NEUENBURG - NEUENBURG/BRW - Als wichtige Errungenschaft hat die Beauftragte der Bundesregierung für behinderte Menschen, Karin Evers-Meyer (MdB), das Antidiskriminierungsgesetz bezeichnet. Das Gesetz sei wichtig für behinderten Menschen, weil es ihre Benachteiligung im Zivilrecht und damit im Alltagsleben korrigiere, sagte die Politikerin beim Treffen der MS-Selbsthilfegruppen aus dem Ammerland, Varel, Wilhelmshaven und Schortens am Wochenende in Neuenburg.

Durch das Gesetz würde die Diskriminierung von Behinderten bei der Wohnungssuche, beim Führen eines eigenen Girokontos und beim Abschluss von Versicherungen verhindert. Behinderte dürften künftig nicht mehr von Versicherungen benachteiligt werden. Karin Evers-Meyer, die seit Herbst 2005 Beaufragte der Bundesregierung für behinderte Menschen ist, sprach auf Einladung der MS-Kontaktgruppen aus der Region, die sich erstmals im neuen Gemeindesaal in Neuenburg zum Erfahrungsaustausch treffen konnten. Sie stellte das für Behinderte wichtige Gesetzeswerk im Sozialgesetzbuch IX vor. Auf großes Interesse – aber auch Skepsis hinsichtlich der Durchführbarkeit – stießen ihre Ausführungen zum so genannten Persönlichen Budget, das behinderte Menschen in die Lage versetzen soll, selbstständig Entscheidungen hinsichtlich ihrer Lebensführung zu treffen (als Abkehr von stationärer Unterbringung): „Ambulant geht vor stationär“, lautet ein Motto, das andere: „Der behinderte Mensch geht weg von der

Fürsorge.“ Das setze aber voraus, dass sich die Kostenträger einigten. Hinderlich sei für die Umsetzung im Übrigen, wenn die Föderalismus-Reform greife, weil dann viele soziale Aufgaben Ländersache seien.

Bürgermeister Bernd Pauluschke und als Hausherr Pastor Christian Scheuer hatten die Mitglieder der MS-Kontaktgruppen begrüßt. Beide wiesen darauf hin, dass politische Gemeinde und Kirche vieles für barrierefreien Zugang zu öffentlichen Einrichtungen getan hätten. Gerold von Aschwege (Leiter der Kontaktgruppe Ammerland) gab als Anregung an die Kontaktgruppen aus Friesland das Modell Ammerland weiter: Dort ist der Lions-Club Schirmherr der Kontaktgruppe und fördert sie durch Aktionen, die Geld für Aktivitäten erbringen. Im Anschluss an die Diskussion mit der Bundestagsabgeordneten berichtete Ute Henkensiefken (DRK) von der Zusammenarbeit mit Schulen. Dort wird über die Erkrankung Multiple Sklerose informiert und der Umgang damit sowie mit dem Rollstuhl trainiert.