Osnabrück - Ein Haus aus den 20ern hat andere Mängel als eine Immobilie aus den 70ern. Wer ein älteres Gebäude energetisch sanieren will, stößt je nach Baujahr auf typische Macken. Im einzelnen sollte das ein Experte vor Ort klären. „Nur weil ein Haus beispielsweise nach Kriegsende gebaut wurde, muss es nicht prinzipiell schlecht sein“, weiß Andreas Skrypietz, Energieberater der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Folgende Charakteristika können unterschieden werden:

  Baujahre bis 1920: Herrschaftliche Villen mit viel Kunsthandwerk und schlichte Häuschen mit sparsamen Zuschnitten – das ist der prägende Gegensatz. Haustechnik, Wärme- oder Schallschutz oder auch die Sperrschicht gegen Feuchtigkeit im Keller spielten beim Bau keine Rolle. Rohre und Kabel lagen „auf Putz“. In der Regel hatte nur die Küche einen Wasseranschluss. In den Decken oder Gewölbekellern können inzwischen die alten Stahlträger vor sich hin rosten.

  Baujahre 1920 bis 1949: Mit der „Bauhaus“-Schule kamen völlig neue Architekturformen auf. Zudem eroberten industriell hergestellte Baustoffe den Markt. Langsam entwickelte sich der soziale Wohnungsbau. Mit ihm kamen die kleinen, funktionalen „Frankfurter Küchen“. Die Toilette fand ihren Platz im Bad. „Leider wurden in dieser Zeit oft potenziell gesundheitsgefährdende Bleirohre für das Trinkwasser verwendet“, erläutert Skrypietz. Zudem gingen Baustoff-Innovationen oft mit Anwendungsfehlern einher. Besitzer solcher Häuser sollten die Statik untersuchen lassen, rät Skrypietz.

  50er-Jahre-Bauweise: Oft war die Not der Stunde der eigentliche Architekt. „Bei diesen Gebäuden findet sich außer der Statik kaum irgendwo eine an bauphysikalischen Erkenntnissen ausgerichtete Planung und Ausführung“, beschreibt Peter Burk in seinem Ratgeber „Kauf eines gebrauchten Hauses“. Verbaut wurde, was da war. Handwerker nutzten ab den 50er Jahren gesundheitsschädigende Stoffe wie formaldehydhaltige Holzschutzmittel oder Asbestzementplatten.

  Baujahre 1960 bis 1979: Der Siegeszug des Betons begann. Flachdächer und erste Fertighäuser machten auf sich aufmerksam. Vor allem im Keller floss der neue Baustoff ein. „Mit dem Beton entstanden im Mauerwerk Wärmebrücken, die zu großen Bauschäden führten“, kommentiert Skrypietz. Gleichzeitig fingen Handwerker an, Außenwände zu dämmen und erste Kellerdrainagen zu legen. Die Ölheizung setzte sich durch, und Thermopanefenster lösten die Einfachverglasung ab. Mit der Ölkrise 1974 begann ein Umdenken hin zur Gas- und Fernwärmeversorgung.

  Baujahre 1980 bis 2000: Von den Betonbauten hin zu einer „menschlichen“ Architektur: Hausbesitzer orientierten sich erstmals an ökologischen Materialien und Konstruktionen. Ende des Jahrzehnts kamen Niedrigenergiebauweisen, in den 90ern die Passivhäuser auf. „In modernen, top gedämmten Häusern ist die Lüftung oft nicht geregelt, wodurch Feuchtigkeitsschäden entstehen können“, betont Skrypietz.