HAMBURG - Kurz vor den Beratungen der Deutschen Bischofskonferenz haben neue Missbrauchsvorwürfe die katholische Kirche erschüttert. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ sind mindestens sechs weitere katholische Einrichtungen betroffen.

Die Vollversammlung der Bischöfe will sich auf ihrer an diesem Montag beginnenden Frühjahrskonferenz in Freiburg mit dem jüngsten Skandal befassen. In seinem Verlauf hatten sich bereits rund 120 Opfer gemeldet.

Die Bundesregierung forderte die Bischöfe zum Handeln auf. „Ich erwarte von der katholischen Kirche konkrete Festlegungen, welche Maßnahmen für eine lückenlose Aufklärung ergriffen werden“, sagte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger dem „Spiegel“. Die FDP-Politikerin schlug Ombudsleute und einen Runden Tisch aus Staats-, Kirchen- und Opfervertretern vor. So könne sich für die Kirche auch Gelegenheit ergeben, „mit den Opfern über freiwillige Entschädigungen ins Gespräch zu kommen“.

Der Skandal um Missbrauchsfälle aus den 60er, 70er und 80er Jahren weitet sich aus. Mit Vorwürfen konfrontiert sind laut „Spiegel“ nun auch zwei ehemalige Heime der Salesianer Don Boscos in Augsburg und Berlin, wo drei Geistliche und ein Mitarbeiter Minderjährige missbraucht haben sollen. Ebenfalls betroffen sei ein ehemaliges Kinderheim der Vinzentinerinnen im oberschwäbischen Oggelsbeuren sowie das Maristen-Internat in Mindelheim (Bayern) und das frühere Franziskaner-Internat in Großkrotzenburg bei Hanau. Massive Missbrauchsvorwürfe gebe es auch gegen frühere Mitarbeiter des Franz-Sales-Hauses in Essen, einer renommierten Behinderten-Einrichtung.

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker rechnet mit einer weiter steigenden Missbrauchsopferzahl.