern die Hemmschwelle.

2017 kam Rolli das erste Mal mit Bekannten nach Wittmund. „Mir hat das hier gleich so gut gefallen, die Stadt und vor allem diese Kneipe“, sagt Rolli. Er war sozusagen geflasht von der Traditionsgaststätte, die Roman Janssen nun schon in dritter Generation in der Harlestadt führt und in der sich Land und Leute nicht nur kennen, sondern auch regelmäßig treffen – egal welchen Beruf sie haben, egal welches gesellschaftliche Standing.

Marius Laabs beschloss, nach Wittmund umzuziehen. Schnell fand er eine kleine Wohnung und eine Arbeit. Aber dieses Mal wieder so ganz etwas anderes, denn Rolli ist auch Fischer. „Ich habe als Decksmann auf einem Krabbenkutter in Bensersiel angeheuert, das hat mir riesigen Spaß gemacht“, erzählt das Allround-Talent. Für ihn gebe es nichts besseres als Krabben frisch aus dem Kessel, so der Feinschmecker, der selbst gerne kocht. Nach 18 Monaten aber verkaufte der Kapitän das Schiff und, weil Rolli Blut geleckt hatte mit der Fahrt auf See, bewarb er sich als Decksmann bei einem Muschelfischer in Hooksiel. Das Schiff war um einiges größer und die Tage und Nächte, die die Mannschaft mit vier Leuten auf See verbracht haben um einiges länger. „Aber das hat mir riesigen Spaß gemacht“, blickt Rolli zurück, denn die Männer waren auch dafür zuständig, die Miesmuscheln sozusagen zu züchten, die Kolonien in der Nordsee anzusiedeln.

Wohnen direkt hinter der Kneipe

Von Anfang an waren Rolli und Roman Janssen auf einer Wellenlänge und so half der 31-Jährige gern im Service in der Kneipe aus. Eigentlich wollte er schon früher ganz bei Bodo anfangen. Aber dann kam der Lockdown und so fuhr Rolli wieder zur See. Nun aber hat er das Fischen an den Nagel gehängt. Seit Juni ist er ganz in der Traditionsgaststätte beschäftigt. Seit November haben Roman und Rolli mit Bärbel Janssen auch eine Wohngemeinschaft direkt im Haus hinter dem Lokal gegründet. „Das läuft super, so kann ich nie zu spät zur Arbeit kommen“, lacht Rolli und steht schon wieder auf.

„Ganz ehrlich, ich muss nun arbeiten und zusehen, dass ich meine Gäste besoffen mache“, sagt Rolli und geht lachend hinter den Tresen.

Inga Mennen
Inga Mennen Thementeam Soziales
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