GöTTINGEN - Der Ruf nach Konsequenzen aus dem Organspende-Skandal an den Unikliniken in Göttingen und Regensburg wird lauter. Der Patientenverband Deutsche Hospiz Stiftung forderte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am Freitag zum Eingreifen auf. Bahr berief ein Krisentreffen für Ende August ein. Andere Politiker verlangten Strafen.
Die Vorgänge in Göttingen und Regensburg dämpfen derweil die Bereitschaft zur Organspende. In fünf Fällen hätten Angehörige in den vergangenen zwei Wochen in Deutschland eine Transplantation ausdrücklich mit dem Hinweis auf diesen Skandal abgelehnt, sagte die Sprecherin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Birgit Blome, der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt am Main. „Das ist ein Thema, das sich niederschlägt und Menschen verunsichert.“
Unterdessen wird spekuliert, dass der beschuldigte Oberarzt am Klinikum Regensburg kein Einzeltäter war. Die Staatsanwaltschaft hat dafür aber keine Anhaltspunkte. Die Prüfungen stünden noch am Anfang, sagte Markus Pfaller von der Staatsanwaltschaft Regensburg. Anlass für die Spekulationen war ein Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, nachdem der beschuldigte Oberarzt wahrscheinlich kein Einzeltäter war. „Wir können keine Vermutungen und Spekulationen anstellen“, sagte Pfaller zu dem Bericht.
Nun steht der als „Doktor O.“ bekannte Oberarzt aber unter Verdacht, zuerst in Regensburg und später in Göttingen Akten gefälscht zu haben. Dabei soll er die Krankheit auf dem Papier verschlimmert haben, damit den Patienten schneller eine neue Leber transplantiert wurde – obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten.
Das Wissenschaftsministerium in Niedersachsen hat sich derweil gegen Vorwürfe verteidigt. Die Grünen hatten kritisiert, Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) sei „abgetaucht“. Beim Thema Organspende gebe es Zuständigkeiten im Wissenschafts- und im Gesundheitsministerium, hielt das Ministerium dagegen.
