Berlin - Kubische Bauformen à la Bauhaus liegen im Trend – auf ihren Flachdächern schlummert ökologisches Potenzial, von dem Mensch und Umwelt profitieren können. „Studien weisen nach, dass schon die Pflanzen einer anspruchsloseren Dachbegrünung Feinstaub, Stickoxide und weitere Schadstoffe aus der Luft filtern und abbauen können“, sagt Dr. Gunter Mann, Präsident des Bundesverbandes Gebäudegrün. Und Lärm mindern könnten sie auch.
Bei starken Niederschlägen fungieren Gründächer zudem als Zwischenpuffer und entlasten die Kanalisation. Je nach Bauart hält ein Gründach 50 bis 90 Prozent der Niederschläge zurück, erklärt die Fachvereinigung Extruderschaumstoff. Ein Großteil des Wassers verdunste, der Rest fließe zeitverzögert ab – Hausbesitzer sparen Abwassergebühren. Gleichzeitig entsteht durch Verdunstung und Kühlungseffekt ein verbessertes Klima im direkten Umfeld.
Zwei Formen von Gründächern werden unterschieden: Extensiv- und Intensivbegrünungen. Extensive Gründächer sind die einfachere Variante mit geringem Schichtaufbau, wenig Gewicht, trockenheitsverträglichen Pflanzen und relativ überschaubarem Pflegeaufwand, erklärt der Bundesverband Gebäudegrün.
Dagegen sind Intensivbegrünungen begehbare Anlagen, sogenannte Dachgärten, die genehmigungspflichtig sind. Damit sie dauerhaft funktionieren, ist der Dachaufbau höher und damit auch schwerer. „Bei aufwendigeren Intensivbegrünungen mit größeren Pflanzen müssen Architekten und Landschaftsgärtner den Einklang mit der Statik sicherstellen“, sagt Rüdiger Grimmert von der BHW Bausparkasse.
Jede Art von Gründach ist auf ihre Weise aus mehreren Schichten aufgebaut: Unter der obersten Tragschicht für die Vegetation befinden sich Filter- und Drainageschichten zum Abführen von Niederschlägen und Feuchtigkeit. Anspruchsvolle Begrünungen können bis zu sechs Schichten umfassen, so der Dachsystemhersteller Bauder.
Diese Schichten schützen zugleich die Dachabdichtung, so die Fachvereinigung Extruderschaumstoff: Ein begrüntes Dach senkt die Temperaturschwankungen für eine Abdichtung um circa 30 Kelvin ab, verringert somit Schädigungen und verdoppelt dadurch die Lebensdauer des Flachdachs. Ein konventionelles Kies- oder Bitumendach müsse etwa alle 20 Jahre saniert werden.
Außerdem reduziere ein Gründach im Vergleich zum konventionellen Dachaufbau sowohl den Wärmeeintrag im Sommer als auch den Wärmeverlust im Winter um bis zu 19 Prozent, erklären die Dämmstoffhersteller. Dazu kämen nochmals etwa bis zu 30 Prozent an eingesparten Energieverlusten durch die Dämmung hinzu. Das bedeute weniger Heizen im Winter und kühlere Räume an heißen Tagen. Messungen an einem 16 Zentimeter starken Substrat mit Pflanzen und Kräutern hätten ergeben, dass bei einer Außentemperatur von 30 Grad unter der Erde nur 16 Grad herrschten. Bei -14 Grad Außentemperatur wurden unter der Bepflanzung 0 Grad gemessen.
Die verschiedenen Arten der Dachbegrünung unterscheiden sich in Aufbau und Bepflanzung:
Extensiv: Das Dach erhält einen mehr oder minder grünen Teppich aus genügsamen Pflanzen wie Gräsern, niedrigen Stauden, Wildkräutern und Moosen. Die Anlage ist kostengünstig und pflegearm – Düngen und Unkrautzupfen reichen aus. Betreten wird das Dach nur zur Pflege.
Intensiv: Auf dem Dach entsteht ein echter Garten, der aber auch pflegeintensiv ist. Es können Beete angelegt und sogar Bäume gepflanzt werden. Voraussetzung ist eine robuste Unterkonstruktion.
Schrägdach: Für die extensive Begrünung eines geneigten Daches bedarf es spezieller Systeme, um den natürlichen Abfluss des Wassers auszugleichen und den Aufbau stabil zu lagern. Doch selbst Steildächer mit einer Neigung bis zu 45 Grad können laut Bundesverband Garten- und Landschaftsbau auf diese Weise begrünt werden – beispielsweise mit purpur blühendem Feldthymian.
