Nordenham - Elke Cyriakel-Rohde gehört nicht zu den Menschen, die gerne in der ersten Reihe stehen. Aber wer 44 Jahre mit so viel Leidenschaft in ein und demselben Kindergarten gearbeitet hat, der muss damit rechnen, dass er am letzten Tag vor der Rente in den Mittelpunkt gerückt wird. So gab es am Donnerstag in der katholischen Kita St. Willehad in Nordenham einen großen Bahnhof für die 64-Jährige. Kinder, Eltern, Kolleginnen und viele weitere Weggefährtinnen und Weggefährten wollten beim feierlichen Abschied dabei sein. Natürlich kam auch Pfarrer Karl Jasbinschek, um sich zu verabschieden.
Urgestein
Elke Cyriakel-Rohde ist ein Nordenhamer Urgestein. Sie ist in der Stadt aufgewachsen und zur Schule gegangen. Schon früh stand für sie fest, dass für sie nur zwei Berufe infrage kommen: entweder im Reisebüro oder im Kindergarten. 1975, nach einem dreiwöchigen Praktikum im Willehad-Kindergarten, war die Entscheidung gefallen. Einen guten Draht zu Kindern hatte sie schon damals. Wichtig war und ist ihr zudem die religionspädagogische Arbeit, die in einer katholischen Einrichtung natürlich eine große Rolle spielt. „Die Kirche liegt mir einfach am Herzen“, erzählt die zweifache Mutter.
Als Erzieherin einen Fuß in die Tür zu bekommen, war damals allerdings nicht so einfach. Heute werden Fachkräfte händeringend gesucht. Damals gab es eher zu viele. Deshalb musste sich Elke Cyriakel-Rohde nach ihrer dreijährigen Ausbildung zunächst mit einer halben Stelle begnügen.
Wie in den meisten Berufen hat sich auch im Kindergarten im Laufe von 44 Jahren vieles verändert. Damals bestand eine Gruppe aus 33 Kindern. Heute sind es 24. Zum Spielen saßen die Kinder am Tisch. Erst Jahre später wurde die Einrichtung mit Teppichen ausgelegt. „Früher waren die Kinder trocken, wenn sie in den Kindergarten kamen“, erinnert sich Elke Cyriakel-Rohde. Das sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr.
Anspruchsvoll
Der Job ist anspruchsvoller geworden – da ist sich die 64-Jährige mit ihrer Schwester Christa Cyriakel einig, die die Willehad-Kita leitet. Verhaltensauffälligkeiten kommen heute häufiger vor als vor vier Jahrzehnten. Nicht selten fehlt es den Kindern an Regeln, Grenzen und Strukturen. Auch die stellvertretende Leiterin Petra Boelsen-Gang weiß, dass Kinder heute in der Regel mehr Aufmerksamkeit benötigen. Und Elke Cyriakel-Rohde fügt hinzu: „Früher hieß es: 80 Prozent der Erziehung findet zu Hause statt und 20 Prozent im Kindergarten. Heute ist es eher umgekehrt.“ Deshalb nimmt Elternarbeit viel mehr Raum ein. Auch die pädagogischen Konzepte haben sich verändert. Heute können und sollen die Kinder mehr mitbestimmen. „Eine Erziehung zu demokratischen Bürgern ist das Ziel“, sagt Petra Boelsen-Gang.
Herausforderungen
Nicht selten kommen pädagogische Fachkräfte bei all den Herausforderungen auch mal an ihre Grenzen. Auch Elke Cyriakel-Rohde kennt das Gefühl der Überforderung. Umso mehr schätzt sie den guten Teamgeist in der Einrichtung. „Man wird hier aufgefangen, auch bei privaten Problemen“, sagt die 64-Jährige. Ihre Schwester betont, wie wichtig es ihr ist, dass sich jeder im Team wertgeschätzt fühlt. 22 Mitarbeiter sind in der Kita St. Willehad beschäftigt, darunter 19 pädagogische Fachkräfte. 125 Kinder werden in sechs Gruppen betreut.
Elke Cyriakel-Rohde hat im Laufe der Zeit mit Hunderten von Kindern zu tun gehabt. Inzwischen sind viele von ihnen selbst Eltern und schicken ihren Nachwuchs in die Einrichtung. So ganz weg ist die 64-Jährige übrigens nicht. Als Vertretungskraft bleibt Elke Cyriakel-Rohde der Einrichtung erhalten. Ansonsten will sie sich viel Zeit nehmen, um gemeinsam mit ihrem Mann zu verreisen. Vielleicht geht es im nächsten Jahr schon in die USA.
