SILLENSTEDE - SILLENSTEDE - Die Geschichte der Pastoren und Prediger, die in Jahrhunderten an der St. Florians-Kirche in Sillenstede wirkten, hat Heimatforscherin Doris Wolken seit mehreren Jahren beschäftigt. Das Ergebnis ihrer mühevollen Arbeit hat sie in einem etwa 100 Seiten starken Buch zusammengefasst, das für Zeitgenossen mit Interesse am kirchlichen Leben und Kirchengeschichte eine interessante Lektüre ist.
Zunächst hatte die im Ort geborene und aufgewachsene Doris Wolken nur für Pastor Reinhard Röver, der von 1987 bis 1994 in Sillenstede wirkte, während einer Erkrankung die Führungen durch die Kirche übernommen. Dabei wurde ihr Interesse an diesem Thema geweckt. Vor der Reformation hatte die Kirche in Sillenstede, die zum Sendstuhl Jever und zum Dekanat Bremen gehörte, einen Pfarrer und einen Vikar. Die beiden Pfarrstellen blieben nach der Reformation erhalten mit den Bezeichnungen „Oberprediger“ und „Unterprediger“. Erst 1845 wurde die zweite Pfarrstelle aufgehoben.
Die Reformation hatte sich in Sillenstede bis zum Jahre 1548 endgültig durchgesetzt. In diesem Jahr übergab Hinrich Behrens Timmermann, der als erster evangelischer Oberprediger in Sillenstede gilt, sein Glaubensbekenntnis nach dem Augsburger Interims, und zwar in lateinischer Sprache. In gleicher Weise wird aus jenem Jahr auch von dem Unterprediger Ubbo zu Sillenstede berichtet. Seit dieser Zeit sind die in Sillenstede wirkenden Seelsorger fast lückenlos nachgewiesen.
Viele Details aus deren Leben, aus der Familie, über Einkommen und andere Begebenheiten sind inzwischen erforscht. Ein großer Teil der nach der Reformation tätigen Pastoren ist in der Kirche beigesetzt und die noch vorhandenen Grabplatten überliefern teilweise ihr Schicksal. Aber auch aus der Zeit vor der Reformation konnten zahlreiche Namen und Daten ermittelt werden.
Der Anfang kirchlichen Lebens in Sillenstede liegt noch im Dunkeln. Der Ortsname wird mit „Celensteda“ erstmals 1138 zu Beginn einer 30-jährigen Fehde erwähnt. Am Ende der Fehde 1168 wird bei den Friedensverhandlungen auch eine Stiftung für die Kirche in Sillenstede genannt. Es wurde Ersatz für die völlig zerstörte Holzkirche gebraucht. Dies ergibt die Vermutung, dass danach mit dem Bau der heutigen Kirche aus Granitquadern begonnen wurde. Kirchenbauten konnten in dieser Zeit Jahrzehnte dauern.
Gesichert ist die Bildung der heutigen Kirchengemeinde Sillenstede in ihrer räumlichen Ausdehnung im Jahre 1230 aus dem Zusammenschluss der Warfdörfer Wulfswarfe, Zielens, Glarum und Purkswarfe sowie der „Haufendörfer“ und Reihensiedlungen Gummelstede, Sillenstede, Stummeldorf und Moorsum zu einem Kirchspiel. Damit war das Dorf Sillenstede mit etwa 50 Höfen entstanden. Bereits drei Jahre später, im Jahre 1233, melden die Annalen die Fertigstellung der Kirche, denn dort heißt es wörtlich: „Is Zilensteda Kercke gebuwet.“
Mehr als 60 Pfarrer und Pastoren sind vom 12. Jahrhundert an im Kirchspiel Sillenstede nachzuweisen. 60 Menschen, die im Orte lebten und wirkten, ihre Familien hatten und Spuren hinterließen. Sie alle hatten die Berufung, das „Wort Gottes zu verkünden“. Es hat sich im Laufe der Jahrhunderte die Bezeichnung geändert. Aus den „Karkherrn“ sind Pfarrer, Prediger oder Pastoren für den ersten Amtsinhaber geworden. Vicarius, Vikar, Unterprediger oder Hilfsprediger für den zweiten Amtsinhaber, an ihrer Aufgabe hat sich im Grunde jedoch wenig geändert. Einzelheiten über die Personen, ihre Familien und ihre Herkunft verrät das interessante und reich bebilderte Buch, das jetzt im Handel ist.
