Mailand - Eine klare, sehr reduzierte Formensprache ist der aktuelle Trend im Möbeldesign, wie er jetzt auf der weltweit wichtigsten Möbelmesse – dem Salone del Mobile in Mailand – gezeigt wurde. Viele neue Stühle sehen aus wie Stühle in ihrer einfachsten Form – keine sichtbaren Extras, kein Chichi. Und soweit möglich, wird das Material reduziert.

Sofas, Sessel und Betten stehen auf dünnen, sogar dürren Beinen. Regale setzen sich aus hauchdünnen Platten zusammen. Und wenn Sofas noch Rundungen gegönnt werden, fehlen ihnen schon mal die Armlehnen. Der Designer Naoto Fukasawa, der sich der Einfachheit von Produkten widmet, verschmälert die Taille des eleganten Longchairs Land für Plank so weit, dass man sich unweigerlich fragt: Fehlt da nicht etwas?

Bei anderen Produkten könnte der Betrachter an Bequemlichkeit oder Stabilität zweifeln. Doch genau das ist das Neue: Die Unternehmen setzen ihre Möbel bewusst auf Radikaldiät, bieten dabei aber großen Komfort und Praktikabilität. Der Reiz daran: Das Minimalistische sieht stilvoll und schick aus. Und es macht neugierig, was die Umsetzung des Designs angeht. Denn die Kreativ- und Fertigungsprozesse sind aufwendig. Und in manchen Möbeln steckt mehr als zunächst ersichtlich.

Zum Beispiel im hauchdünnen Tisch Fila von Konstantin Grcic für Plank, der auf geradezu dürren Beinen stehen kann, ist es ein Rahmen mit vier massiven Aluminium-Winkeln. Sie verbinden die Beine und Traversen miteinander und sorgen so für Stabilität. Damit das nicht auffällt und die Elemente scheinbar keine Nähte haben, sind die Winkelverbinder akkurat gefräst statt gegossen.

Für Moroso hat Stardesignerin Patricia Urquiola bildlich gesprochen mit Steinen gespielt: Ergibt sich eine Balance zwischen den ungleichen Elementen, können normale kräftige Formen ganz leicht wirken, erklärt das Unternehmen. So ist es auch beim Sofa Gogan. Da die Sitzfläche am Schwerpunkt leicht nach hinten geneigt ist, erhöhe sich außerdem der Komfort beim Sitzen.

Beim Bett namens Friday Night für Zeitraum hat das Designduo Formstelle zu einem anderen Kniff gegriffen: Die Rückenlehne geht auf halbem Weg in eine Biegung und wird unten zugleich zu den schlanken Hinterfüßen des Bettes. Das verschlankt die Seite optisch. Außerdem sind die vorderen Füße etwas nach hinten versetzt, wodurch das Bett je nach Blickwinkel wirkt, als würde es schweben.

Philippe Starck hat für den Stuhl „A.I.“ des italienischen Möbelproduzenten Kartell künstliche Intelligenz bemüht. Die Vorgabe: einen Stuhl formen, der mit so wenig Material wie möglich auskommt, dabei komfortabel, stabil und solide ist und Starcks ästhetische Prämissen erfüllt. Kooperationspartner ist Autodesk, ein US-Unternehmen für 3D-Software. „A.I.“ ist ein Stuhl, der nur zwei übliche gerade Beine vorne hat. Hinten gehen die schrägen Beine bis hoch zur Lehne. Kartell spricht davon, dass dies „das erste durch künstliche Intelligenz konzipierte Designobjekt“ sei.