Köln - Eine zum übrigen Wohnraum hin offene Küche ist bei Neubauten fast schon Standard. Von mehr als 90 Prozent der Grundrisse geht der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) aus. Das verändert die Ansprüche der Bewohner an ihre Möbel und Haushaltsgeräte. Denn in einem großzügigen Wohnraum ohne schützende Trennwände zu wohnen, kann auch nervig sein. Die Gerätehersteller und Möbeldesigner bieten Lösungen an:

Geräusche: „Die Haushaltsgeräte müssen leise sein, das betrifft vor allem Dunstabzugshauben und Spülmaschinen in der Küche“, erklärt Kirk Mangels, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft „Die Moderne Küche“. Flüsterleise Geräte bringen immer mehr Hersteller auf den Markt. Eine verzögerte Automatik der Scharniere, die den Schwung des Zustoßens abbremst und damit einen lauten Knall verhindert, setzt sich bei neuen Küchen inzwischen durch.

  Ambiente: Lange galt die Küche als Werkraum und es wurden kühl und steril wirkende Materialen verwendet. Aber nun soll die Küche als Teil des Ess- und Wohnzimmers wahrgenommen werden, und somit müssen sich Küchenmöbel und -geräte in das gemütliche Ambiente einfügen. Die Gerätehersteller reagierten darauf, indem sie beispielsweise den Edelstahlanteil reduzierten. Nutzerstudien hätten gezeigt, dass solche Küchengeräte eine höhere Akzeptanz bei den Konsumenten hätten, erläutert Gerhard Nüssler, Chefdesigner der Siemens-Elektrogeräte. Statt Edelstahl seien schwarzes oder weißes Glas an den Geräten gefragt, ergänzt Robert Sachon von Robert Bosch Hausgeräte. Und die Schränke nähern sich optisch immer mehr den Wohnzimmer-Möbeln an. Griffe verschwinden, man muss nur noch auf die Türen drücken und sie öffnen sich. Immer mehr Küchenhersteller bieten auch schlichte, offene Regalbretter an. „Sie ersetzen die Oberschränke und lassen die Küche wohnlich wirken“, erklärt Jörg Overlack vom Kücheneinrichter SieMatic.

Privatsphäre: Viele Menschen vermissen in offenen Grundrissen nach einiger Zeit doch die Privatsphäre und klar abgegrenzte Funktionsbereiche, erläutert Ursula Geismann (VDM). „Die Menschen haben die Wände herausgerissen, und plötzlich wollen sie wieder Trennwände“, erklärt Bernd. D. Ehrengart, Inhaber des Raumausstatters Lambert. Die Lösung seien flexibel einsetzbare Raumteiler. Zunehmend würden auch Regalwände oder Küchenbuffets wie aus Omas Zeiten als Solitäre angeboten, die mitten im Raum stehen können. Alternativ bieten sich Vitrinenmöbel mit Glaswänden zu allen vier Seiten an.

Premium-Geschirrspüler erzeugen ein Geräusch von 37 Dezibel, was weniger als ein normales Gespräch mit 45 bis 55 Dezibel ist. Kühl- und Gefrierschränke liegen etwa auf dem gleichen Niveau oder etwas darüber. Bei Dunstabzugshauben kommen Spitzenmodelle auf der zweiten Lüftungsstufe auf 35 Dezibel. Verantwortlich für die Geräuscharmut sind laut Arbeitsgemeinschaft „Die Moderne Küche“ leistungsstarke Motoren mit bürsten­losem Magnetantrieb, intelligente Inverter-Kompressoren, spezielle Geräuschdämmungen und ein Antivibrations-Design.

Der Wunsch nach Offenheit endet für viele Menschen beim Badezimmer, ergab eine Umfrage im Auftrag der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft. Vom Bad als Treffpunkt für die ganze Familie halten die Deutschen nichts. 67 Prozent lehnen das Einrichten eines „geselligen“ Bades kategorisch ab, 17 Prozent bezeichnen es für sich als eher unwahrscheinlich. Seit Jahren entwickeln Möbeldesigner und Sanitärunternehmen Ideen, das Bad zum Beispiel zum Schlafzimmer komplett zu öffnen. Wände fallen, und die Dusche wird beispielsweise frei im Raum aufgestellt.

Die Vibrationen und Geräusche einer Waschmaschine werden auf einem Dielenfußboden noch verstärkt. Abhilfe kann eine Entkoppelungsmatte schaffen, auch als Antivibrationsmatte im Handel zu finden. Die Maschine muss auf der dicken und festen Gummimatte aus dem Baumarkt allerdings noch mal mit einer Wasserwaage ausgerichtet werden. Die Vibrationen und Geräusche lassen sich damit allerdings nicht ganz unterbinden.