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NWZonline.de Ratgeber Wohnen & Leben

Bauhaus-Jubiläum: Schnörkellos und zweckmäßig

02.02.2019

Berlin /Weimar /Oldenburg Geometrische Formen, der auf ein Minimum beschränkte Materialeinsatz und kein Detail zu viel – das sind Bauhaus-Möbel. Sie gelten als der Inbegriff der Reduktion. In Zeiten, in denen Klassiker den Ton angeben und die Möbelmessen mit Retro-Look-Entwürfen geflutet werden, ragen diese Ikonen des 20. Jahrhunderts wieder heraus – und das 100 Jahre nach ihrer Entstehung.

Dabei war das, was von 1919 bis 1933 in den Werkstätten der berühmtesten Kunstschule der Moderne entstand, damals alles andere als zeitgemäß oder Mainstream. Es war Avantgarde. Die Möbel waren ihrer Zeit weit voraus und von einer optischen Leichtigkeit, die nichts mit den damals typischen gängigen schweren und dunklen Holzmöbeln gemein hatte.

Funktional und haltbar

„Die Bauhaus-Möbel stehen für eine Abkehr vom Dekor, für eine schmucklose Formensprache, deren Klarheit die Zweckmäßigkeit des Objektes betont“, erklärt Angelika Nollert, Direktorin von „Die Neue Sammlung – The Design Museum“ in München. „So gilt der frühe Lattenstuhl namens Ti 1a von Marcel Breuer (1922) bis heute als eine Ikone des Bauhauses.“

Für die Bauhaus-Designer               ging es darum, ästhetisch ansprechende Objekte zu kreieren, die ebenso schnörkellos wie funktional und haltbar sind. Elemente wie Tischplatten oder -beine wurden zum Beispiel in der Regel auf einfache geometrische Formen reduziert. Das gelang auch deswegen, weil Materialien wie Stahl, Glas, Sperrholz und Kunststoff dank neuer industrieller Techniken damals leichter verfügbar wurden.

Die Idee: Je einfacher ein Entwurf gestaltet ist, desto effizienter und günstiger lässt er sich produzieren. Die Reduktion galt als unkonventionell, stellte jedoch die Bauhaus-Devise der Praktikabilität unter Beweis und sollte die Massenproduktion ermöglichen, um ein vergleichsweise großes Publikum zu erreichen.

Dass sich trotzdem nur wenige Menschen die Möbel leisten konnten, war den Umständen in den 1920er Jahren in der Weimarer Republik geschuldet. Auf die Hyperinflation zu Beginn des Jahrzehnts folgte lediglich eine kurze Zeit der Stabilität, bevor 1929 die Weltwirtschaftskrise die sozialen Konflikte verschärfte und für eine politische Radikalisierung sorgte. Diese gipfelte im Nationalsozialismus.

Das Bauhaus hat diese Auswirkungen an allen drei Standorten zu spüren bekommen. Doch gerade die dramatischen Umstände der Schließung der Schule 1933 sowie die Auswanderung der Kreativen führten zu einer Internationalisierung und größeren Verbreitung der gestalterischen Ideen – und der Bauhaus-Look fand ironischerweise durch die Unterdrückung durch die Nationalsozialisten zu seiner globalen Kontinuität.

Die überwiegende Zahl der damaligen Möbelentwürfe wird heute von drei Firmen produziert: Knoll International, Tecta und Thonet. Stilistisch handelt es sich bei Bauhaus-Möbeln in den meisten Fällen um Kombinationen aus Stahl und Leder oder Stoff.

Ein Sessel, der dank seiner minimalistischen Leichtigkeit nicht von seiner Popularität eingebüßt hat, ist der Wassily Chair (Knoll International, 1925/26). Marcel Breuer nahm als Inspiration die traditionelle Form eines gediegenen Clubsessels und vereinfachte sie. Am Ende blieb eine Art Silhouette übrig mit Sitzfläche, Rücken und Armen aus Segeltuch, heute Leder.

Filigrane Stahlbeine

Ein weiterer Sessel, der sich als Sitzmöbel für Hotel-Lobbys und Empfangsräume etabliert hat, ist der Barcelona Chair (Knoll International, 1929) von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich. Er wirkt dank seiner x-förmigen, dezent geschwungenen Stahlbeine filigran, die Sitzfläche scheint förmlich über dem Boden zu schweben.

An streng geometrische Prinzipien hielt sich Walter Gropius beim Sessel F 51 (Tecta). Er hat eine kubische Form. Neu an dem Sitzmöbel war die hinterbeinlose Konstruktion, bei der weder zwei Beine noch die Rückenlehne des Sessels den Boden berühren. Auch wenn dieses Modell aus Holz ist, es ist bei genauerer Betrachtung ein Freischwinger mit voluminöser Polsterung.

Aber in keinem anderen Möbel wird die Inspirationsquelle der Geometrie so deutlich wie in der Babywiege von Peter Keler (Tecta, 1923). Sie setzt sich aus Kreisen, Dreiecken und Rechtecken zusammen. Der Architekt wurde von einem Buch Wassily Kandinskys zur Farbtheorie inspiriert, in dem dieser 1911 seine Gefühle über Farbe und ihre psychologische Wirkung auf den Menschen skizziert hatte.

Dass die Möbel über so viele Jahrzehnte attraktiv geblieben sind, veranlasst auch zeitgenössische Designer, sich immer wieder mit den Stücken auseinanderzusetzen. Das Hamburger Duo Besau Marguerre hat zum Beispiel eine limitierte Jubiläumsedition des Thonet-Stuhls namens S 533 F von Mies van der Rohe entworfen.

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