SüDBäKE - 70 ist er vor wenigen Tagen geworden. Ob man dann weise wird? „Weißer auf jeden Fall“, sagt Dieter Suhr, „ob auch weiser, weiß ich noch nicht so recht“. Es ist eine typische Antwort für den Mann, der sich an der Delfshauser Straße in Südbäke sein Reich geschaffen hat: Wohnhaus mit 150 Quadratmetern, drei Werkstätten, eine für Holz, eine für Metall und die dritte für beides. Alles selber gebaut, nur beim Rammen der Pfähle in den moorigen Untergrund hat er „schweres Gerät“ gebraucht.
Aus Oldenburg ist Dieter Suhr in die Stille des Rastedermoors gezogen. Möbeltischler hat er einst gelernt, arbeitete am Staatstheater und entdeckte spätestens hier sein Talent für die Kunst. Ein Studium schloss sich an, er wurde Fachlehrer für Werken und Technik, übernahm neben dem Schuldienst eine Dozententätigkeit und bildete Lehrer aus, unterrichtete schließlich eine lange Zeit, bis 1990, an der Kooperativen Gesamtschule in Rastede, wo er bis heute unvergessen ist.
Auch ’was ernsthaftes“
„Manchmal muss ich auch ’was ernsthaftes machen“, sagt Dieter Suhr und ist wieder bei seiner Schule. Für eine dortige Schülerfirma konstruiert und baut er eine Vorrichtung, mit der Bänke „in Serie“ hergestellt werden können.
Ernsthaft oft erst auf den zweiten Blick sind die Kunstwerke, die in den Werkstätten, im Carport und im und am Haus zu bewundern sind. Da ist beispielsweise die „Klopsmaschine“ mit ihrer verblüffenden Mechanik. Tritt man in die Pedale, bewegen sich die Arme so, als würde man Fleischklopse rollen. „Wir haben Maschinen gebaut, die für uns produzieren, diese Maschine soll uns unsere Fähigkeiten wieder zurückgeben“, philosophiert Suhr.
Oder die Rhododendron-Pflückmaschine aus früheren Zeiten, mit der der Künstler voller Ironie auf die Eingriffe des Menschen in die Natur aufmerksam macht. Ohne viele Hintergedanken ist dagegen der Bollerwagen mit Bardame, mit dem Dieter Suhr seine Gäste zum 70. Geburtstag überrascht hatte. Die hatten sich für die „Einla-Dung“ schon vor der Geburtstags-Kohlfahrt revanchiert: mit einer eigenen Installation an der Grundstückszufahrt: „Dieter, der Leonardo da Vinci von Südbäke, wird 70“. Und das Werk aus Zahnrädern, Holz und sogar einem alten Autoradio hätte vom Künstler selbst stammen können.
Ritterschlag
Den Namen „Leonardo aus dem Ammerland“ hatte ihm irgendwann einmal der Edewechter Galerist und Kunstkenner Klaus Groh gegeben, mit dem Suhr jetzt auch eines der Projekte „Vergessene Orte“ des Kunstpfades Ammerland umsetzt. Einen anderen Titel hatten ihm Studienfreunde bereits Ende der 70er Jahre verliehen: „Ritter der mechanischen Künste“.
Dabei sind es nicht nur skurille Objekte aus Metall, Holz oder anderen Materialien, die Dieter Suhr fertigt. Er töpfert auch – lässt so zum Beispiel die Rhodokönigin und ihre Prinzessinnen entstehen, mit bauchigen Vasen für das Gewand und Rhodoblüten als Brüste.
Auch am polnisch-ammerländischen Kochkunstbuch war er beteiligt, mit einem Projekt zur „Himmelsmechanik“ und mit der „Soupe de Vernissage“ zur Eröffnung: Kometenschweif- bzw. Sternchennudelsuppe.
Arbeit statt Fernsehen
Neben der Kunst widmet sich Dieter Suhr der Familie (Ehefrau und zwei Töchter, 19 und 21 Jahre jung) und dem 1,5 Hektar großen Grundstück. Um das alles zeitlich zu schaffen, „muss man sich schon selbst disziplinieren“. Dafür verzichtet der Künstler denn auch weitgehend auf das Fernsehen: „Ich arbeite, wenn andere vor der Mattscheibe sitzen.“
