Nordenham - Die Nordenhamer Tafel gehört zu den wichtigsten sozialen Einrichtungen in der Wesermarsch. Sie versorgt 1000 Haushalte regelmäßig mit Lebensmitteln. Für ihre Arbeit ist die Tafel auf Spenden angewiesen. Doch daran mangelt es inzwischen.
Nicht generell, aber im Bereich der Firmenspenden. Dort ist laut Karl Jasbinschek, Vorsitzender des Trägervereins für die Tafel und das Arbeitslosenzentrum, und Süntka Janssen, die Leiterin der beiden Einrichtungen, der Rückgang gravierend.
Auf Spenden angewiesen
„Wir müssen verhindern, dass die Tafel in ihrer Existenz gefährdet wird“, betont Karl Jasbinschek, der in Nordenham auch als Pfarrer der katholischen St.-Willehad-Gemeinde bekannt ist.
Seit zwei Jahren sei der Umfang der Firmenspenden deutlich zurückgegangen. Waren es üblicherweise 15.000 bis 20.000 Euro im Jahr, so seien in diesem Jahr bislang erst 3000 Euro eingegangen. Zwar sei das Aufkommen an Privatspenden weiterhin gut, aber die Tafel sei auch auf die Unterstützung durch Firmen angewiesen, betonen Karl Jasbinschek und Süntka Janssen.
Die Tafel gibt es in Nordenham seit 20 Jahren. Sie wurde vom Arbeitslosenzentrum gegründet. Die Tafel versorgt Bedürftige mit Lebensmitteln. Die werden gespendet von Supermärkten, Bäckereien und anderen Betrieben der Lebensmittelbranche. Die meisten Lebensmittelspenden kommen aus der Wesermarsch.
Um diese Lebensmittel abzuholen, zwischenzulagern, zu kühlen und auszugeben ist ein erheblicher logistischer Aufwand erforderlich. „Die Betriebskosten liegen bei 3000 Euro monatlich“, sagt Karl Jasbinschek. Diese Summe muss im Wesentlichen aus Spenden finanziert werden.
Die Stadt Nordenham zahlt die Stelle von Süntka Janssen. Der Landkreis gibt 10.000 Euro im Jahr, die Evangelische Kirche 2000 Euro. Hinzu kommen Gelder von der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter für einige Hilfskräfte. Darüber hinaus arbeiten viele ehrenamtlich. Das war’s. Damit sind die Transportfahrzeuge noch nicht bezahlt, nicht die Kühlaggregate und nicht die Stromkosten für die Kühlung der Lebensmittel.
125 bis 150 Kisten Lebensmittel werden wöchentlich, so Tafel-Mitarbeiterin Michelle Börjes, abgeholt und verteilt. Einen Teil der Lebensmittel muss die Tafel selbst finanzieren, weil das Aufkommen an gespendeten Lebensmitteln zwar stabil geblieben ist, aber nicht immer ausreicht. 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter garantieren einen reibungslosen Betrieb. Mehr als die Hälfte davon ehrenamtlich. Hinzu kommen Ein-Euro-Kräfte, Umschülerinnen, Anleiterinnen und eine Auszubildende.
1000 Haushalte
In den 1000 Haushalten, die von der Tafel Lebensmittel bekommen, leben rund 3000 Menschen. Die Tafel versorgt rund 700 Haushalte in Nordenham, rund 200 in Brake, 70 bis 80 in Rodenkirchen und 40 in Burhave. Obwohl auch bedürftige Bürger der Gemeinden Butjadingen und Stadland von der Tafel versorgt werden, unterstützen diese beiden Gemeinden die Tafel nicht finanziell. Ebenso wenig die Stadt Brake.
Mit den Flüchtlingen aus der Ukraine ist die Zahl der Tafelnutzer noch einmal deutlich angestiegen. Die Lebensmittel werden ausgegeben an Menschen, die von staatlicher Unterstützung leben und dies nachweisen können. Das kann Bürgergeld sein, Grundsicherung, Sozialhilfe, Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, aber auch Wohngeld. „Die Menschen, die bei uns Lebensmittel erhalten, kommen aus allen Altersgruppen“, sagt Süntka Janßen.
Hässliche Worte
Warum ist die Spendenbereitschaft zurückgegangen? Süntka Janßen sagt, dass mit dem Erstarken der AfD zunehmend offen Kritik am Sozialstaat geübt werde, und das oft in hässlichen Worten. Sie erlebt das in Sachen Nordenhamer Tafel unter anderem in den sozialen Medien. „Da ändert sich etwas im politischen Selbstverständnis in unserem Land“, ist sie besorgt.
„Wir sind bei der Tafel keine Richter. Wir geben Lebensmittel nur an Menschen aus, die ihre Bedürftigkeit nachweisen können“, betont Süntja Janßen sie. Sie hat tagtäglich mit diesen Menschen zu tun und erlebt viele, die schwer an ihrer Situation zu tragen haben. „Wir haben zum Beispiel viele Kunden mit psychischen Problemen“, sagt sie. Corona habe diese Situation verschärft. Andere sind vor Krieg und Gewalt geflohen und erst dabei, sich in Deutschland zu integrieren. „Ich möchte nicht, dass der Rechtsruck in unserem Land dazu führt, dass Menschen stigmatisiert werden“, betont sie.
