NEUENBURG - Dedo Osterthun braucht in diesen Tagen die Kälte nicht zu fürchten. Um den Hals trägt er eine selbstgestrickte Krake mit Wackelaugen, und ein Strick-Pullunder hält ihn warm – und das alles aus selbstgesponnener Wolle. Dedo Osterthun spinnt leidenschaftlich gerne. Am liebsten in Gesellschaft seiner Spinngruppe. Osterthun leitet die Spinngruppe des Heimatvereins Neuenburg, die sich von Mitte September bis Mitte April jeden Donnerstag von 20 bis 22.30 Uhr in der Friesenscheune bei der Rauchkate trifft.

Zehn Frauen und Männer im Alter von 38 bis 72 Jahren sitzen sich mit ihren Spinnrädern im Kreis gegenüber und verspinnen Schafwolle. Und nicht nur das: „Wir spinnen auch Gedanken“, sagt Gunda Kleinschmidt. Der Gedankenaustausch ist den Gruppenmitgliedern ebenso wichtig wie das Spinnen selbst. „Hier erfährt man viel Neues“, erzählt Silke Osterthun, während sie gemächlich die lose Wolle zu einem hauchdünnen Faden verspinnt. Im Gegensatz zu den anderen, die aus der Wolle Decken, Pullover oder Socken stricken, spinnt sie um des Spinnens willen: „Es macht sehr viel Spaß und entspannt total.“

„Meditativen Charakter“ hat das Spinnen auch für Ralf Hilbers, während Ralf Splitthoff an der Gruppe die Geselligkeit und das Bewahren des alten Handwerks schätzt.

Einmal im Jahr misst sich die Spinngruppe aus Neuenburg mit anderen Gruppen so etwa bei den Nordwestdeutschen Spinnmeisterschaften in Rodenkirchen. Dort gilt es, in einer Viertelstunde aus zehn Gramm Wolle einen möglichst langen Faden zu spinnen.

Diese NWZ -Serie stellt Menschen vor, die ein außergewöhnliches Hobby betreiben.