Düsseldorf - „Eine Fassade ist immer auch ein Statement des Hausbesitzers“, sagt Christian Schramm von der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Doch bei aller individuellen Freiheit habe der Bauherr auch eine soziale Verantwortung. Das Haus stehe in einem Umfeld, in das es sich so einfügen sollte, dass sich die Gemeinschaft damit wohlfühlt. Das bedeutet aber nicht, dass alle Häuser gleich aussehen müssen. Allzu großen Experimenten sind ohnehin vielerorts durch Bebauungspläne oder Gestaltungssatzungen Grenzen gesetzt.

Bei der Wahl der Fassadenbekleidung ist auch der beste Wetterschutz und eine effiziente Wärmedämmung wichtig. Und natürlich spielen ästhetische Aspekte eine Rolle. Holz macht eine Fassade warm und gemütlich, Metall oder Glas lassen sie kühler und strenger erscheinen. Experten unterscheiden zwischen großformatigen und kleinformatigen Varianten. Die Großformate bestehen zum Beispiel aus Natursteinen oder Platten, unter anderem aus Faserzement oder Harzkomposit. Kleinformatige Fassaden setzen sich etwa aus Schiefer, Faserzement, Ziegeln, Holzschindeln oder Metall zusammen.

„Es ist sinnvoll, sich an den Häusern der Nachbarschaft zu orientieren“, findet Josef Rühle, Geschäftsführer Technik beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks. „Denn in den traditionellen Fassaden spiegeln sich jahrhundertealte Erfahrungen mit den regionalen Wetterbedingungen wider. Was sich so lange bewährt hat, kann auch heute nicht falsch sein.“ So trotzen Klinkerfassaden im Norden gut Starkregen und Sturm. Ziegel, Schiefer- und Dachsteinfassaden sind im Harz, aber auch im Westerwald, der Eifel, Westfalen und anderen Regionen mit Wind und Schlagregen beliebt. Und die Holzschindeln im bayerischen Raum bewahren die Häuser vor Nässe, Sturm und Hitze. In Gegenden, die nicht durch extreme Witterungseinflüsse belastet sind, werden gerne Wärmedämmverbundsysteme eingesetzt.

In puncto Wärmedämmung brauchen sich klassische Fassadenbekleidungen nicht zu verstecken. Die meisten kleinformatigen Fassaden werden als vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF) angebracht. Das bedeutet, dass es zwischen gedämmter Hauswand und Bekleidung eine Luftschicht gibt, so dass Hauswand und Wärmedämmung trocken bleiben. Regen und andere Witterungseinflüsse werden abgehalten, erklärt Jan Preuß vom Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden: „Bau- und Nutzungsfeuchte aus dem Hausinneren trocknen dank der Hinterlüftung schnell ab.“