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NWZonline.de Ratgeber Wohnen & Leben

REPAIR-CAFÉ: Schrauben, hämmern, nähen – reparieren in geselliger Runde

02.03.2021

Hilfe zur Selbsthilfe

Repair-Cafés sind Treffen, bei denen die Teilnehmer allein oder gemeinsam mit anderen ihre kaputten Dinge reparieren. „Dabei stehen ihnen ehrenamtliche Fachleute zur Seite“, erläutert der Oldenburger Rüdiger Ooster, der selbst seit mehreren Jahren in Oldenburger Repair-Cafés interessierten Besuchern unter die Arme greift, um Bügeleisen und Co. wieder zum Laufen zu bringen.

„Ziel ist es aber nicht nur, mit einem wieder funktionsfähigen Gerät nach Hause zu gehen, sondern dabei zu lernen, wie es repariert werden kann“, betont er.

Die Idee des Repair-Cafés kam 2013 nach Oldenburg. „Den Initiatoren war klar, dass die Graswurzelbewegung zur Nutzungsdauer von Gegenständen auch hier bei uns funktionieren würde“, erzählt Rüdiger Ooster. Und sie hatten Recht: Aktuell gibt es in Oldenburg und an der Stadtgrenze in Metjendorf acht Repair-Cafés: in Bloherfelde, Bümmerstede, Dietrichsfeld, Eversten, Kreyenbrück, Ohmstede und in der Innenstadt.

Der Trend des Selbstverständlichen

Reparieren war früher für unsere Mütter und Väter eine Selbstverständlichkeit. Warum eigentlich? „Damals waren Geräte teuer und die Arbeitszeit relativ günstig – heute ist es umgekehrt“, erklärt Rüdiger Ooster. Der Herstellungsprozess von Produkten habe sich im Lauf der Zeit massiv verändert. „Viele manuelle Tätigkeiten werden mittlerweile von Automaten ausgeführt. Und das Design der Geräte wird entsprechend optimiert – zum Beispiel werden Gehäuseteile geclipst statt geschraubt. Hinzu kommt, dass die Produktionskosten gesenkt und die Stückzahlen erhöht werden. Dadurch wird die Wiederbeschaffung defekter Geräte über niedrige Preise gefördert.“

Ein weiterer Aspekt sei die Verlagerung der Produktion ins Ausland. „Früher wurden bei der Elektronik Standardbauteile zusammengebaut. Heute ist es hingegen günstiger, spezielle Chips in Fernost produzieren zu lassen, die fast alle Funktionen integrieren“, erläutert der Ehrenamtler. Diese seien als Ersatzteil meist schwer zu beschaffen und manchmal sogar teurer als das ganze Gerät. Eine Reparatur wäre daher unrentabel.

„Die Arbeitskosten und der Zeitaufwand bei Reparaturen sind natürlich nach heutigem Standard hoch und steigen noch durch die Produktionsoptimierung. Eine Reparatur wird nicht eingeplant, sondern im Gegenteil sogar erschwert“, sagt Ooster. Doch weil Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung sowie Klimaschutz für immer mehr Menschen eine wichtige Rolle spielen, liegt Reparieren wieder voll im Trend – und somit auch der Besuch im Repair-Café.

Umweltschutz und Spaß in einem

„Es macht auch einfach Freude, die Nutzung von Produkten zu verlängern, die vielen Menschen etwas bedeuten – zum Beispiel ein altes Radio oder eine liebgewordene Küchenmaschine“, erzählt Rüdiger Ooster. Reparieren schone auch das eigene Portemonnaie. Zudem gebe es heutzutage immer weniger handwerkliche Betriebe, die eine Reparatur anbieten. „Diejenigen, die es tun, gilt es, mit ihren sozialversicherungspflichtigen Arbeits- und Ausbildungsplätzen wahrzunehmen und zu erhalten“, ruft der Ehrenamtler auf. „Auf einem endlichen Planeten können wir nicht unendlich seine Ressourcen plündern. Angesichts einer immer deutlicher zu Tage tretenden Klimakrise müssen wir zwangsläufig die Ressourcen weiter nutzen, die bereits der Erde entrissen worden sind. Recycling und Upcycling sind zwei Stichworte – und wir sollten eine mit ihnen verbundene Kreislaufwirtschaft in Gang setzen“, betont er.

