Oldenburg - Seit dem 11. Oktober gilt: Die Zeit der kostenlosen Corona-Bürgertests ist vorbei, jedenfalls für die meisten. Wer nun herausfinden möchte, ob er (mit Impfung oder ohne) an Covid-19 erkrankt ist, muss in der Regel selbst zahlen. Bedeutet das zugleich das baldige Ende der Testzentren? Nicht unbedingt, wie eine Nachfrage bei einigen Betreibern zeigt.
Die Betreiber
Markus Berlik, Geschäftsführer beim Laborkreis, der das Testzentrum in der Maco-City in Osternburg betreibt, war eigentlich davon ausgegangen, dass er die Arbeit nun bald einstellen kann. „Aber ich bin überrascht, wie groß die Nachfrage noch ist.“ Einen deutlichen Rückgang verzeichnet er bei den einst kostenlosen Schnelltests. Rund 30 Prozent weniger als vor der Umstellung seien es zuletzt gewesen. 70 Prozent wurden selbst bezahlt, 30 Prozent waren kostenfrei, weil die Getesteten zu bestimmten Gruppen gehörten.
Für gewisse Personengruppen sind laut Stadtverwaltung die Schnelltests weiterhin kostenlos.
Kinder: Personen, die zum Zeitpunkt der Testung noch keine zwölf Jahre alt sind oder erst in den letzten drei Monaten vor der Testung 12 Jahre alt geworden sind.
Jugendliche/Schwangere: Bis zum 31. Dezember können sich alle Personen, die zum Zeitpunkt der Testung noch minderjährig sind, kostenlos testen lassen. Das gilt auch für Schwangere. Für diese Personen besteht seit August bzw. September 2021 eine generelle Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko).
Keine Impfung möglich: Personen, die aufgrund einer medizinischen Kontraindikation zum Zeitpunkt der Testung nicht gegen das Coronavirus geimpft werden können. Das gilt insbesondere bei einer Schwangerschaft im ersten Schwangerschaftsdrittel, da die Stiko für diesen Zeitraum bislang keine generelle Impfempfehlung ausgesprochen hat.
Junge Mütter/Stillende: Für vormals Schwangere bzw. Stillende erfolgte eine generelle Impfempfehlung durch die Stiko erst am 10. September. Bis zu dieser Empfehlung bestand eine medizinische Kontraindikation. Eine Übergangsfrist von drei Monaten trat erst am 17. September in Kraft. Folglich haben vormals Schwangere bzw. Stillende bis zum 10. Dezember einen Anspruch auf kostenlose Testung.
Freitesten: Personen, die sich wegen einer nachgewiesenen Infektion selbst in Absonderung begeben mussten, können sich kostenlos testen lassen, wenn die Testung zur Beendigung der Absonderung erforderlich ist.
Gaststudenten: Auch Studenten aus dem Ausland, die sich für ein Studium in Deutschland aufhalten und mit in Deutschland nicht anerkannten Impfstoffen geimpft wurden, können sich bis zum 31. Dezember kostenlos per Schnelltest testen lassen.
Studienteilnehmer: Außerdem können Personen, die an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen das Coronavirus teilnehmen oder in den letzten drei Monaten vor der Testung an solchen Studien teilgenommen haben, sich weiterhin kostenlos mit einem Schnelltest testen lassen.
Sehr hoch sei indes weiterhin die Nachfrage nach mobilen Schnelltestangeboten bei Unternehmen. Und geradezu einen Boom verzeichnet der Laborkreis bei den PCR-Tests. „Da hat sich die Nachfrage verdreifacht.“ Berlik vermutet, dass dies mit den Herbstferien und den damit verbundenen Reisen zusammenhängt. Zudem hätten inzwischen zahlreiche Testzentren, gerade außerhalb der Stadt geschlossen. Kunden kämen inzwischen auch vermehrt aus dem Umland zum Testen nach Oldenburg.
Wie lange der Laborkreis das Angebot noch aufrechterhalten wird, kann Berlik nicht sagen. Bei den sich ständig ändernden Regelungen könne man nicht langfristig planen. Ein weiterer Faktor ist der Preiskampf, der unter den Testzentren begonnen hat. Eigentlich habe er mit höheren Preisen für die Schnelltests geplant, aber mit Blick auf den Markt habe er reagieren müssen. Die Kosten für die Schnelltests liegen in der Regel bei 12 bis 15 Euro.
Er habe kein Problem damit, ein Testzentrum auch mal eine Weile mit Verlusten zu betreiben, um der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Aber langfristig müsse er betriebswirtschaftlich denken, so Berlik. „Und eigentlich hoffen wir ja alle, dass wir die Testzentren bald nicht mehr brauchen.“
Auch andere Betreiber haben zum Teil einen Rückgang der Nachfrage nach Schnelltests festgestellt, halten den Betrieb aber weiter aufrecht. Beim Testzentrum „JuMo“ am Julius-Mosen-Platz etwa hätten sich zuletzt viele ältere Menschen, die sonst trotz Impfung noch standardmäßig einmal die Wochen zum Testen da gewesen seien, nun aus Kostengründen verabschiedet, hieß es. Sie wollten das Geld nur noch zu speziellen Anlässen, wie einer Hochzeitsfeier, investieren.
Bei „Oldenburg testet“ (bei Hornbach in Eversten) sei immer noch ein breiter Mix an Menschen zu Gast. Viele Schwangere, Stillende oder Menschen mit besonderen medizinischen Indikationen nutzten die kostenlosen Tests weiterhin, teilte Geschäftsführer Christian Liebezeit mit. Zudem nehme er ebenso eine gestiegene Nachfrage aus dem Umland wahr.
Die Stadt
Die Stadt hatte nach eigenen Angaben im Mai dieses Jahres rund 30 Testzentren auf der Liste, die eigenen Angebote von Einzelhändlern nicht eingerechnet. Derzeit werden auf der Internetseite der Stadt noch elf Teststation aufgeführt (plus zwei an der Stadtgrenze). „Wir versuchen, die Liste so aktuell wie möglich zu halten“, so Stadtsprecher Stephan Onnen.
Dass solche Strukturen aufrechterhalten werden, hält die Stadt für wichtig. „Die Tests bleiben ein wichtiger Faktor. Zum Beispiel, wenn ein 3G-fähiger Testnachweis beim Besuch von Einrichtungen und Veranstaltungen erbracht werden muss, oder für Reisende, die nicht über einen Impf- oder Genesenen-Nachweis verfügen“, so Onnen.

