Wildeshausen - Als wir bei der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes in Wildeshausen ankommen, sitzt Inge Machura wie so oft draußen vor der Tür und macht eine kleine Pause. Freudestrahlend begrüßt sie uns ganz persönlich und drückt alle erst einmal herzlich. Auch Yilmaz und Lisan freuen sich sehr über das Wiedersehen. Sie kennen die Kleiderkammer bereits, da sie regelmäßig donnerstags dort geholfen haben.
Zunächst sind noch Kunden da und wir schauen uns um, sehen die vielen Säcke mit Kleiderspenden, die noch sortiert werden sollen. Zurzeit haben die Frauen sehr viel zutun. Sie kommen mit der Arbeit kaum nach, so erzählen sie später. Seit der Flüchtlingswelle 2015 werden mehr Kleider als je zuvor, auch Markenkleidung, gespendet.
Margrit Hentemann (73), Waltraud Handwerg (66), Faryal Abdalo (50) und Inge Machura (64) aus Wildeshausen sind unsere Gesprächspartnerinnen. Margrit Hentemann hat die Kleiderkammer 2007 mitbegründet und neun Jahre den Vorsitz geführt. Mit sieben Frauen sind sie gestartet, erzählt sie im Gespräch mit uns. Inzwischen helfen 24 Frauen in der Kleiderkammer und leisten etwa 5900 Stunden im Jahr ab. Alle Frauen haben den Wunsch, etwas Gutes zu tun, haben Spaß bei der Arbeit und bekommen auch ganz viel von den Kunden zurück. Kunden sind für die Frauen sowohl die Spender als auch die Käufer.
Seelentröster
Für Margrit Hentemann war nach der Verrentung ganz klar, dass sie nicht tatenlos zu Hause sitzen wollte. Ihr erster Gedanke galt dem DRK und seither hilft sie hier mit. Einige Jahre später kam Waltraud Handwerg aus dem gleichen Grund hinzu. Inge Machura und Faryal Abdalo fanden den Weg zur Kleiderkammer über das Jobcenter. Beide entschieden sich in der Kleiderkammer zu bleiben, als diese Maßnahme nicht verlängert wurde.
„Die Frauen sind alle so lieb, sie sind für mich wie eine Familie. Inge und ich sind jeden Tag hier“, Faryal Abdalos Augen leuchten beim Erzählen.
Mehr als nur eine Kleiderkammer: „Wir sind Seelentröster. Wenn Menschen versterben, kommen Angehörige und bringen die Kleider der Verstorbenen. Dies fällt ihnen schwer und oft wollen sie die Kleider auch gern persönlich abgeben. Wir hören ihnen zu, nehmen uns Zeit und versuchen zu trösten“, erzählt Inge Machura. „Oft sind die Partner gestorben und manche sind unter Tränen, wenn die Sachen hier ausgepackt werden“, ergänzt Waltraud Handwerg. „Deshalb gehen wir auch respektvoll mit den Sachen um“, erzählt sie weiter. „Jeden Tag gibt es solch besondere spürbare Momente mit Spendern und wir nehmen uns dann die Zeit, die es braucht“, fügt Margrit Hentemann hinzu.
Auf Spenden angewiesen
Bei der Frage, ob sie die Arbeit in der Kleiderkammer glücklich macht, sind sich alle Frauen einig: „Oh ja, das ist ganz sicher.“ Ohne die Spender wären wir nichts, das sagen wir ihnen immer und das macht diese auch glücklich“, so Inge Machura. „Ich bin jetzt drei bis vier Jahre dabei und immer erstaunt, wie viele Spenden hier jeden Tag aufs Neue kommen“, sagt Waltraud Handwerg. „Die Flüchtlingswelle haben wir in diesen Räumen erlebt, sie hat die Herzen der Wildeshauser Bevölkerung geöffnet. Seither werden so unglaublich viele Spenden gebracht, dass wir uns entschlossen haben, die Kleiderkammer für alle Menschen zu öffnen“, so Margrit Hentemann.
Faryal Abdalo lacht nur: „Eine andere Arbeit will ich nicht. Ich bin so zufrieden mit unseren Frauen, sie sind alle so lieb.“
Die Zeit verfliegt, schon ist eine ganze Stunde vergangen und wir haben nur wenige Fragen gestellt. Wie kann das sein? Liegt es an dem warmherzigen Umgang der Frauen miteinander, alle sind von ihrer ehrenamtlichen Arbeit total überzeugt und das spüren wir auch. Liegt es an der Offenherzigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der wir hier aufgenommen werden? Was bringt nun also ehrenamtliche Arbeit? Eine erfüllende Aufgabe, wohlverdiente Müdigkeit und Glück – so lautet unsere Antwort auf diese Frage nach dem Besuch.
