Wilhelmshaven - Ein bisschen Helfersyndrom sei schon ganz hilfreich, sagt Jutta Cramer, wenn sie ihre ehrenamtlichen Einsätze schildert. Immerhin sind es gleich zwei Bereiche, in denen es um Menschen geht, die auf die Unterstützung anderer angewiesen sind.

Den ersten Einstieg gab es 2005, als Anja Eiben vom Gemeindekirchenrat mit ihr zusammen eine Suppenküche für Bedürftige einrichten wollte. Das erwies sich organisatorisch als zu kompliziert und so folgten die beiden gern der Empfehlung des damaligen Wangerländer Bürgermeisters Joachim Gramberger, der gut befreundet war mit Luise Eden, Leiterin der jeverschen Tafel.

Schnell kam man mit ihr überein, eine Unterabteilung der jeverschen Initiative ins Leben zu rufen. Mit Hanna Dohrmann, Hanna Faull und Günther Hinrichs wurden erste Mitstreiter gefunden und man fand ganz wichtige Unterstützung: die evangelische Kirchengemeinde stellt jeden Freitag ab 10.30 Uhr das Stephanushaus zur Verfügung und die Gemeinde Wangerland entsorgt den Müll.

Während sich Anja Eiben aus gesundheitlichen Gründen aus dieser Arbeit zurückziehen musste, wurde Jutta Cramer schlichtweg unentbehrlich. Das liegt aber nicht nur an ihrem bereits mit einem Schmunzeln erwähnten Helfersyndrom, sondern an Talenten, die nicht jedem gegeben sind. Die gebürtige Offenbacherin ist gelernte Steuerfachgehilfin und sehr firm im Kaufmännischen. Ohne ordentliche Buchhaltung und eine gewissenhafte ordnende Hand geht es nun mal nicht, und das liegt Jutta Cramer sehr.


Immerhin hat der Hohenkirchener Tafelableger inzwischen bis zu 20 Helfer im Team, die derzeit rund 60 Haushalte mit 200 Kunden betreuen. Da gilt es, die Regeln der in Berlin ansässigen Bundestafel zu beachten. Außerdem müssen die Kunden ihre Bedürftigkeit nachweisen, um Spekulationen vorzubeugen. Andererseits weiß Jutta Cramer, dass es viele Menschen wirklich Überwindung kostet, die Tafel aufzusuchen: Da gibt es etliche ältere Menschen, die aus Scham lieber hungern.