Wittmund/Wilhelmshaven - „Wir sind froh, dass es in Wilhelmshaven eine derart gut funktionierende Selbsthilfelandschaft gibt“, lautet die Einschätzung des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Wilhelmshaven und Hausarzt Klaus-Peter Schaps.
Bei seinem Besuch in der Selbsthilfekontaktstelle (SEKO) im Europaring 22 stellte Schaps fest, dass gerade in der Coronakrise seit Wochen in den Arztpraxen am Limit gearbeitet werde. Da falle das Patientengespräch durchaus schon einmal kürzer aus – dem übervollen Wartezimmer geschuldet. „Von daher ist der Hinweis auf Selbsthilfegruppen eine nicht zu unterschätzende Entlastung“, so Klaus Peter Schaps. Hier werden chronisch kranke Menschen aufgefangen, bekommen Informationen und dadurch kann manche Diagnose ihren Schrecken verlieren. Gemeinsames Ziel der Ärzteschaft und der Selbsthilfe ist der sogenannte mündige Patient, um gut informiert und auf Augenhöhe gemeinsam die besten Lösungen und Therapien zu finden.
Die SEKO, die für Wilhelmshaven und Wittmund zuständig ist, spielt hierbei die zentrale Rolle bei der Vermittlung in die einzelnen Selbsthilfegruppen. Alle 110 örtlichen Gruppen sind in einer Übersicht gelistet und darüber können die Kontakte hergestellt werden. Bei Bedarf werden neue Gruppen gegründet, wie zuletzt die für Betroffene einer posttraumatischen Belastungsstörung oder die „EX Players“, in der sich ehemals Spielsüchtige zusammenfinden.
Durch die gute Vernetzung der SEKO im sozialen Gefüge ist ihre Beratung über den Rahmen der Selbsthilfe hinaus zusätzlich wertvoll für die Ärzte. Es fehle die Zeit nach Beratungsstellen oder sonstigen Hilfseinrichtungen zu recherchieren, und da ist es eine hilfreiche Unterstützung im Praxisalltag, die Telefonnummer der SEKO weitergeben zu können, im Wissen, dass hier weitergeholfen wird. „Wir schauen ganz individuell, welche Hilfseinrichtungen zusätzliche Unterstützungen geben können. Zu vielen Kollegen pflegen wir enge Kontakte, kennen uns aus diversen Arbeitskreisen. Das nutzen wir im besten Sinne für unsere Ratsuchenden, die in krisenhaften Situationen helfende Hände finden“, sagt Andrea Pohlenga, pädagogische Mitarbeiterin der SEKO. „Die Kooperation zwischen Ärzteschaft und Selbsthilfe ist keine Einbahnstraße, beide Seiten partizipieren davon“, ergänzt Anke Wellnitz, Leiterin der Selbsthilfekontaktstelle. Seit Jahren stellen sich Ärzte für medizinische Fachvorträge zur Verfügung und leisten damit einen professionelle Unterstützung der Selbsthilfegruppen. Denn sachliche Information und gute Aufklärung wirken Angst und Sorge entgegen.
