Ganderkesee - Die Einsätze bleiben die gleichen: „Herzinfarkt ist Herzinfarkt, da macht der Feiertag keinen Unterschied“, bringt Christian Liebezeit, Praxisanleiter beim Malteser Hilfsdienst (MHD) in Ganderkesee, die beruflichen Herausforderungen an einem Tag wie Heiligabend auf den Punkt. Und trotzdem sei die Stimmung im Team an diesem Tag eine andere als sonst, bestätigten er und seine Kollegen von der Tagesschicht in der Rettungswache an der Urneburger Straße. „Diejenigen, die an diesem Tag arbeiten müssen, machen es sich so schön wie möglich“, sagt Liebezeit. Das können dann schon drei goldene Kugeln sein, die plötzlich die Kentia-Palme in der Ecke schmücken.

Zum weihnachtlichen Wohlgefühl trägt an diesem Vormittag auch Christel Zießler bei: Ganderkesees stellvertretende Bürgermeisterin bringt den Diensthabenden in der Malteser-Wache eine große Schüssel mit Kartoffelsalat und eine reichhaltig belegte Platte mit Frikadellen vorbei – eine schon zu DRK-Zeiten gepflegte Heiligabend-Tradition in Ganderkesee. Mit der kleinen Stärkung bedankt sich die Gemeinde stets bei den Rettungskräften für ihren Einsatz für die Allgemeinheit. Daran hat sich nicht geändert, auch wenn die Rettungswache seit einem Jahr vom Malteser Hilfsdienst betrieben wird.

Ohnehin ist der Wechsel, nachdem der Landkreis Oldenburg den Rettungsdienst-Vertrag mit dem Deutschen Roten Kreuz wegen falscher Abrechnungen gekündigt hatte, ziemlich reibungslos vonstatten gegangen. „Das hat sich sehr positiv entwickelt“, findet Rettungssanitäterin Lena Münstermann, die wie die meisten ehemaligen DRK-Mitarbeiter vom MHD übernommen wurde. Auch Notfallsanitäterin Wiebke Weise und der Auszubildende Julius Walter, die die vierköpfige Heiligabend-Besetzung in der Wache komplettieren, waren vorher für das Rote Kreuz im Einsatz.

Bis zum Mittag bleibt es ein ruhiger Dienst für die beiden Einsatzteams in der Wache. Das liegt auch daran, dass dieser Heiligabend auf einen Sonntag fällt und die Geschäfte geschlossen sind. Notwendige Tätigkeiten wie die Fahrzeug-Instandhaltung werden an einem solchen Tag auf das erforderliche Minimum reduziert. So bleibt zwischen den Einsatzfahrten für die Rettungskräfte tatsächlich ein bisschen Zeit, weihnachtliche Atmosphäre zu pflegen – und sich Salat und Frikadellen schmecken zu lassen.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)