Wittmund - „Mir wird das langsam alles zu viel, wer soll da noch durchblicken?“ Lars Kröger, Inhaber des Restaurants Harlestübchen in Wittmund, hat eigentlich andere Sorgen als täglich auf die Inzidenzwerte des Landes Niedersachsen und des Landkreises zu blicken. Er versucht nun seit Monaten, sein Geschäft mit dem Außer-Haus-Service am Laufen zu halten – seit dem 1. November ist sein Lokal – wie alle in Deutschland – wegen des Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie geschlossen.
Mit den neuen Bestimmungen des Bundes zu den Corona-Öffnungen hat sich der Wittmunder noch nicht wirklich beschäftigt. „Für mich bringt das ja nichts, ich habe draußen nur zwei Tische und acht Plätze“, sagt der Koch.
Nach den Öffnungsschritten, die Bund und Länder vergangene Wochen beschlossen haben, darf die Gastronomie ab dem 23. März wieder starten. Bei einer Inzidenz von unter 50 draußen ganz normal und ohne Termin. Sollte die Zahl aber auf über 50 steigen, dann dürfen die Restaurantbetreiber ihre Gäste trotzdem empfangen, aber nur nach vorheriger Terminabsprache und nur mit einem aktuellen Schnell- oder Selbsttest. Das ist für die Unternehmer alles verwirrend.
Seit November im Lockdown
Roman Janssen hat zurzeit eine für seine Stammgäste ganz unschöne Angewohnheit – er geht in Wittmund durch die Straßen spazieren. Damit führt der Wirt und Inhaber der Kneipe mit Restaurant „Bei Bodo“ seinen Kunden immer wieder vor Augen, wie sehr sie den Besuch bei ihm vermissen. „Irgendetwas muss ich ja tun“, sagt der Wirt und lacht. Aber so ganz zum Lachen ist ihm eigentlich nicht zumute im Moment. In seinem Keller laufen die Fässer Bier im April ab – seit dem 1. November ist sein Laden wegen des erneuten Lockdowns geschlossen.
Die November- und Dezember-Hilfen sind bei ihm angekommen, für Januar und Februar hat er noch kein Geld gesehen. Trotzdem ist der 52-Jährige nicht untätig, freut sich auf seine Gäste und auf die Zeit, in der er hoffentlich bald wieder öffnen darf. „Ich habe wenigstens draußen 30 Plätze“, sagt er. Aber ein Schnitzel im Schnee, das möchte er seinen Kunden nicht antun. Deshalb wird Roman Janssen ab dem 23. März, ab diesem Tag darf er unter Bedingungen Kunden wieder draußen bewirten, seine Öffnungszeiten vom Wetter abhängig machen. Wie ihn seine Gäste vermissen, so vermisst der Koch auch seine Kunden und die Arbeit. „Ich habe neulich schon überlegt, ob ich überhaupt noch ein Schnitzel panieren kann“, sagt er und blickt nachdenklich aus dem Fenster seiner verwaisten Kneipe. „Aber das ist wohl wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht“, sagt der Wittmunder. Die für ihn viel zu viele freie Zeit hat er genutzt, sich Gedanken über sein Angebot zu machen, das er um Cocktails und Snacks erweitern möchte. „Außerdem werde ich den Außenbereich neu gestalten“, sagt der Wirt. „Hauptsache alle meine Stammkunden kommen wieder“, unterstreicht Roman Janssen, der schon damit zufrieden wäre, wenn er die Hälfte seiner Plätze drinnen wieder besetzen könnte.
Außer-Haus-Verkauf im Harlestübchen
So geht es auch Lars Kröger und Yvonne Walther vom Harlestübchen in Wittmund. „Das klappte doch alles so super im vergangenen Jahr, genug Platz zwischen den Tischen und jeder hielt sich an die Pflicht, den Kontaktbogen auszufüllen und Maske zu tragen“, sagt der Koch. Das Harlestübchen setzt auf eine Außer-Haus-Karte, um wenigstens ein wenig Geld in die Kasse zu bekommen – denn die Pacht für das Gebäude und andere Nebenkosten laufen weiter. Von Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 14 Uhr und von 18 bis 21 Uhr (sonntags von 17 bis 21 Uhr) können Kunden bei ihm Essen bestellen. „Damit können wir ungefähr 30 Prozent erwirtschaften, der Rest fehlt aber“, sagt der 44-Jährige, der seinen Gäste so gerne wieder seine Speisen schön angerichtet auf einem Teller servieren möchte und nicht in der Styropor-Schachtel.
Von der Öffnung der Außengastronomie haben Lars Kröger und Yvonne Walther nichts. „Wer will denn hier schon direkt an der Straße sitzen?“, fragt sich der 44-Jährige, der ohnehin nur zwei Tische draußen zur Verfügung hat. Er hofft, dass Bund und Länder ihren Öffnungsplan noch einmal nachbesser. „Hier darf keiner herkommen, aber in den Baumarkt dürfen sie alle, das soll mir mal jemand erklären“, unterstreicht der Koch.
„Im Frühjahr, nach dem ersten Lockdown, hat es doch auch geklappt, als wir die Tische und Plätze reduziert haben“, sagt Yvonne Walther, die für den Service im Harlestübchen verantwortlich ist. Mit „halber Fahrt“ würde sich auch der Wittmunder Wirt Roman Janssen von „Bei Bodo“ zufrieden geben. „Bei solchen Temperaturen von unter zehn Grad brauche ich doch draußen gar nicht erst aufmachen“, sagt der 52-Jährige, der bereits zwei Heizpilze und einen Stapel Decken für die Gäste bestellt hat.
Sowohl Lars Kröger als auch Roman Janssen betonen, wie gut und diszipliniert die Gästeströme im Sommer zu lenken waren – und auch deshalb erwarten sie eine Perspektive, mit der sie ihre Geschäfte wirtschaftlich öffnen können.
