Elsfleth - Rangeleien an der Bushaltestelle, drängelnde Schüler beim Einstieg in den Schulbus, Auseinandersetzungen um die besten Plätze im Bus – Leichtsinn, Konflikte und Unaufmerksamkeit können zu gefährlichen Situationen führen. Gerade für die jüngeren Schüler kann sich das Verhalten der Älteren als belastend auswirken.

Und da viele Kinder bereits in der Grundschulzeit mit dem Bus zur Schule fahren, haben der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) und der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) zum fünften Mal Elsflether Oberschüler zu Schulbusbegleitern ausgebildet. Zwölf engagierte Jugendliche aus der siebten Klasse haben das richtige Verhalten an der Haltestelle und im Fahrzeug trainiert. Dafür wurden sie nun im Rahmen einer Schulfeier geehrt. Neben einer Urkunde gab es auch ein rotes Schlüsselband mit einem Ausweis für die Busbegleiter.

Bei der feierlichen Zeremonie freute sich Schulleiter Jochen Wessels über die Zivilcourage und wünschte den ausgebildeten Oberschülern Mut, Geduld, Klugheit sowie das nötige Fingerspitzengefühl. Veronika Schlierf, Projektkoordinatorin des VBN, schloss sich Wessels Wünschen an und würdigte zusätzlich das Engagement der Schülerinnen und Schüler: „Behaltet es euch bei, immer etwas nebenher zu machen.“ Zum Dank überreichte sie den zwölf neuen Buspaten ein „Jugend-Freizeit-Ticket“, mit dem sie für einen Monat kostenlos im ZVBN-Gebiet fahren können. Außerdem hob Gast Matthias Bühnemann hervor, wie wichtig es sei, dass die Begleiter sich um die Schwächeren kümmern. „Wir sind stolz auf das Projekt in Elsfleth“, sagte der Landkreisvertreter.

Auch musikalisch wurde während der Feierstunde viel geboten. So performte die Klasse 7a das Lied „Was du Liebe nennst“ des deutschen Rappers Bausa. Abgerundet wurde die Veranstaltung von der Schulband, die mit rockigen Songs wie „Chasing cars“ von Snow Patrol oder „Come as you are“ von Nirvana für tosenden Applaus sorgte. Die Band setzt sich aus Sängerin Michelle Wagener, Schlagzeuger Mashal Hekmat (beide 10. Klasse), Bassmann Christoph Bextermüller (Berufseinstiegsbegleiter an der Oberschule) und Lehrer Wessels an der Gitarre zusammen.


Dank des Ausbildungsprojekts sind die Schulbusbegleiter in der Lage, Konfliktsituationen zu erkennen und zu entschärfen. Durch den täglichen Umgang miteinander fällt es den Jugendlichen leichter, angemessen zu reagieren und respektiert zu werden. Damit entlasten sie auch die Busfahrer, die teilweise nicht nur auf den Verkehr achten müssen, sondern den Fahrplan einzuhalten haben und sich um laute und störende Schüler kümmern müssen.

An jeweils vier Ausbildungstagen im April und Mai schulten die Verhaltenstrainer Hartmut Köhler (Verkehrsbetriebe Wesermarsch) und Andre Gieschen (Allerbus) die Nachwuchsbegleiter. Unterstützt wurden die Trainer durch Oberschul-Rektor Wessels, der auch nach Beendigung der Busbegleiterausbildung Ansprechpartner für die Jugendlichen bleiben wird. „Meine Tür steht offen“, verkündete Wessels, „und die der Klassenlehrer ebenso.“

„Manchmal ist es doch hilfreich, einen Erwachsenen hinzu zu holen“, damit verdeutlicht Wessels, dass die Schüler nicht allein gelassen würden. Zudem wurde der Präventionsbeauftragte Jürgen Zimmer des Polizeikommissariats Brake mit eingebunden. Sie alle bekamen zum Dank ein Präsent von der VBN-Öffentlichkeitsvertreterin Schlierf.

Insgesamt wurden in Elsfleth seit 2014 mehr als 50 Jugendliche zu Schulbusbegleitern ausgebildet. Mit ihrer Hilfe fahren Schüler angstfreier – es wird weniger gedrängelt, vermehrt ruhig sitzen geblieben, und es werden weniger Sitze beschädigt sowie seltener an den Haltestellen die Fahrbahn überquert. Die Ausbildung hat sich also bewährt.