WITTMUND/OLDENBURG - Schwerhörige und Träger von Hörgeräten kennen die Situation: In größeren Gruppen können sie den Gesprächen kaum lauschen, sie vernehmen nur noch ein Stimmengewirr, ein unverständliches Durcheinander. Viele Hörgeschädigte fühlen sich isoliert. Ein Mann, der diesen Menschen helfen will, ist Professor Dr. Birger Kollmeyer – eine Koryphäe in der Hörmedizin, Physiker an der Universität Oldenburg, Leiter der Abteilung medizinische Physik und Träger des Deutschen Zukunftspreises. Dieser Mann kommt am 15. Januar nach Wittmund.

Wie ist es gelungen, diesen hochkarätigen Wissenschaftler nach Wittmund zu holen? Zwei Männer haben ihren direkten Draht zur Universität Oldenburg glühen lassen: Ehrenlandrat Henning Schultz und Sparkassen-Chef Heinz Feldmann sind seit September 2011 Botschafter der Uni Oldenburg für den Landkreis Wittmund. In dieser Funktion sorgen sie dafür, dass die Carl-von-Ossietzky-Universität stärker ins Bewusstsein rückt. Mehr im Stillen sorgen sie unter anderem dafür, dass gute, begabte Abiturienten aus weniger begüterten Familien ein Studium antreten können. Diese erhalten ein Jahr lang jeden Monat 350 Euro monatlich. Hierein fließt auch noch ein Bundeszuschuss. Die Uni-Botschafter, die im gesamten Nordwesten wirken, haben mittlerweile rund 70 jungen Leuten zu einem Studienplatz verholfen. Schultz und Feldmann arbeiten bereits mit dem NIGE in Esens zusammen, wollen auch die anderen Gymnasialzweige im Landkreis Wittmund einbeziehen. Die Uni-Botschafter sind auch maßgeblich an der Verbundausbildung für Ärzte der Allgemeinmedizin im Landkreis Wittmund beteiligt; knüpfen auch Kontakte zwischen Kreisverwaltung und der 'European Medical School Oldenburg-Groningen' (EMS). Die Universitäten Oldenburg und Groningen haben gemeinsam 40 Medizin-Studienplätze geschaffen.

Die Studenten-Initiative ist nur einer der vielen Wirkungskreise der beiden Uni-Botschafter aus Wittmund. Nicht weniger wichtig ist ihnen, das Potenzial der Oldenburger Hochschule stärker in das Bewusstsein zu rücken. Dazu dienen unter anderem Vorträge mit hochkompetenten Wissenschaftlern von der Uni. Und so kommen wir an dieser Stelle zurück auf Professor Dr. Birger Kollmeyer. Einem großen Publikum ist er bekannt, seitdem Bundespräsident Joachim Gauck dem Wissenschaftler aus Oldenburg Ende November in Berlin den Deutschen Wissenschaftspreis 2012 überreichte, live übertragen vom ZDF. Kollmeyer erhielt den Preis für die Entwicklung binauraler Hörgeräte. Binaural ist lateinisch und bedeutet: 'mit beiden Ohren'. Die Hörgeräte ermöglichen räumliches Hören für alle. Kollmeier und seine Kollegen schufen die Voraussetzungen für Systeme, die Betroffenen zu einem fast natürlichen Hörvermögen verhelfen. Grundlage ist ein digitales Verfahren, das die an beiden Ohren sitzenden Hörgeräte zu einem binaural arbeitenden Hörsystem kombiniert. Professor Kollmeier ist aufgefallen, dass Schwerhörige bei sogenannten 'Cocktail-Party-Situationen' besondere Probleme haben, bei denen sie im Stimmgewirr die gewünschte Stimme nur sehr schlecht verstehen können. Die binauralen Hörgeräte bilden die effektive Funktion des Gehörs bei der Aufnahme und Verarbeitung akustischer Signale (zum Beispiel Sprache oder Musik) ermöglicht so die Konstruktion 'intelligente' Hörgeräte, die nicht nur in Party-Situationen zu einem besseren Sprachverständnis verhelfen sollen.

Am Dienstag, 15. Januar, 19 Uhr, stellt Professor Kollmeier seine Hörtechnologie in einer öffentlichen Veranstaltung im Vortragsraum der Sparkasse Am Markt in Wittmund vor. Der Vortrag gibt auch einen Einblick in die Aktivitäten des Kompetenzzentrums 'HörTech'. Kollmeier verspricht einen interessanten Abend, bei dem das Publikum aktiv eingebunden werden soll. Anhand von Feldtests mit tragbaren Prototyp-Hörgeräten werden die neuen Verfahren erprobt, deren Ergebnisse an diesem Abend auch akustisch demonstriert werden sollen.

Um Anmeldungen wird gebeten unter der Telefon-Nummer 04462 / 987201.