Wittmund/Wilhelmshaven - Früher hatten sie keinen guten Stand – die Selbsthilfegruppen. Doch mittlerweile hat auch die Medizin erkannt, wie wichtig es für die Genesung sein kann, wenn betroffene Menschen sich austauschen und sich gegenseitig Mut machen können.

Allein in Niedersachsen gibt es 45 Selbsthilfekontaktstellen, in denen 7000 Gruppen organisiert sind. Eine von diesen Anlaufstellen ist die Selbsthilfekontaktstelle Wittmund-Wilhelmshaven, die 2005 gegründet wurde. Träger ist der Verein für Gesundheit und Selbsthilfe mit dem Geschäftsführer Heinz Buss. Ihm oblag es gestern auch, die neue Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle, Cordula Franke, vorzustellen. Die 55-Jährige tritt damit die Nachfolge von Anke Wellnitz an, die 13 Jahre lang die Leitung übernommen hatte und im vergangenen Jahr in den Ruhestand ging.

„Das Arbeiten an der Basis macht mir einfach Spaß“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin, die bis 2021 Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wilhelmshaven war. In ihrer neuen Funktion hat die Wilhelmshavenerin es mit ganz unterschiedlichen Menschen zu tun, die ganz verschiedene Probleme haben. Es gibt Selbsthilfegruppen, die sich mit körperlichen Erkrankungen beschäftigen und die sozialen Gruppen. So wurde seit Ausbruch der Pandemie – um zwei Beispiele zu nennen – eine Gruppe gegründet, in der sich Betroffene treffen, die unter dem Long-Covid-Syndrom leiden, eine andere Gruppe vereint Menschen, die durch die Pandemie vereinsamen und so einen Anschluss sowie einen sozialen Austausch erfahren.

„Klar, es ist nicht einfach, in der Pandemie mit den Kontaktbeschränkungen“, erklärt die sozialpädagogische Mitarbeiterin Andrea Pohlenga. Aber die Kontaktstelle unterstützt, wo sie nur kann, gibt Ratschläge, wie man sich zum Beispiel bei einem Spaziergang trotzdem treffen kann oder gibt Tipps, wie der Austausch auch online möglich ist. Keine Gruppe wird völlig allein gelassen. Und so berät Cordula Franke, wenn Interessenten eine neue Gruppe gründen wollen. „Es gibt zum Start sogar finanzielle Unterstützung“, erklärt die Leiterin, die zu 60 Prozent in Wilhelmshaven und den Rest der Zeit in Wittmund, in der Anlaufstelle der Kontaktstelle im Sniederhus, arbeitet.

Finanziert wird diese wichtige Arbeit durch Zuschüsse des Landes Niedersachsen und der Krankenkassen. Auch der Landkreis Wittmund fördert die Kontaktstelle, indem die Kosten für Fortbildungen übernommen werden. „Dankbar sind wir auch der Sparkasse LeerWittmund, sie ermöglicht vieles, und hilft uns auch immer wieder bei der Ausstattung in den Büroräumen hier“, lobte Buss das Engagement der Bank.

Inga Mennen
Inga Mennen Thementeam Soziales