Viele Menschen sehen das genauso. Daher kommt auch das Angebot der Repair-Cafés so gut an. „Ob in einem Stadtteiltreff, in einem Jugendtreff, in einer Schule, in einer Kirchengemeinde, in einem Museum, in einem Theater oder in der Uni – Repair-Cafés werden intensiv angenommen“, sagt Rüdiger Ooster. „Sprich: Die Nachfrage übertrifft oft das Angebot.“ Damit geht meistens eine gewisse Wartezeit einher, bis es zum Reparieren kommt. „Diese wird dann gesellig überbrückt bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen. Je nach Repair-Café gibt es manches Mal sogar frische Sahne dazu.“

Reparaturstau durch Corona-Krise

Durch die Coronakrise ist jedoch ein Reparaturstau entstanden, den es nach der Pandemie abzuarbeiten gilt. Die Ehrenamtler der Repair-Cafés fiebern der Wiedereröffnung schon sehr entgegen. „Aber unsere und die Gesundheit der Besucher gehen nun einmal absolut vor“, betont Ooster. „Die langjährige Erfahrung zeigt sowieso, dass Geräte oft lange defekt sind, bevor sie zu uns gebracht werden. Da kommt es auf ein paar Monate nicht an.“

Daran wird gewerkelt

In der Regel finden die Oldenburger Repair-Cafés einmal im Monat statt, außer in der schulfreien Zeit. Sie umfassen Reparaturangebote aus verschiedenen Bereichen, etwa Fahrräder sowie Haushalts-, Elektro- und Elektronikgeräte instand setzen, Kleidung nähen, Upcycling, Spielzeug reparieren, Messer schärfen, Socken stopfen und so weiter. „Am häufigsten werden Staubsauger, Mixer, Bügeleisen, Radios, Kaffeemaschinen, Wasserkocher und Spielzeug repariert“, berichtet Rüdiger Ooster. „Oft bringen die Leute auch Geräte mit, die keine Firma mehr zur Reparatur annimmt – wie etwa Plattenspieler, Kassettenrecorder, Tonbandgeräte sowie Gartenartikel wie Rasenmäher und Heckenscheren.“ Das Außergewöhnlichste, das Rüdiger Ooster bisher repariert hat, war übrigens ein amerikanischer Mikrowellenofen.

Alles lasse sich allerdings nicht instand setzen. „Abgebrochene Teile sind ein Problem und lassen sich oft nicht kleben oder sind nicht mehr vollständig vorhanden. In diesen Fällen müssen wir passen“, erläutert der Tüftler. „Und auch bei uns kann eine Reparatur unrentabel sein. Ein Problem ist oft das Öffnen der Geräte, um den Fehler zu suchen. Dabei lernt man aber ständig dazu und kennt inzwischen diverse Tricks. Im Team helfen wir uns gegenseitig und lernen voneinander.“

Ehrenamtliches Angebot

Weil es sich beim Repair-Café um ein ehrenamtliches Angebot handelt, kostet die Instandsetzung auch nichts. „Ein Dankeschön und ein Lächeln über das reparierte Gerät kommen in der Regel von allein“, sagt Rüdiger Ooster. „Wir freuen uns allerdings immer über eine Spende, wenn das möglich ist. Denn wir müssen eine Versicherung bezahlen, unsere Homepage pflegen, Flyer mit den Terminen drucken, das eine oder andere Ersatzteil oder eine Kabeltrommel kaufen oder eine Birne in einer Nähmaschine ersetzen.“

Neu ab 1. März 2021 Getreu dem Motto „Reparieren statt wegwerfen“ müssen neue Elektrogeräte wie Kühlschränke, Waschmaschinen und Fernseher künftig leichter reparierbar sein. Seit dem 1. März sind die Hersteller nämlich verpflichtet, Ersatzteile bis zu zehn Jahre lang vorrätig zu halten. Darüber hinaus müssen mit dem Gerät künftig Reparaturinformationen mitgeliefert werden, damit die Verbraucher selbst zum Schraubenzieher greifen können und nicht unbedingt auf den teuren Kundenservice angewiesen sind.


     www.repaircafeoldenburg.org 
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