Schweiburg - Aukje Abma will Landwirtin werden. Und das ist für die heute 16-Jährige schon seit vier Jahren eine klare Sache. Natürlich, als Landwirte-Kind weiß sie genau, worauf sie sich einlässt. Doch immer nur auf dem elterlichen Hof mitzuhelfen, ist die eine Sache. In einem fremden Betrieb, eine ganz andere.
Über den Tellerrand
Deshalb war für sie klar, dass sie die Praxiszeiten im Rahmen ihrer Berufsausbildung keinesfalls zuhause in Norderschwei absolviert. Im Moment packt sie als Praktikantin bei Nils von Deetzen und seiner Familie in Schweiburg an der Bäderstraße mit an: „Mir gefällt es sehr gut hier. Nils erklärt alles super. Ich kenne zwar vieles von zuhause, aber wenn Nils etwas erklärt, ist das etwas anderes.“
Wer Landwirt werden will, muss eine Duale Ausbildung absolvieren. Die Auszubildenden lernen in der Berufsschule, in anerkannten Ausbildungsbetrieben und in überbetrieblichen Lehrgängen. Die Ausbildung dauert grundsätzlich drei Jahre, kann aber verkürzt werden.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen informiert über die Ausbildung, Voraussetzungen und Schulen unter
Nils von Deetzen, der mit 29 Jahren der Junior-Chef im Familienbetrieb ist, weiß genau, was seine Praktikantin meint, wie wichtig es ist, über den Tellerrand zu gucken: „Zuhause zu lernen, das wäre nix. Man muss den elterlichen Betrieb verlassen.“ In Varelerhafen und Neuenwege hat er selbst seine Ausbildung absolviert und viele neue Eindrücke sammeln können.
Technik und Tiere
Aukje Abma ist im ersten Lehrjahr. Das spielt sich hauptsächlich in der Schule oder derzeit im Homeschoolinig ab. Dem Szenario kann die 16-Jährige nicht viel abgewinnen: „Die Schulwebsite funktioniert nicht richtig, dann war der Kopierer kaputt. Homeschooling ist einfach nicht so schön wie Schule. Die macht mir mehr Spaß.“
Im zweiten Lehrjahr wird sie weniger die Schulbank drücken, dafür mehr im Lehrbetrieb arbeiten und im dritten Lehrjahr sogar noch einmal den Hof wechseln, um in der Praxis möglichst breit aufgestellt zu sein.
„Moderne Landwirtschaft macht Spaß. Es gibt viel mehr Technik. Aber für mich liegt der Fokus auf den Tieren“, sagt Aukje Abma. Sie erlebt „ein gutes Miteinander und einen guten Umgang mit den Tieren“ – für sie wichtige Gründe für ihre Berufswahl.
Fachkraft von morgen
20 Schüler besuchen ihre Klasse. Das Mädchen beobachtet, dass die Landwirtschaft beliebt ist: „Viele haben keinen eigenen Hof zuhause und wollen trotzdem in die Landwirtschaft.“ Sie selbst kann es sich vorstellen, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. Ihr Bruder sei dem auch zugetan. „Ich weiß es also noch nicht. Angestellt zu sein, wäre aber auch ok.“ Aber irgendwann soll es dann der eigene Hof sein.
Bei Nils von Deetzen darf sie in allen Bereichen mithelfen: Sie säubert Boxen, hat schon beim Setzen der Ohrmarken bei den Kälbern geholfen, die Spalten im Stallboden abgeschoben. Für den Schweiburger Landwirt ist die Praktikantin ein Gewinn: „Die Ausbildung sichert den Betrieben die Zukunft, das sind die Mitarbeiter von morgen und gute Fachkräfte.“ Deshalb bildet von Deetzen selbst aus und lässt regelmäßig Praktikanten Eindrücke sammeln.
Unsere Redaktion begleitet das Leben und Arbeiten auf dem Hof von Deetzen ein Jahr lang in einer Serie. Alle Folgen gibt es unter
