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NWZonline.de Ratgeber Wohnen & Leben

Es gibt Stoff: Textilien im Rausch der Individualisierung

18.01.2017

Köln (dpa/tmn) - Die Initiative Textile Räume protestiert - gegen FFK. Wie bitte? Gegen freie Fensterkultur. Wie bitte? Es soll wieder mehr Stoff in die eigenen vier Wände einziehen. Aha.

Um dieses Ziel durchzusetzen, zogen sogar Demonstranten zum Kölner Dom. Eine PR-Aktion, klar. Auf der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne in Köln (vom 16. bis 22. Januar) warb die Initiative für ihr Anliegen unter dem Motto "Gib dir Stoff".

Die Gardine, die Decke, der Kissen- oder Sofabezug - sie sollen Einzug halten in unser Zuhause. Warum? Ein Grund ist dem Verband zufolge die kalte Jahreszeit: Kuschlige Stoffe können für Wärme sorgen. "Wir erleben ein Revival der Stoffe im Wohnbereich", sagt Journalist und Trendforscher Frank A. Reinhardt. "Wir wollen es kuschelig zu Hause haben." Dazu gehöre, dass wir in irgendeiner Form dekorieren. "Dabei sind Stoffe wichtig."

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Wohin der Trend aber bei den Stoffen geht - das lässt sich kaum ausmachen. Zumindest scheint es keine eindeutige Richtung zu geben. Das zeigt schon ein Blick auf Muster und Farben. Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie erklärt: "Rot-Töne sind im Angebot, auch das appetitanregende Orange und Grün in vielen Facetten. Naturtöne bleiben." Grau habe sich als Frontfarbe etabliert, sagt die Trendanalystin.

Klingt ein bisschen wie "Anything goes", also alles geht - diesen Eindruck machen auch die Hersteller. Beim Unternehmen Christian Fischbacher möchte man weg vom tristen Grau. "Es ist Zeit für etwas Positives", sagt Unternehmensleiterin Camilla Fischbacher. Stattdessen setzt man auf das Dschungelthema: Grüne Vorhänge mit floralen Mustern findet man dort.

An Grün kommt sowieso fast keiner vorbei. Das Unternehmen Pantone, das ein verbreitetes Farbsystem für die Grafik- und Druckindustrie entwickelt hat und jedes Jahr Modefarben von Trendscouts analysieren lässt, hat Grün zur Trendfarbe ausgerufen. Beim Textilverlag Nya Nordiska setzt man das mit dem Motto "Hunter", also Jäger, um. "Jade ist für uns das Trendfarbthema", sagt Marketingleiter Marco Vieregge.

Ganz anders macht es allerdings JAB Anstoetz - hier ist einfach alles weiß. "Winterzauberwald" nennt das Nadine Evering-Heitbrink vom Unternehmen, selbst wenn das Motto durchaus auch zum Sommer passen soll. Hier gibt es alles, was die Farbe Weiß so zu bieten hat - von silbrig bis cremefarben.

Gar nicht entscheiden mochte man sich beim spanischen Unternehmen Zuzunaga. Das Pixel Albedo Sofa wirkt, als hätte es alle Farben der Farbpalette auf sich vereint - der Bezug ist einer Rastergrafik nachempfunden und ein farbenfroher Hingucker. Wem das zu bunt ist, dem sei verraten, dass man die Bezüge auch wechseln kann.

Herrscht bei den Farben also noch wildes Durcheinander, gibt es bei den Stoffen eine einhellige Meinung: Naturmaterialien. Leinen, Seide oder Kaschmir spielen ganz vorne mit. Doch auch hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt - vor allem, wenn es ums Kombinieren geht.

Kinnasand etwa vereint die natürlichen Eigenschaften der Naturmaterialien mit Kunstfasern wie Viskose, Nylon und fein gesponnenem, flammhemmendem Polyester. Bei Nya Nordiska wirken aufgedruckte Schaumapplikationen wie schimmernde Metallplättchen. Bewusst wird hier mit dem Kontrast zwischen matt und glänzend gearbeitet.

Welche Textilien sollen also unser Zuhause schmücken? Das lässt sich nicht klar sagen. Farben, Muster und Stoffe sind so vielseitig, dass eine klare Linie kaum auszumachen ist. Der im Moment über allem schwebende Mega-Trend der Möbelbranche - die Individualisierung - lässt auch den Textilbereich nicht aus. "Hinzu kommen immer mehr mutige Endkunden, die Farben und Muster frei miteinander kombinieren", erläutert Trendexpertin Geismann.

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